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22.03.2011

Zu Besuch in der "Fliesenstadt"

Raab Karcher-Azubis besichtigen Fliesenwerk Boizenburg

17 Azubis der Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH haben das Fliesenwerk Boizenburg in Mecklenburg Vorpommern besucht. In der traditionellen "Fliesenstadt" bekamen sie tiefe Einblicke in Ablauf und Geschichte der Fliesenherstellung.
 
baustoffwissen.de:
Die Besichtigung des Fliesenmuseums in Boizenburg war der Höhepunkt des Azubi-Tags. Die Ausstellung widmet sich der Phase der frühindustriellen Fliesenherstellung und zeigt mit rund 2.000 Exemplaren alle Motive, die seit 1904 im Fliesenwerk Boizenburg hergestellt wurden.
Foto: Creative Commons, Bubo.
In dem kleinen Ort Boizenburg in Mecklenburg Vorpommern steht das wohl älteste Fliesenwerk Deutschlands. 1903 von Hans Duensing gegründet, war es damals noch unter dem Namen "Boizenburger Wandplattenfabrik" bekannt, die ihre Fachkräfte aus Schlesien bezog.

Zunächst wurde hier Geschirr aus Steingut gefertigt. Doch schon nach einem Jahr folgte die Produktion von Wandfliesen. Diese wurden damals noch per Hand produziert Erst ab dem Jahr 1921 wurde mit Maschinen gearbeitet.

Alte Rundöfen wurden zum Beispiel durch neuere und vor allem modernere Tunnelöfen ersetzt und die Fliesen wurden per Maschine glasiert. Dies steigerte zunehmend die Qualität und auch die Produktivität. Zu dem wurde die Boizenburger Plattenfabrik Aktiengesellschaft begründet.

Seit 1931 gehört die Fliesenfabrik zu den größten Fliesenherstellern. Ein Drittel der Produkte wurde ins Ausland exportiert. Nach dem Krieg war die Fliesenfabrik für einige Zeit eine sowjetische Aktiengesellschaft, wobei die ehemalige Sowjetunion auch Hauptabnehmer war.

Ab den 50er Jahren war die Fabrik dann ein volkseigener Betrieb der DDR. 1988 wurde das Einbrandverfahren eingeführt und die Maschinen noch einmal nachgerüstet. Um das Jahr 1990 folgte dann eine weitere Modernisierung, wobei viele Arbeitsgänge vereinfacht und erleichtert wurden. Es folgten die Gründung der Boizenburger Fliesenwerk GmbH und der Neubau eines modernen Dekorzentrums mit Schwerpunkt auf der Entwicklung.

 
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baustoffwissen.de:
Während eines Rundgangs durchs Boizenburger Fliesenmuseum wurde den Azubis ausführlich die Tradition der Fliesenherstellung in der Stadt erläutert.
Foto: Saint-Gobain Building Distribution Deutschland.
 
Die größte Modernisierung erfolgte im Jahr 1996, da entstand das modernste Steinzeugfliesenwerk Europas. Fast alle Arbeitsschritte wurden Computer gesteuert und die Fertigung der Fliesen beschleunigte sich erheblich, sodass eine Produktion von 2,1 Millionen Quadratmeter Steinzeugfliesen im Jahr möglich war.

Dadurch konnte ein aufeinander abgestimmtes Wand- und Bodenfliesenprogramm entwickelt werden. Im Jahr 2000 wurde der absolute Höchststand der Modernisierung in Technik, Technologie und Produktivität erreicht. 2003 erhielt Boizenburg zum 100. Geburtstag den offiziellen Titel „Fliesenstadt“.

Als Highlight gibt es in Boizenburg noch das Boizenburger Fliesenmuseum, das nicht nur das erste Fliesenmuseum, sondern auch das Einzige in Deutschland ist. In diesem Museum kann man die Anfänge der Boizenburger Fliesen nach verfolgen und sich auch von der Kunst der Fliesenmalerei aus anderen Ländern beeindrucken lassen.
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Bis 1921 wurden Wandfliesen per Hand hergestellt. Erst danach begann die maschinelle Produktion.
Foto: Kachelwerk, Detlef Kelbassa / Corinna Kuhn
 
Fliesen bestehen aus den Rohstoffen: Tone, Kaolin, Porzellanerden, Quarz und Feldspat. Fliesen werden in mit der DIN 14 411 gekennzeichnet. Es gibt zwei Arten von Fliesen: die Steingutfliesen und die Steinzeugfliesen. Die Steingutfliesen werden bei ca. 950–1150 °C und die Steinzeugfliesen bei ca. 1150–1300 °C gebrannt.

Die Tunnelöfen der Fabrik werden daher sehr effektiv genutzt, denn während des Brennens können beide Fliesenarten gebrannt werden. Die Steingutfliesen oder auch Wandfliesen werden im Oberen Bereich und die Steinzeugfliesen oder Bodenfliesen werden im unteren Bereich gebrannt. Im Boizenburger Fliesenwerk wurde zu Anfang das Zweibandverfahren genutzt. Dabei werden die Fliesen erst geformt, getrocknet und danach erst gebrannt. Anschließend werden sie lackiert und wieder gebrannt. Seid 1998 wird allerdings das Einbrandverfahren genutzt, wobei die Fliesen geformt, getrocknet und lackiert und zum Schluss erst gebrannt werden.
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