Vernachlässigbar ist dabei häufig der eigentliche Ursprung des Hydraulefaktors, da letztendlich die gleichen wasserunlöslichen Erhärtungsprodukte (z.B. Calciumsilikathydrate oder Calciumaluminathydrate) entstehen.
Hydraulefaktoren und Kalk-Arten
Je nach dem, wie hoch der Anteil an Hydraulefaktoren neben dem reinen Kalkhydrat ist, unterscheidet man folgende Kalkarten:
- Luftkalk – ohne hydraulische Bestandteile,
- Hydraulischer Kalk – mit geringen bis mittleren Anteilen an hydraulischen Bestandteilen,
- Hochhydraulischer Kalk – mit hohen Anteilen an hydraulischen Bestandteilen.
Sehen wir uns an dieser Stelle die Eigenschaften einmal näher an. Luftkalke sind sehr feinteilig und ergeben einen sehr geschmeidigen und ergiebigen Putzmörtel mit einem hohen Porenvolumen. Luftkalk erhärtet nicht unter Wasser und nur sehr langsam unter ständigem Luftzutritt. Erst vollständig carbonatisierter Kalk – also Kalk, der vollständig mit dem Kohlendioxid der Luft reagiert hat – ist wasserunlöslich. Luftkalkputze und -mörtel erreichen nur geringe Festigkeiten (ca. 1 N/mm²). Hydraulische Kalke erhärten nach fünf bis sieben Tagen Luftzutritt auch unter Wasser. Die Erhärtung unter Wasser wird durch den Anteil an Hydraulefaktoren bestimmt und reguliert, deren Reaktion aber an die fortschreitende Carbonatisierung des reinen Kalkes gebunden ist. Hydraulische Kalke sind nach dem Einsetzen der hydraulischen Reaktion wasserunlöslich. Sie können im Vergleich zum Luftkalk die Festigkeit und Frostbeständigkeit verdoppeln. Porenvolumen, Geschmeidigkeit und Ergiebigkeit nehmen im gleichen Maße ab. Luftkalkputze und Hydraulische Kalkputze sind aufgrund der oben beschriebenen Eigenschaften nur an nicht dauerfeuchten Fassaden erfolgreich einzusetzen. Diese Putze sind an entsprechend belasteten Fassaden durch Bindemittelauswaschungen sowie durch zu geringe Festigkeiten bzw. nicht ausreichenden Frostwiderstand gefährdet. Kalke mit puzzolanischen oder latenthydraulischen Zusätzen erhärten vergleichsweise langsam. Die hydraulische Erhärtungsreaktion dieser Stoffe kann nur ablaufen, wenn ein entsprechender "Anreger" (hier der Luftkalk) vorliegt. Des Weiteren darf diese Reaktion weder durch zu niedrige Temperaturen noch durch "Wassermangel" unterbrochen werden. Hochhydraulische Kalke erhärten auch unter Wasser und bereits nach ein bis drei Tagen Luftzutritt. Sie sind wasserunlöslich, erreichen Festigkeiten von bis zu 5 N/mm², und haben unter den Kalken die höchste Frostbeständigkeit. Insgesamt sind hochhydraulische Kalke in ihren Eigenschaften dem Zement am nächsten.
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