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Weltpremiere: Interaktive Europalette

Das Fraunhofer-Institut und die European Pallet Association (EPAL) arbeiten an der Europalette der Zukunft. Das hölzerne Transportmittel soll künftig nicht nur als Ladungsträger, sondern zugleich als Informationsträger fungieren. Über eine Funkverbindung zum Internet ist die digital vernetzte Palette auch aus der Ferne automatisch überwachbar.

Die interaktive Europalette basiert auf der Telekom-Funktechnologie „Narrow Band IoT“. Fotos: Fraunhofer IML

Die interaktive Europalette basiert auf der Telekom-Funktechnologie „Narrow Band IoT“. Fotos: Fraunhofer IML

Eine erste interaktive EPAL-Palette präsentierten die Projektpartner im März auf der Messe LogiMAT 2018 in Stuttgart. Mit dem Projekt wollen das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) und die EPAL nach eigenen Angaben das „Datengold der Logistik“ heben. Ziel der gemeinsamen Entwicklung ist die Digitalisierung des weltweit größten Tauschpaletten-Pools.

Die Standard-Europalette ist der wichtigste Ladungsträger in der Logistik. Zwischen 400 und 500 Millionen Exemplare dieser flachen Holzpaletten sind derzeit im Umlauf. Auch in der Baustoffbranche ist der genormte Ladungsträger omnipräsent. „Die Logistik steht auf Paletten“, sagt Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IML. „Diese intelligent zu machen, heißt die Logistik intelligent zu machen. Intelligente Paletten-Netzwerke sind ein Meilenstein auf dem Weg zum Internet der Dinge.“



    • Sparsame Funktechnologie

      Die EPAL schreibt Maße und Bauart der Standard-Europalette genauestens vor. Wer den Ladungsträger herstellen oder einen Reparaturservice anbieten möchte, benötigt die Erlaubnis der Organisation und muss Lizenzgebühren an diese zahlen. Das wird auch künftig so bleiben. Zugleich aber muss die Palette sich ändern, um den Anschluss an das digitale Logistik-Zeitalter nicht zu verpassen. Nach Angaben des Fraunhofer IML steigt aktuell in der Industrie die Nachfrage nach automatisch verfolgbaren und steuerbaren Ladungsträgern rasant an. Beim aktuellen Projekt von Fraunhofer IML und EPAL geht es um eine praxisgerechte Lösung für diese Nachfrage.

      Die auf der LogiMAT gezeigte interaktive Europalette basiert auf der Funktechnologie „Narrow Band IoT“, die das Fraunhofer IML zusammen mit der Deutschen Telekom entwickelt hat. Michael ten Hompel: „Es hat sich gezeigt, dass Narrow Band IoT die perfekte Technologie für die Umsetzung des Internet der Dinge in der Logistik ist.“ Die Abkürzung IoT steht übrigens für „Internet of things“. Der englische Ausdruck „Narrow Band“ bezeichnet die zugrunde liegende Schmalband-Funktechnologie.

      Ideal für Paletten

      Nach Angaben der Telekom ist das Funkmodul Narrow Band IoT ideal für Anwendungen, bei denen nur hin und wieder kleine Datenmengen verschickt werden müssen. Es handelt sich um eine relativ simple, preisgünstige Technologie, die sich auf die notwendigen Funktionen beschränkt, zugleich aber eine hohe Signalstärke mit guter Gebäudedurchdringung und eine Reichweite von rund 10 km bietet.

      Das Funkmodul wird in einer der Pressspan-Klötze der Europalette eingebaut.

      Das Funkmodul wird in einer der Pressspan-Klötze der Europalette eingebaut.

      Besonders vorteilhaft ist der niedrige Energieverbrauch: Die verwendeten AA-Batterien müssen erst nach etwa zehn Jahren ausgetauscht werden. Durch die Verwendung von Batterien ist das Modul unabhängig von einer externen Stromversorgung. Für mobile Anwendungen wie der Einsatz in Transportpaletten ist das natürlich ein entscheidender Punkt. Bei der interaktiven Europalette hat man das Funkmodul einfach in einen der Pressspan-Klötze des Ladungsträgers eingebaut. Eine Standard-Europalette besteht neben elf Holzbrettern stets aus neun solcher Klötze, die entweder aus Vollholz oder eben aus Spanholz gefertigt werden.

      Dank der Funkeinheit ist die Palette in der Lage, in einem dezentralen Netzwerk zu kommunizieren. Wenn man bedenkt, dass die EPAL vielleicht in naher Zukunft Millionen Europaletten mit der Funktechnologie ausstattet, wird klar, dass eine derartige Vernetzung die Digitalisierung der Logistik entscheidend voranbringen könnte. Natürlich arbeiten Fraunhofer IML und EPAL auch an einer passenden IT-Infrastruktur sowie an Apps für mobile Endgeräte.

      Logistische Vorteile

      Das Funkmodul in der Palette sendet in regelmäßigen Abständen Informationen an das Internet. Dabei handelt es sich um Standortdaten, Bewegungsverläufe und nicht zuletzt um die wichtige Statusinformation, ob die Palette gerade beladen ist oder nicht. Auch die jeweilige Umgebungstemperatur wird gesendet. Erfasst werden alle diese Daten über Sensoren im Modul.

      Der Vorteil einer solchen digitalen Echtzeit-Erfassung zum „Status“ der Palette liegt nicht nur darin, dass man den Standort der Ware jederzeit einfach abrufen kann. Es eröffnen sich auch ganz neue Möglichkeiten, um den Einsatz von Europaletten effektiver zu organisieren und zum Beispiel Leerpaletten-Bewegungen zu vermeiden. Außerdem hätte die EPAL mit der Funküberwachung ein intelligentes Instrument in der Hand, um das weit verbreitete Phänomen der Europaletten-Fälschung besser zu bekämpfen.


      Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für baustoffwissen.de. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin "baustoffmarkt" und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift "baustoffpraxis". Kontakt: rgrimm1968@aol.com