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03.11.2008

Dicht ist Pflicht

Tipps zur fachgerechten Herstellung der luftdichten Gebäudehülle

Die Montage von Dampfbremsbahnen und Abdichtungsmaterialien ist sicherlich kein Hexenwerk. Dennoch werden gerade in diesem Bereich immer wieder gravierende Baumängel und -schäden festgestellt. Das ist besorgniserregend, weil die äußere Gebäudehülle eine Vielzahl bauphysikalischer Aufgaben erfüllen muss. Neben dem Wärme- und Feuchteschutz bestehen meist auch schall- und brandschutztechnische Anforderungen. Zur Sicherstellung dieser Funktionen ist – insbesondere im Trockenbau – die sorgfältige Ausführung nach den anerkannten Regeln der Technik unerlässlich.
baustoffwissen.de: Dicht ist Pflicht
Gerade anspruchsvolle Dachgeschoss-Nutzungen erfordern eine solide bauphysikalische Planung sowie eine sorgfältige Ausführung der Dämm- und Dichtarbeiten, damit Feuchteschäden vermieden werden.
Foto: Knauf Insulation
Bei Leckagen in der luftdichten Ebene bleiben die oben genannten Funktionen auf der Strecke – die Leistungsfähigkeit des Außenbauteils wird stark eingeschränkt, Bauschäden durch Feuchte sowie Schädlingsbefall sind häufig die Folge. Verantwortlich dafür sind meist fehlende Planung, falsche Materialkombinationen und kritische Anschlusslösungen.
Eine allgemein gültige Festlegung für die Zeitdauer der in der EnEV geforderten "Dauerhaftigkeit" lässt sich derzeit noch nicht in deutschen Bauvorschriften finden. Das in Deutschland nach und nach eingeführte europäische Regelwerk formuliert diesbezüglich schon strengere Anforderungen: Gemäß der Leitlinien für Europäisch Technische Zulassungen haben Hersteller der geregelten Bauteile eine "Dauerhaftigkeit" der Konstruktionen einschließlich ihrer Abdichtungen von mindestens 50 Jahren nachzuweisen. Wird diese Lebensdauer nicht erbracht, so ist dies zu begründen und explizit in den Zulassungen zu erklären. Für während der Nutzung zugängliche Bauteile und -schichten gelten abgeschwächte Anforderungen. Im Bereich der noch nicht geregelten Bauteile interpretieren Sachverständige in gleicher Weise: Davon ausgehend, dass eine Dacheindeckung oder Fassadenkonstruktion im Leichtbau frühestens nach 40 bis 50 Jahren ausgetauscht wird, ergibt sich daraus, dass die weiteren Komponenten der Gebäudehülle mindestens eine vergleichbare Alterungsbeständigkeit aufweisen müssen.
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baustoffwissen.de: Montage einer Dampfbremsbahn
Die Montage von Dampfbremsbahnen und Abdichtungsmaterialien sollte sehr sorgfältig nach den anerkannten Regeln der Technik ausgeführt werden.

Foto: Knauf Insulation

Bedeutung für die Wärmedämmung


Eine gute Wärmedämmung kann ihre Wirkung nur in Verbindung mit einer luftdichten Ausführung der Gebäudehülle voll entfalten. Sie ist Voraussetzung dafür, dass die angestrebte Verringerung des Heizenergiebedarfs auch tatsächlich erreicht wird. Die Wärmeverluste eines Gebäudes setzen sich im wesentlichen aus zwei Anteilen zusammen: Ein Teil der Wärme entweicht über die Wärmeleitung der Bauteile (Transmission), der andere geht durch kontrollierte und unkontrollierte Lüftung verloren, also auch durch Undichtheiten in der Gebäudehülle. Erstaunlich: Die Wärmeverluste durch den unkontrollierten Luftwechsel übersteigen das für die Frischluftzufuhr notwendige Maß um ein vielfaches.
Messungen des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik in Stuttgart haben ergeben, dass bei einer Fuge von nur 1 mm Breite und 1 m Länge pro m² Dämmfläche der Wärmeverlust 4,8 mal größer ist als bei fachgerecht abgedichteter Ausführung. Zudem dringen durch diese Fuge pro Tag 800g Tauwasser in die Wärmedämmung ein, was zu einem erhöhten Bauschadensrisiko führt.

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baustoffwissen.de: Anbringung von Dampfbremsfolien
Im Regelfall werden Dampfbremsfolien zur Herstellung der luftdichten Ebene im Dachgeschoss-Ausbau eingesetzt.
Foto: Knauf Insulation

Tipps für die Ausführung


Das Fehlerrisiko kann deutlich reduziert werden, wenn bei der Planung und Ausführung folgende Details berücksichtigt werden:

  • Die Lage der luftdichten Ebene innerhalb der Außenbauteilkonstruktion sowie die Festlegung der zuverwendeten Materialien muss planerisch vorgegeben werden.
  • Die geforderte Luftdichtheit sollte als Vertragsbestandteil mit in die Ausschreibung übernommen werden.
  • Man sollte möglichst wenig Installationen in Außenwänden anordnen. Wenn nicht vermeidbar, sind dort luftdichte Leerdosen einzubauen.
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baustoffwissen.de: Abdichtung von Dampfbremsbahnen
Die Überlappungen von Dampfbremsbahnen müssen mit leistungsstarken Haftklebebändern gemäß DIN 4108, Teil 7 abgedichtet werden.
Foto: Knauf Insulation
  • Elektroleitungen und Rohrleitungen der Sanitärinstallation sollten – wenn möglich – nicht durch die Luftdichtheitsschicht (Außenwände, Dampfbremsbahnen etc.) führen.
     
  • Lässt sich die Führung von Leitungen durch die Luftdichtheitsschicht nicht vermeiden, so sollten zur Abdichtung geeignete Luftdichtheitsmanschetten verwendet werden.
     
  • Innenputz ist lückenlos bis zur Rohdecke des jeweiligen Geschosses zu führen.
     
  • Beim Anschluss des Dachstuhls an die Außenwände ist besondere Sorgfalt geboten: Quellen und Schwinden der Baumaterialien (insbesondere Holz) erfordert die Herstellung flexibler, dehnfähiger Bauteilanschlüsse.
     
  • Für die dauerhafte Funktion der Luftdichtheitsschicht ist es unerlässlich, dass alle Klebeprodukte sowie deren Untergründe (Bahnen, Folien etc.) aufeinander abgestimmt sind, weshalb vorzugsweise zertifizierte Systeme verwendet werden sollten.
     
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baustoffwissen.de: Durchdringungen Abdichten
Durchdringungen der Luftdichtheitsschicht sollten vorzugsweise mit vorgefertigten Manschetten nach DIN 4108, Teil 7 abgedichtet werden.
Foto: Knauf Insulation
  • Dampfbremsbahnen als luftdichte Ebene müssen grundsätzlich spannungsfrei verlegt werden; sie sollten durch Bilden einer Schlaufe als Dehnungsreserve an den Anschluss herangeführt werden.
     
  • Beim Anschluss von Dampfbremsbahnen an flankierende Bauteile mittels Dichtkleber muss der Untergrund tragfähig, staub- und fettfrei sowie trocken sein. Ist dies nicht gegeben, so muss eine Anpresslatte als mechanische Sicherung des Anschlusses eingesetzt werden.
     
  • Beim Einbau von Dachflächenfenstern sind vorzugsweise vorgefertigte Dichtungsmanschetten – ansonsten geeignete Haftklebebänder – zu verwenden.
     
  • Bei der Auswahl von Anschlussdetails müssen die Festlegungen der DIN 4108, Teil 7 ("Luftdichtheit von Gebäuden; Anforderungen, Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie -beispiele") unbedingt beacht werden.
Die Qualität der Luftdichtheit eines Gebäudes kann mittels verschiedener Messverfahren von Sachverständigen überprüft werden. So kann unmittelbar nach Montage der Dampfbremsbahn als luftdichte Ebene ein sogenannter "Blower-Door-Test" zur Quantifizierung und Ortung noch vorhandener Undichtheiten durchgeführt werden.


Quelle: baustofftechnik 1/2008
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Mehr Infos findest du hier:

Hersteller-Links:


Tipp:
Weiterführendes Wissen findest du in "Baustoffkunde für den Praktiker".

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