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Was ist ein Mitnahmestapler?

Mit Baustoffen oder anderen schweren Frachten beladene Lkw sind tagtäglich auf Deutschlands Straßen unterwegs. Ihre Fahrer haben es meist eilig. Ist der Zielort erreicht, wünschen sie eine schnelle Abladung der Waren. Doch vielerorts lauern zeitraubende Engpässe. Oft gibt es zum Beispiel zu wenige oder gar keine Gabelstapler. Ein Mitnahmestapler hilft, Wartezeiten zu verkürzen und lässt sich zudem als zusätzlicher Kundenservice vermarkten.

Mitnahmestapler am Heck eines Lkw der österreichischen Spedition Keimelmayr. Foto: Keimelmayr

Mitnahmestapler am Heck eines Lkw der österreichischen Spedition Keimelmayr. Foto: Keimelmayr

Wie der Name schon andeutet, sind Mitnahmestapler spezielle Flurförderzeuge, die ein Lkw auf seiner Tour mitnimmt. Der englische Begriff „Truck Mounted Forklift“ (Lkw-montierter Gabelstapler) bringt das eigentlich noch exakter zum Ausdruck. Im deutschsprachigen Raum spricht man häufig auch von „Mitnehmstaplern“. Meist handelt es sich bei den Fahrzeugen um Frontstapler mit Dieselmotor. Elektrostapler findet man in diesem Bereich seltener.

Mitnahmestapler werden meist am Heck des Lkw befestigt, lassen sich optional aber natürlich auch auf einem Anhänger transportieren. Außerdem gibt es Modelle, die so raumsparend zusammenklappbar sind, dass man sie in einer Spezialbox verstauen kann. Diese wird in der Regel unterhalb des Lkw zwischen den Radachsen montiert. Solche Sonderlösungen bezeichnet man als box-montierte Mitnahmestapler (engl.: „box-mounted“).



    • Funktionsweise und Ausstattung

      In ihren Grundfunktionen unterscheiden sich Mitnahmestapler eigentlich nicht großartig von herkömmlichen Gabelstaplern. Sie sind nur kleiner, kompakter gebaut und daher auch deutlich leichter. Sie wiegen maximal 3 Tonnen. Das vergleichsweise geringe Gewicht erreichen die Hersteller unter anderem dadurch, dass ihre Mitnahmestapler meist nur drei statt vier Räder haben. Die hintere Radachse besteht dabei nur aus einem einzigen Rad, über das sich das Flurförderzeug lenken lässt.

      Die Mitnahme durch den Lkw erfolgt in den meisten Fällen über eine spezielle Halterungsvorrichtung am Heck des Fahrzeugs (Foto 1). Dabei handelt es sich immer um einen Sonderaufbau, der vom TÜV genehmigt werden muss. Wird der Stapler – wie meist üblich – ohne weitere Schutzabdeckungen transportiert, ist er während der Fahrt natürlich Wind und Wetter ausgesetzt. Für die Karosserie von Mitnahmestaplern empfiehlt sich daher eine spezielle Schutzbeschichtung.

      Box-montierte Mitnahmestapler benötigen keine Speziallackierung, denn sie sind ja während der Fahrt sicher in ihrer schützenden Transportbox zwischen den Radachsen des Lkw verstaut (Foto 2). Diese Modelle müssen natürlich besonders kompakt sein und sich platzsparend zusammenklappen lassen. Sie verfügen daher in der Regel auch nicht über einen Fahrersitz, sondern werden per Fernsteuerung bedient.

      Vorteile und Nachteile

      Ein Mitnahmestapler ermöglicht den verladenden Unternehmen mehr Flexibilität. Der Fahrer kann seinen Lkw auf der Baustelle oder beim Baustoff-Fachhandel notfalls auch selbst be- und entladen. Er ist nicht mehr darauf angewiesen, dass am Verladeort bei seiner Ankunft gerade eine Laderampe frei ist beziehungsweise Stapler oder Kräne vorhanden sind.

      Dieser ferngesteuerte Mitnahmestapler von Palfinger wird während der Fahrt in einer Box zwischen den Achsen des Trägerfahrzeuges verstaut. Foto: Palfinger

      Dieser ferngesteuerte Mitnahmestapler von Palfinger wird während der Fahrt in einer Box zwischen den Achsen des Trägerfahrzeuges verstaut. Foto: Palfinger

      Speditionsunternehmen oder Verlader aus Handel und Industrie können Mitnahmestapler zudem als einen besonderen Kundenservice anbieten. Schließlich gibt es auch Kunden, die grundsätzlich über keine eigenen Stapler verfügen – beispielsweise Endkunden. Die kompakten Flurförderzeuge haben zudem bei engen räumlichen Verhältnissen Vorteile gegenüber Standard-Staplern. Da man sie nur mit dem hinteren Rad lenkt, sind sie besonders wendig und erlauben sehr enge Fahrmanöver.

      Box-montierte Mitnahmestapler haben gegenüber den „Heck-Modellen“ den Vorteil, dass sie nicht die erlaubte Ladungs- beziehungsweise Fahrzeuglänge beeinflussen. Beim Transport überlanger Baustoffe kann das zum Beispiel wichtig sein. Außerdem sind sie nicht im Weg, wenn über eine Rampe entladen und der Mitnahmestapler gar nicht benötigt wird. Außerdem sorgt der Boxentransport für eine bessere Achslastverteilung beim Lkw, der sich dadurch sicherer fahren lässt.

      Dass Mitnahmestapler in der Regel deutlich leichter sind als herkömmliche Gabelstapler, hat natürlich auch einen Nachteil. Das Gewicht eines Frontladers ist schließlich entscheidend für die Frage, wie hohe Lasten der Stapler überhaupt aufnehmen kann, ohne dass er nach vorne kippt. Da Mitnahmestapler in der Regel nur ein Eigengewicht zwischen einer und drei Tonnen haben, ist auch die Warenlast, die sie stemmen können, entsprechend begrenzt.


      Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für baustoffwissen.de. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin "baustoffmarkt" und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift "baustoffpraxis". Kontakt: rgrimm1968@aol.com