Natürlicher Prozess über Millionen von Jahren: schematische Darstellung der Kalkentstehung. Grafik: Baumit
Unterschiedliche Kalkqualitäten
Kalkmörtel ist aber nicht gleich Kalkmörtel. In Abhängigkeit von der Zusammensetzung der verwendeten Rohstoffe entstehen Produkte mit unterschiedlichen Eigenschaften. Spezielle Oxide (Kieselsäure, Tonerde und Eisenoxid) verleihen dem reinen Luftkalk z.B. einen hydraulischen Charakter. "Hydraulisch" bedeutet wasserbindend, wasserfest und unter Wasser erhärtend. Je höher der Oxidanteil im Kalk ist, desto stärker ist auch die hydraulische Reaktionsfähigkeit. So unterscheidet man Luftkalk bzw. Weißkalk, Wasserkalk, hydraulischen Kalk und hochhydraulischen Kalk. Führt man systematisch diese Reihe fort, kommt man zum Portlandzement, dann weiter zum Ziegelton und schließlich zum feuerfesten Ton. Der Unterschied liegt "lediglich" im konkreten Verhältnis von Kalk (Calciumcarbonat) zu Ton und in jeweils etwas steigenden Brenntemperaturen im Herstellprozess. Manchmal reichen schon kleinste Temperaturänderungen aus, um andere Eigenschaften zu erzielen. Luftkalk entsteht durch das Brennen von chemisch ganz reinem Kalkstein. Nutzt man dagegen für die Kalkherstellung einen Kalkmergel oder tonhaltige Kalke, dann entstehen natürliche hydraulische Kalke. Letztere erhält man ebenfalls, wenn man Luftkalk mit hydraulisch wirkenden Stoffen mischt. Der gebräuchlichste Hydraulefaktor ist heute Zement. Zum Einsatz können aber auch Trassmehle, Tonerde, Kaoline, künstliche oder natürliche Puzzolane oder Hochofenschlacke kommen. Das verbindende Element der Hydraulefaktoren sind die bereits oben genannten Oxide, vor allem die reaktionsfähige Kieselsäure. Kalk in Verbindung mit diesen Faktoren erreicht die Fähigkeit, Wasser chemisch in die Struktur einzubinden, unter Wasser und wasserfest zu erhärten. Wenn man heute nach reinen natürlichen Baustoffen sucht, dann ist die Verwendung von Zement oder gar Hochofenschlacken im Kalkputz nicht mehr gewünscht. Kalk als wiederentdeckter alter Baustoff muss, wenn er rein verwendet werden soll, auch nach den "alten" Regeln und mit Zeit und Geduld hergestellt werden. Reiner Kalk erreicht nur ganz langsam seine Festigkeit, die er durch den ständigen Austausch von Wasser und Kohlendioxid mit der Umgebungsluft entwickelt. Somit benötigt der Kalkputz auch bei Verwendung von hydraulischen Zusätzen Feuchtigkeit und Zeit, um erhärten zu können.
*Die Autorin ist Anwendungstechnikerin beim Hersteller Baumit.
Quelle: baustofftechnik 05/2009
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