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Ladungssicherung: Was bedeutet „Paletten stretchen“?

Der englische Begriff „stretchen“ ist schon seit Langem eingedeutscht. Man kennt ihn vor allem vom Sport, wo er für das Dehnen und Strecken der Muskeln steht. Doch auch in der Welt der Baustofflogistik wird das Wort verwendet. Im Rahmen der Ladungssicherung gehört es zur Aufgabe von Lagermitarbeitern, Paletten zu stretchen. Was damit gemeint ist, erklärt der folgende Beitrag.

Während der „Trainingswoche Lagerlogistik“ der Bauking lernen die Azubis auch das manuelle Einstretchen von Paletten. Foto: Bauking AG

Während der „Trainingswoche Lagerlogistik“ der Bauking lernen die Azubis auch das manuelle Einstretchen von Paletten. Foto: Bauking AG

Beim „Paletten-Stretching“ geht es darum, die auf Paletten gestapelten Waren mithilfe von Kunststofffolien zu sichern. Palette und Ware werden dabei komplett mit einer so genannten Stretchfolie umwickelt. Dadurch lässt sich verhindern, dass die Ladung während des Transports auf dem Ladungsträger verrutscht oder sogar herunterfällt.

Was im ersten Moment sehr simpel klingt, erfordert im Detail durchaus Know-how. Die Beschäftigten im Lager müssen lernen, wie man Paletten professionell stretcht. Zu beachten sind beispielsweise bestimmte Techniken der Folienwicklung. Und auch der Umgang mit Hilfswerkzeugen wie Handabroller oder Stretchmaschine will gelernt sein.



    • Funktion der Stretchfolie

      Viele Waren, die auf Paletten transportiert werden, sind natürlich selbst schon verpackt – man denke zum Beispiel an Mörtelsäcke. In diesem Fall hat die Stretchfolie vor allem die Aufgabe, das Verrutschen und Herunterfallen der Sackware zu verhindern. Sie fördert also in erster Linie die Ladungssicherung.

      Aber viele Baustoffe werden auch unverpackt auf Paletten transportiert, etwa Gipskartonplatten und Mauerwerksteine. Dann dient die Stretchfolie, die gewissermaßen eine Verpackung der Palette darstellt, auch dem Schutz der Ware vor äußeren Beschädigungen beziehungsweise vor Witterungseinflüssen wie Regen und Sonneneinstrahlung. Wobei: Bei Produkten mit eigener Schutzverpackung ist diese Schutzfunktion ebenfalls oft gefragt. Die Folienumspannung schützt eben auch das Verpackungsmaterial, zum Beispiel vor Staub und Sonneneinstrahlung. Und sie erschwert den Diebstahl von Waren.

      Verschiedene Folientypen

      Für das Stretchen verwendet man natürlich nicht irgendwelche Folien, sondern besondere Stretchfolien, die Spezialhersteller als Rollenware in unterschiedlichen Breiten und Stärken anbieten. Die Stärke wird im Allgemeinen in der Maßeinheit my angegeben (ausgesprochen: „mü“), wobei 1 my einem tausendstel Millimeter entspricht (1 my = 0,001 mm). Gängige Stärken von Stretchfolien reichen von 8 bis 23 my. Je schwerer das Ladegut, umso stärker sollte die Folie sein. Die dicken Produkte mit 23 my bezeichnet man als Power-Stretchfolien.

      Stretchfolien sind sehr dehnbar. Dadurch entsteht beim Wickeln eine starke Rückspannkraft, wodurch die Ware fest fixiert wird. Es gibt auch bereits vorgedehnte Folien zu kaufen, die sich mit weniger Kraftaufwand um die Palette wickeln lassen. Die zu erreichende Rückspannkraft ist bei diesen Produkten aber geringer als bei den nicht vorgespannten Folien.

      Manuelles Stretchen

      Man kann Paletten entweder manuell oder maschinell stretchen. Auch für die manuelle Variante kommen in der Regel Hilfswerkzeuge zum Einsatz: Mit einem Handabroller (siehe Foto) benötigt der Lagermitarbeiter viel weniger Kraft zum Umwickeln der Palette. Außerdem sorgt das Werkzeug automatisch für eine optimale Dehnung der Folie.

      Beim manuellen Stretchen hat sich eine bestimmte Technik bewährt. Zunächst knotet der Lagermitarbeiter das eine Ende der Folie am Palettenfuß fest, anschließend umwickelt er diesen mehrmals (Fußwicklung). Danach führt er die Folie schräg nach oben und wickelt sie spiralförmig um die Ware herum bis er ganz oben angekommen ist. Nun umwickelt er zunächst mehrmals den Palettenkopf, bevor er den Handabroller wieder nach unten führt und die Ware über Kreuz mit einer zweiten Folienschicht umspannt (Kreuzwicklung).

      Maschinelles Stretchen

      Das manuelle Stretchen mit dem Handabroller erzeugt durchaus einen guten Schutz der Ware. Wesentlich schneller geht das Ganze aber mit einer voll- oder halbautomatischen Stretchmaschine. Wie eine solche Maschine funktioniert, könnt ihr euch in diesem Youtube-Video des Maschinenherstellers Lohrmann anschauen. Für solche Anlagen kommen spezielle Machinenstretchfolien zum Einsatz.

      So perfekt wie eine Stretchmaschine kann ein Mensch in der Regel nicht wickeln. Die maschinelle Methode steht daher für eine noch bessere Ladungssicherung. Halbautomatische Stretchmaschinen werden von Menschenhand über eine Steuereinheit bedient. Vollautomatische Maschinen arbeiten dagegen selbsttätig mithilfe voreingestellter Wickelprogramme.

      Sichern per Schrumpfhaube

      Anbringen eine Schrumpfhaube mithilfe der Schrumpfpistole. Foto: Bauking AG

      Anbringen eine Schrumpfhaube mithilfe der Schrumpfpistole. Foto: Bauking AG

      Eine Alternative zur Palettenverpackung mit Stretchfolie ist die Verwendung so genannter Schrumpfhauben. Dabei handelt es sich um vorgefertigte Foliensäcke, die man einfach von oben über Ware und Palette stülpt. Es gibt diese Verpackungsmittel natürlich in verschiedenen Größen. Beim Verpacken mit der Schrumpfhaube wird nicht gewickelt. Stattdessen wird die Haube nur lose über Ware und Ladungsträger gelegt. Für den notwendigen Halt sorgt dann der Einsatz einer so genannten Schrumpfpistole.

      Schrumpfpistolen sind im Grunde nicht anderes als speziell konstruierte Gasbrenner, mit denen man die Kunststoffhaube von außen zielgerichtet erhitzen kann. Dadurch zieht sich die Folie um die Ware zusammen – sie schrumpft sozusagen. Die Schrumpfhaube bleibt trotz der Hitzeeinwirkung transparent und passt sich wie eine zweite Haut an die Palettenladung an. Wie die Verpackung mithilfe von Schrumpfpistolen im Detail funktioniert, zeigt dieses Youtube-Video.

      Schrumpfhauben sind deutlich stabiler als herkömmliche Stretchfolien. Folienstärken von 100 my und mehr sind hier üblich. Sie werden daher vor allem für besonders schwere Palettenladungen verwendet, sind aber auch deutlich teurer als Stretchfolien. Die Verarbeitung mit offener Flamme kann zudem für hitzeempfindliche Waren problematisch sein, da die entstehende Wärme zum Teil auch durch die Folie dringt. Je nach örtlichen Gegebenheiten kann die Anwendung außerdem unter Umständen aufgrund von Brandschutzvorschriften nur im Freien erlaubt sein. Im Baustoffbereich werden Schrumpfhauben zum Beispiel häufig zur Ladungssicherung bei Paletten mit Ziegeln oder Zementsäcken eingesetzt.


      Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für baustoffwissen.de. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin "baustoffmarkt" und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift "baustoffpraxis". Kontakt: rgrimm1968@aol.com