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Hagebau: Marktstudie zum Holzhandel

Die Hagebau hat eine Marktstudie zum Thema Holzhandel in Deutschland veröffentlicht. Der Hagebau-Report 2018 untersucht Marktentwicklungen und -potenziale bis zum Jahr 2025. Der Bericht bestätigt unter anderem, dass der klassische Holz-Fachhandel zuletzt Marktanteile an den Baustoff-Fachhandel verloren hat. Außerdem prognostiziert er ab 2019 einen Aufschwung für den Holzhandel durch das Abebben des derzeitigen Sanierungsstaus.

Bauen mit Holz liegt im Trend – doch nicht immer profitiert der Fachhandel davon. Foto: Pixabay

Bauen mit Holz liegt im Trend – doch nicht immer profitiert der Fachhandel davon. Foto: Pixabay

Bereits mit dem Hagebau-Report 2015 hatte der Fachhandelsbereich der Kooperation eine viel beachtete Marktstudie für die Branche vorgelegt. Damals hieß das Thema „Mobile Generalisten“. Nun also der Holzhandel. Ähnlich wie die werkstattlosen Handwerker ist auch das Bauen mit Holz ein Thema, das gefühlt an Bedeutung gewinnt, zu dem es aber noch relativ wenig verlässliche Marktdaten gibt. „Holz hat als nachwachsender und positiv auf die Wohngesundheit einzahlender, nachhaltiger Werkstoff in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen“, bestätigt Hartmut Goldboom, Geschäftsführer des Hagebau-Fachhandels. „Umso wichtiger ist es, zu wissen, wie sich die Märkte durch Nachfrage verändern werden.“

Der neue Hagebau-Report bietet diesbezüglich Orientierung. Er wurde wie schon der letzte Report von der B+L Marktdaten GmbH erstellt. Die Studie beruht einerseits auf einer zusammenfassenden Auswertung vorhandener Statistiken und Informationen zum Thema Holzhandel in Deutschland und zum anderen auf telefonischen Befragungen von 253 Verarbeitern aus den Bereichen Holzbau, Dachdeckungen, Innenausbau und Einbau von Fenstern/Türen/Toren. Die Interviews wurden Mitte 2017 durchgeführt.



    • Trend zum Do-it-for-me

      Wie schon die Studie über die mobilen Generalisten bestätigt auch der Hagebau-Report 2018 den allgemeinen Branchentrend zum Do-it-yourself. Demnach wollen immer mehr Endkunden des Holzhandels die gekauften Produkte nicht mehr selbst verarbeiten. „Der Trend zum Do-it-for-me ist ungebrochen groß“, erläutert Johannes Lensges, Bereichsleiter Vertrieb beim Hagebau-Fachhandel. Er fügt hinzu: „ Damit ändert sich aber auch die Rolle des Verarbeiters, der seinem Kunden gemeinsam mit dem Handel Lösungen anbieten muss. In der Folge muss der Holzhandel Services für den Handwerkerkunden als dessen Kernzielgruppe bieten.“ Dies fange bei Ausstellungen an und höre bei Produkten und deren punktgenauer Lieferung an die Projektbaustelle auf.

      Stationärer Handel bleibt wichtig

      Vertriebswege im Holzhandel: Noch liegt der Holz-Fachhandel bei diesem Spezialsortiment klar vorne, aber der Baustoffhandel holt auf.

      Vertriebswege im Holzhandel: Noch liegt der Holz-Fachhandel bei diesem Spezialsortiment klar vorne, aber der Baustoffhandel holt auf.

      Die Marktstudie zum Holzhandel zeigt ferner, dass die Profi-Verarbeiter von Holzprodukten trotz der Zunahme des E-Commerce nach wie vor die stationäre Beratung im Fachhandel schätzen. „Der persönliche Austausch mit dem Ansprechpartner im Handel wird von knapp 90 % der Befragten regelmäßig genutzt“, sagt Hartmut Goldboom. „Unsere Analyse hat ergeben, dass trotz der zunehmenden Bedeutung von Holzhandelsgruppen und der Diskussion über Onlinevertriebswege die Ansprache vor Ort für den Verarbeiter weiterhin eine wichtige Rolle spielt.“ Wenn der Holzhandel das Thema E-Commerce nicht einfach ignoriert, könnte er sogar davon profitieren. Schließlich macht es das Internet möglich, dass auch regionale Händler bundesweit ihre Leistungen anbieten.

      Wettbewerbsdruck wächst

      Der neue Hagebau-Report bestätigt auch die Zunahme des Wettbewerbs in der Branche. Als Folge der zunehmenden Nachfrage nach Holz als Baustoff, hat der Baustoff-Fachhandel seine Sortimente in diesem Bereich in den vergangenen Jahren sukzessive ausgeweitet und macht damit nun den klassischen Holz-Fachhändlern, aber auch den Baumärkten zunehmend Konkurrenz. Entsprechend haben die Baustoffhändler ihre Absätze im Bereich Holz und Holzprodukte zuletzt stärker ausgeweitet als die genannten Konkurrenten.

      Zugleich hat der regional ausgerichtete Holz-Fachhandel durch die Zunahme des Online-Vertriebs auch immer häufiger mit überregionalen Wettbewerbern aus Handel und Industrie (Hersteller mit Direktvertrieb) zu kämpfen. Solche Anbieter umwerben insbesondere die Topkunden des Holz-Fachhandels.

      Zukunft von Neubau und Sanierung

      Der regionale Holz-Fachhandel leidet in den letzten Jahren unter einem allgemeinen Sanierungsstau in der Baubranche. Zugleich profitiert er relativ wenig vom aktuellen Neubauboom im Mehrfamilienhausbau. Letzteres hat mehrere Gründe. Zum einen wird bei Mehrfamilienhäusern im Durchschnitt deutlich weniger Holz pro Wohneinheit verarbeitet als bei Einfamilienhäusern. Und wenn doch Holzprodukte zum Einsatz kommen, zum Beispiel für die Außenwände, handelt es sich oft um große Bauteile in Modulbauweise, die nicht mehr über den Handel bezogen, sondern direkt aus der Werkshalle zur Baustelle geliefert werden.

      Pro Wohneinheit eines Mehrfamilienhauses (MFH) wird viel weniger Holz verarbeitet als im typischen Einfamilienhaus (SFH).

      Pro Wohneinheit eines Mehrfamilienhauses (MFH) wird viel weniger Holz verarbeitet als im typischen Einfamilienhaus (SFH).

      Die Autoren des Hagebau-Reports 2018 prognostizieren, dass sich der Mehrfamilienhausbau in Deutschland auch in den kommenden Jahren bis 2025 weiterhin positiver entwickeln wird als der Einfamilienhausbau. Zugleich gehen sie von einem rückläufigen Nichtwohnbau ab 2020 aus. Beides lässt eine Stagnation oder sogar einen Rückgang des Holzverbrauchs im Neubau erwarten.

      Doch der Report macht auch Hoffnung für die Zukunft – zwar nicht für den Neubau, wohl aber für den Sanierungsmarkt. Das hängt mit der Abschwächung des derzeitigen Neubaubooms zusammen, den die Autoren ab 2019 erwarten. Dann würden laut Studie wieder mehr Handwerkerkapazitäten für den Sanierungsmarkt frei, der kleinteiliger und nicht so stark von Großprojekten geprägt wird. Das müsste dem regionalen Holzhandel zugute kommen.

      In den Jahren 2020 bis 2025 werde die Sanierungsaktivität der Alterskohorte 50+ voraussichtlich ihren Höhepunkt erreichen, heißt es im Report. Da Menschen dieser Altersgruppen kaum selbst Sanierungsarbeiten durchführen, werde der regionale Verarbeiter künftig noch wichtiger bei Beratung und Produktauswahl. Das dürfte auch den regionalen Fachhandel stärken.


      Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für baustoffwissen.de. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin "baustoffmarkt" und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift "baustoffpraxis". Kontakt: rgrimm1968@aol.com