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E-Commerce: Neuer Ausbildungsberuf startet

Der Onlinehandel boomt – mittlerweile auch in der Baustoffbranche. Da passt es gut, dass sich junge Leute in Deutschland demnächst auch als „Kaufmann/-frau im E-Commerce“ ausbilden lassen können. Am 1. August 2018 startet der erste Jahrgang in diesem neuen Beruf, der speziell auf den Wachstumsmarkt des Online-Verkaufs zugeschnitten ist.

Der Onlinehandel boomt – mittlerweile auch in der Baustoffbranche. Foto: Pixabay

Der Onlinehandel boomt – mittlerweile auch in der Baustoffbranche. Foto: Pixabay

Über die Pläne zum staatlich anerkannten Beruf „Kaufleute im E-Commerce“ haben wir auf baustoffwissen.de bereits in einem früheren Beitrag (Januar 2017) informiert. Damals stand schon fest, dass die dreijährige Ausbildung 2018 starten soll, es gab aber noch keine Ausbildungsordnung. Dieses für duale Ausbildungsgänge in Deutschland übliche Dokument regelt bundeseinheitlich, wie die jeweilige Ausbildung abzulaufen hat, welche Inhalte zwingend vorgeschrieben sind, welche beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zum Ausbildungsberufsbild gehören, wie der zeitliche Ablauf der Ausbildung auszusehen hat (Ausbildungsrahmenplan) und welche Prüfungsanforderungen gelten.

Mittlerweile hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) gemeinsam mit den Sozialpartnern und Sachverständigen aus der betrieblichen Praxis eine solche Ausbildungsordnung auch für die künftigen E-Commerce-Kaufleute erarbeitet. Ihr könnt sie hier abrufen. Nach Angaben des BIBB richtet sich das neue Berufsangebot nicht nur an Schülerinnen und Schüler mit mittleren und höheren Schulabschlüssen, sondern auch an solche mit Hauptschulabschluss. Hilfreich seien Medienaffinität und das Interesse, sich ständig mit neuen Entwicklungen im Online-Vertrieb und in den Vertriebskanälen auseinanderzusetzen.



    • Berufsbild definiert

      In der oben angesprochenen Ausbildungsordnung werden unter anderem folgende Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten aufgelistet, die das Berufsbild der Kaufleute im E-Commerce prägen und die von den Ausbildungsbetrieben vermittelt werden sollen:

      • Online-Vertriebskanal auswählen und einsetzen,
      • Waren- oder Dienstleistungssortiment mitgestalten und online bewirtschaften,
      • Beschaffung unterstützen,
      • Vertragsanbahnung im Online-Vertrieb gestalten,
      • Verträge aus dem Online-Vertrieb abwickeln,
      • Kundenkommunikation gestalten,
      • Online-Marketing entwickeln und umsetzen und
      • kaufmännische Steuerung und Kontrolle nutzen.

      Ausführliche Erläuterungen zu allen Fertigkeiten, Kenntnissen und Fähigkeiten, die im Rahmen der Ausbildung vermittelt werden, findet ihr im Ausbildungsrahmenplan. Der ist als Anhang ebenfalls fester Bestandteil der Ausbildungsordnung für Kaufleute im E-Commerce.

      Prüfungsanforderungen

      Die Ausbildungsordnung für Kaufleute im E-Commerce sieht eine gestreckte Abschlussprüfung vor. Statt einer eigenständigen Zwischenprüfung machen die Azubis in der Mitte des zweiten Ausbildungsjahres bereits Teil 1 der Abschlussprüfung. Das Ergebnis dieser 90-minütigen, schriftlichen Prüfung fließt am Ende mit einer Gewichtung von 25 % in die spätere Gesamtnote der Abschlussprüfung ein.

      E-Commerce verändert das Kaufverhalten der Kunden. Foto: Pixabay

      E-Commerce verändert das Kaufverhalten der Kunden. Foto: Pixabay

      In Teil 1 der Abschlussprüfung geht es um die Bereiche Sortimentsbewirtschaftung und Vertragsanbahnung. Geprüft werden hier Inhalte aus den ersten 15 Ausbildungsmonaten. Laut Ausbildungsordnung müssen die Prüflinge dabei unter anderem nachweisen, dass sie in der Lage sind, „das Waren- oder Dienstleistungssortiment im Online-Vertrieb kunden- und serviceorientiert mitzugestalten und zu bewirtschaften, die Beschaffung von Waren oder Dienstleistungen für den Online-Vertrieb zu unterstützen, Vertragsanbahnungen im Online-Vertrieb zu gestalten und Vertragsabschlüsse herbeizuführen und rechtliche Regelungen bei der Sortimentsbewirtschaftung und der Vertragsanbahnung einzuhalten“.

      Am Ende der dreijährigen Ausbildung findet dann Teil 2 der Abschlussprüfung statt. Dabei geht es um die Bereiche Geschäftsprozesse, Kundenkommunikation im E-Commerce sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Außerdem wird ein Fachgespräch zu einem projektbezogenen Prozess im E- Commerce durchgeführt. Zu allen Prüfungsbereichen findet ihr in der Ausbildungsordnung noch weitere, ausführliche Erläuterungen.

      Branchenübergreifende Ausbildung

      Die Ausbildung Kaufmann/-frau im E-Commerce ist ein branchenübergreifendes Berufsangebot. Die Absolventen können im Grunde in allen Unternehmen arbeiten, die Waren oder Dienstleistungen online vertreiben – ganz unabhängig von der Branche. Nach Angaben des BIBB werden Kaufleute im E-Commerce später voraussichtlich im Groß- und Außenhandel sowie im Einzelhandel tätig sein, also zum Beispiel auch im Baustoffhandel, daneben aber auch in der Tourismusbranche sowie bei Herstellern und Dienstleistern.


      Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für baustoffwissen.de. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin "baustoffmarkt" und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift "baustoffpraxis". Kontakt: rgrimm1968@aol.com