Erstellt am

Was ist ein Hochwasserpass?

Durch die Zunahme von Starkregenereignissen wird auch in Deutschland der Hochwasserschutz für Gebäude immer wichtiger. Das Thema betrifft nicht nur Küstenanwohner oder Flussanrainer, sondern mittlerweile alle Hausbesitzer. Es empfiehlt sich für jeden, das Risiko für die eigene Immobilie fachmännisch abschätzen zu lassen und gegebenenfalls Vorsorgemaßnahmen gegen Hochwasserschäden zu treffen. Besonders einfach geht das mit einem so genannten Hochwasserpass.

Hochwasser richtet auch an Gebäuden schwere Schäden an. Foto: Pixabay

Hochwasser richtet auch an Gebäuden schwere Schäden an. Foto: Pixabay

Man muss nicht in Gewässernähe wohnen, um von Hochwasser betroffen zu sein. Nach Angaben des Kölner Hochwasser-Kompetenz-Centrums (HKC) werden 50 % aller Überschwemmungsschäden durch Starkregen verursacht. Und der kommt immer häufiger vor – vor allem zwischen Mai und September. Starkregenereignisse überlasten oft die Entwässerungssysteme und führen dann zu Überflutungen, die auch an Gebäuden Schäden anrichten.

Sturmfluten und Flusshochwasser sind regional begrenzte Risiken, auf welche sich die betroffenen Hausbesitzer in der Regel einigermaßen einstellen können. Außerdem gibt es für solche Naturereignisse öffentliche Hochwassermaßnahmen, zum Beispiel den Deichbau. Die seit einiger Zeit auch in Deutschland vermehrt zu beobachtenden Starkregenereignisse können dagegen überall auftreten. Sie treffen Hausbesitzer oft völlig unvorbereitet.



    • Hausbesitzer in der Verantwortung

      Der Schutz vor lokalen Starkregenereignissen gehört nun allerdings nicht mehr zu den öffentlichen Aufgaben. Kommt es durch derartige Ereignisse zu Überschwemmungen und in der Folge zu Schäden an Gebäuden, können die Besitzer dafür nicht die Kommune haftbar machen. Stattdessen sind Hausbesitzer aufgerufen, selbst individuelle Vorsorgemaßnahmen gegen Hochwasserrisiken zu treffen.

      In § 5 des Wasserhaushaltsgesetzes („Allgemeine Sorgfaltspflichten“) heißt es dazu:
      Jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, ist im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor nachteiligen Hochwasserfolgen und zur Schadensminderung zu treffen, insbesondere die Nutzung von Grundstücken den möglichen nachteiligen Folgen für Mensch, Umwelt oder Sachwerte durch Hochwasser anzupassen“.

      Damit Hausbesitzer tatsächlich handeln, müssen sie aber überhaupt erst einmal ein Bewusstsein von den Risiken haben. Der Einzelne wird nur dann bereit sein, in individuelle Schutz- und Vorsorgemaßnahmen gegen Hochwasser zu investieren, wenn er ausreichend über die potenziellen Gefahren für sein Hab und Gut sowie über mögliche Gegenmaßnahmen informiert ist. Die Vermittlung von Fachkompetenz in diesem Bereich hat sich der 2007 gegründete Kölner Verein Hochwasser-Kompetenz-Centrum (HKC) auf seine Fahnen geschrieben. Vor drei Jahren hat der HKC dann die Idee des Hochwasserpasses in die Tat umgesetzt.

      Die Idee des Passes

      Der Hochwasserpass bietet eine Risikoeinschätzung zur Gefährdung von Immobilien.

      Der Hochwasserpass bietet eine Risikoeinschätzung zur Gefährdung von Immobilien.

      Der Hochwasserpass ist ein Dokument, das für bestehende oder geplante Privathäuser und Gewerbeimmobilien eine Standortanalyse und Bewertung in Sachen Hochwassergefährdung bietet. Ähnlich wie ein Gebäude-Energieausweis die Energieeffizienz eines Hauses beurteilt und dem Besitzer gegebenenfalls bauliche Verbesserungsmaßnahmen vorschlägt, bietet der Hochwasserpass seinem Inhaber eine Risikoeinschätzung bezüglich der Hochwassergefährdung der Immobilie und zeigt gegebenenfalls Vorsorge- und Schutzmaßnahmen auf, durch die sich das Risiko reduzieren lässt.

      Der Hochwasserpass ist das Ergebnis einer fundierten Analyse und vermittelt Informationen darüber, inwieweit ein Gebäude gegen Flusshochwasser, Starkregen, Kanalrückstau und Grundhochwasser geschützt ist. Das jeweilige Gefahrenlevel wird im Pass visualisiert dargestellt – in Form der bekannten Ampeloptik. Dadurch ist der Schutzstatus auch für potenzielle Hauskäufer leicht nachvollziehbar. Sämtliche Schutz- und Vorsorgemaßnahmen, die der Hausbesitzer bereits gegen Hochwassergefährdung ergriffen hat, werden im Pass dokumentiert und sind somit nachweisbar.

      Wo gibt es den Hochwasserpass?

      Ein Hochwasserpass bietet Klarheit über das individuelle Überschwemmungs-Risiko einer Immobilie und zeigt sinnvolle Maßnahmen auf. Erwerben kann ihn jeder Hausbesitzer. Wie das im Einzelnen funktioniert, ist im Internet unter www.hochwasser-pass.com nachlesbar. Die Website bietet zudem viele nützliche Informationen zum Thema Hochwassergefahren. Mit diesem erweiterten Wissen sollen Hausbesitzer in einem ersten Schritt auf der Internetseite einen Fragebogen zum Ist-Zustand ihrer Immobilie ausfüllen. Anschließend erhalten sie eine kostenlose Kurzbewertung für ihr Objekt.

      Für einen echten Hochwasserpass muss der Hausbesitzer dann allerdings einen Sachkundigen engagieren. Dieser prüft die Angaben aus dem Fragebogen auf Plausibilität und Richtigkeit und stellt den Hochwasserpass aus. Eine Vor-Ort-Besichtigung durch den Sachkundigen ist zwar nicht zwingend erforderlich, wird vom HKC aber empfohlen.

      Ausbildung von Sachkundigen

      Die Leistung des Hochwasserpass-Sachkundigen ist kostenpflichtig. Ausstellungsberechtigte Personen gibt es bereits in vielen Bundesländern, aber noch nicht in allen. Eine Übersicht über die bereits in Deutschland aktiven Sachkundigen findet man ebenfalls unter www.hochwasser-pass.com. Das HKC bildet derzeit ständig weitere Experten aus, die den Hochwasserpass ausstellen dürfen. Voraussetzung für die Arbeit als Sachkundiger ist Berufserfahrung im Bereich Gebäudesicherheit und Hochwasserschutzmaßnahmen  – oder in vergleichbaren Tätigkeitsfeldern – sowie die erfolgreiche Absolvierung einer zweitägigen Zusatzausbildung mit Abschlussklausur.


      Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für baustoffwissen.de. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin "baustoffmarkt" und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift "baustoffpraxis". Kontakt: rgrimm1968@aol.com