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16.06.2009

Der weiße Stein

Kalksandstein ist einer der beliebtesten Baustoffe für Mauerwerke

Kalksandstein ist ein massiver Baustoff, der aus Rohstoffen hergestellt wird, die in der Natur in Hülle und Fülle vorkommen: Kalk, Sand und Wasser. Eine der bekanntesten Kalksandsteine ist die Marke Silka der Firma Xella. Der Baustoff hat eine steile Entwicklung in der Baugeschichte hinter sich und ist heute der meistgenutzte Stein im Bau. Jeder dritte Baustein ist inzwischen ein Kalksandstein. Den folgenden Fachwissens-Beitrag findet ihr noch ausführlicher im Azubi-Fachbuch "Baustoffkunde für den Praktiker".
baustoffwissen.de: Eine Reihe Kalksandsteine auf einer Wiese

Nicht nur optisch ein Hingucker: Kalksandstein glänzt in vielen Disziplinen durch hervorragende Werte.
Foto: Bundesverband Kalksandsteinindustrie eV

Der Baustoff Kalksandstein entstand am Ende des 19. Jahrhunderts. W. Michaelis meldete am 5. Oktober 1880 ein Patent an für sein ("Verfahren, aus Kalk, Sand und Wasser hergestellte Formkörper unter Einwirkung von Wasserdampf zu verfestigen"). Kaum hundert Jahre später war der weiße Stein der meistverwendete Baustein überhaupt. Heute ist etwa jeder dritte am aufgehenden Mauerwerk benötigte Baustein ein Kalksandstein. Kalksandsteinprodukte werden gegenwärtig in ca. 130 Werken überall in der Bundesrepublik hergestellt.
Grundstoffe sind Kalk - gemahlener, gebrannter Feinkalk, der im Produktionsablauf mit Wasser gelöscht wird - und kieselsäurehaltige Zuschläge (Sand). Nach "innigem Mischen" der Zutaten formen Spezialpressen die so genannten Rohlinge der verlangten Steinart (Voll-, Loch-, Block- und Hohlblocksteine) und Abmessung. Diese werden in Druckkesseln (Autoklaven genannt) unter hohem Wasserdampfdruck bei Temperaturen zwischen 160 und 220°C gehärtet. Dabei bilden sich Verbindungen, die dem Stein seine besonderen Eigenschaften wie Helligkeit und Druckfestigkeit geben. Der Fachausdruck für diesen Prozess ist "Hydrothermalsynthese". Nach Härten und Abkühlen können die Steine verladen, abtransportiert und verarbeitet werden.
Die Verordnung "DIN V 106" unterscheidet Voll-, Loch-, Block-, Plan- und Fasensteine, Planelemente und Rasterelemente sowie Vormauersteine und Verblender. Damit wird - im Vergleich zur alten DIN 106 - der Entwicklung neuer Steinformate im Bereich der Hintermauerung/Mauerwerksbau Rechnung getragen.

Mauersteine

Das breite Sortiment der KS-Mauersteine setzt sich zusammen aus Vollsteinen, Lochsteinen und Blocksteinen. Darüber hinaus werden für die Verarbeitung mit Dünnbettmörtel Plansteine und Planelemente angeboten. Als Variante werden Plansteine mit abgefasten Kanten als sog. Fasensteine hergestellt. Wenn Fasensteine (Vollsteine mit einem Lochanteil kleiner als 15 Prozent) für tragendes Mauerwerk zum Einsatz kommen, darf die Fasenbreite 7 mm nicht überschreiten und die planmäßige zu vermörtelnde Aufstandsbreite muss größer als 115 mm betragen.
Schließlich ermöglichen Rasterelemente (als großformatige KS-Vollsteine) - derzeit noch mit bauaufsichtlicher Zulassung - das Bauen von Mauerwerk im oktametrischen Raster (12,5 cm).

Vormauersteine und Verblender

Diese Steine, die insbesondere für witterungsbeanspruchtes Sichtmauerwerk verwendet werden, müssen die weitergehenden Anforderungen der DIN V 106, Teil 2, erfüllen.
KS-Vormauersteine (KS Vm/KS VmL) sind frostwiderstandsfähige Kalksandsteine (25-facher Frost-Tau-Wechsel) mindestens der Festigkeitsklasse 10.
KS-Verblender (KS Vb/KS VbL) sind frostwiderstandsfähige Kalksandsteine mindestens der Festigkeitsklasse 16. An sie werden bezüglich der Frostwiderstandsfähigkeit (50 Frost-Tau-Wechsel), Ausblühungen und Verfärbungen sowie Grenzabmaße erhöhte Anforderungen gestellt. Für die Herstellung der KS-Verblender werden besonders ausgewählte Rohstoffe verwendet. Die Verblender müssen werkseitig frei sein von schädlichen Einschlüssen oder anderen Stoffen, die später zu Abblätterungen, Kavernenbildung und anderen Gefügestörungen sowie zu Ausblühungen und Verfärbungen führen können, die das Aussehen der unverputzten Wände dauerhaft beeinträchtigen.
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baustoffwissen.de: Brennofen für Kalksandsteine
Kalksandsteine härten unter Wasserdampfdruck innerhalb von 4 bis 8 Stunden in modernen Druckkesseln.
Foto: KS-Info
Bauteile zur Systemergänzung

Bauteile zur Systemergänzung tragen wesentlich zur Rationalisierung auf der Baustelle bei. KS-Flachstürze und KS-Fertigteilstürze werden zur Überdeckung von Öffnungen eingesetzt. KS-U-Schalen lassen sich zur Erstellung von Ring­ankern oder für gemauerte Leitungsschlitze verwenden. Kimmsteine werden zur Erzielung eines planebenen Niveaus und zum Höhenausgleich eingesetzt. Wärmebrückeneffekte lassen sich mit dem KS-ISO-Kimm­stein deutlich reduzieren. Im Gegensatz zu speziellen "Dämmelementen" ergeben sich hinsichtlich Statik, Schall- und Brandschutz keine Einschränkungen, da es sich um einen Mauerstein nach DIN V 106 handelt.
Für nicht tragende In­nenwände nach DIN 4103-1 können KS-Bauplatten (KS-BP) eingesetzt werden.
KS-E-Steine besitzen durchgehende vertikale Installationskanäle mit 60 mm Durchmesser im Abstand 125 mm bzw. 250 mm. Sie eignen sich zum Vermauern im Verband, so dass über die gesamte Wandhöhe durchgehende Kanäle entstehen. Nach der Fertigstellung der Wand können Leerrohre eingezogen werden.

KS-Funktionswand

Als zukunftssichere Wandkonstruktion für den Passivhausbau wurde die KS-Funktionswand entwickelt, die herausragende Eigenschaften verschiedener Baustoffe in einer Wandkonstruktion verbindet und das gesamte Spektrum bauphysikalischer, konstruktiver sowie architektonischer Gestaltung einer zukunftssicheren Außenwand abdeckt. Besondere Merkmale sind:

  • hohe Wärmespeicherfähigkeit für einen sommerlichen wie auch winterlichen Wärmschutz,
  • flexible Dämmschicht, mit der praktisch jeder erforderliche Wärmeschutz, sogar U-Werte unter 0,15 W/m2K erreicht werden,
  • Reduzierung von Wärmebrücken und Begrenzung der Wärmeverluste auf ein Minimum,
  • dauerhafte sichere Wind- und Luftdichtheit,
  • Schallschutz durch die hohe Rohdichte der Kalksandsteine.
Die Fassade kann als KS-Sichtmauerwerk klassisch repräsentativ verblendet oder als Putzfassade individuell farbig gestaltet werden.

Güteüberwachung und ökologische Aspekte

Das bisherige Ü-Zeichen konnte nicht gänzlich durch die CE-Kennzeichnung ersetzt werden, sodass folgende Unterscheidung zu beachten ist:
Ausschließlich CE-gekennzeichnet werden Kalksandsteine, die nach DIN EN 771-2 gefertigt werden, in Bezug auf DIN 1053-1 über DIN V 20000-402 anwendbar gemacht werden können und die für nicht bauaufsichtlich relevante Zwecke (z.B. Gartenmauern) verwendet werden.
Zusätzlich zum CE-Kennzeichen tragen das Ü-Zeichen alle Kalksandsteine, die der DIN EN 771-2 entsprechen und über allg. bauaufs. Zulassungen verfügen oder über die bauaufsichtlich eingeführten Abschnitte der DIN V 106 anwendbar gemacht werden.
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Tipp:
Weiterführendes Wissen findest du in "Baustoffkunde für den Praktiker".

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