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Befestigungstechnik: Wärmedämm-Verbundsysteme

Bei Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) werden meist EPS oder Mineralwolle als Dämmstoffe verwendet. Manchmal klebt man die Platten einfach nur mit Mörtel an die Fassade, doch in vielen Fällen reicht das nicht aus. Dann muss mit speziellen Dübeln nachgeholfen werden, damit das Dämmpaket nicht von der Fassade fällt. Aber nicht nur für die Befestigung des WDVS an der Außenwand, sondern auch für die Fixierung von Lasten an der Dämmung gibt es spezielle Dübelsysteme.

Dämmstoffdübel

Dämmstoffdübel schraubt man einfach in das Dämmmaterial hinein.

Wird Mineralwolle (Glas- oder Steinwolle) für eine WDVS-Fassade verwendet, dann darf man die Platten nicht nur verkleben, sondern muss sie grundsätzlich auch verdübeln. Eine Ausnahme machen hier nur die so genannten Mineralwolle-Lamellen. Dabei handelt es sich um Platten, deren Fasern nicht – wie bei herkömmlicher Mineralwolle – parallel zum Untergrund ausgerichtet sind, sondern senkrecht dazu. Dadurch haben sie eine höhere Zugfestigkeit und können in vielen Fällen auch ohne Dübel verarbeitet werden – vorausgesetzt, Fassadenoberfläche und Klebemörtel bieten einen ausreichenden Haftgrund und die Windlasten sind nicht zu hoch.




    • Wann wird verdübelt?

      Der an der Fassade mit Abstand am häufigsten eingesetzte Dämmstoff ist EPS (expandiertes Polystyrol) – besser bekannt unter dem Markennamen Styropor. Ob dieser Hartschaum verdübelt werden muss, hängt insbesondere vom Gewicht und damit von der Dicke der Dämmstoffschicht ab. Wiegt der Gesamtaufbau des WDVS – also das Paket aus Klebemörtel, Dämmstoff, Armierung und Putz – maximal 10 kg/m², dann reicht es zumindest bei Neubauten in der Regel aus, das EPS zu verkleben. Ist das Gewicht dagegen höher, muss zusätzlich verdübelt werden. Denn mehr Gewicht bedeutet höhere Zuglasten, die am Haftverbund zwischen Dämmstoff und Außenwand angreifen. Und eine Mörtelschicht allein kann solchen Kräften irgendwann nicht mehr dauerhaft standhalten. Das gilt insbesondere, wenn die Fassade starkem Windsog ausgesetzt ist. In Gebieten mit hohen Windlasten wird deshalb normalerweise unabhängig vom Plattengewicht immer verdübelt. Dasselbe gilt für WDVS an Hochhäusern.

      So weit die grundsätzlichen Regeln im Neubau. Bei der nachträglichen Dämmung von Bestandsgebäuden sieht die Sache noch etwas anders aus. Solche Fassaden tragen oft schon mehrere Schichten aus Altanstrichen oder Altputzen. Außerdem sind sie meist relativ uneben und an der Oberfläche mit Schmutzpartikeln übersäht. Auf einer solchen Oberfläche haftet der Klebemörtel für Dämmplatten in der Regel wesentlich schlechter als bei Neubauten. Daher werden WDVS bei Sanierungen häufig zusätzlich verdübelt, auch wenn das Systemgewicht weniger als 10 kg/m² beträgt. Diese Lösung ist meist kostengünstiger als eine aufwändige Untergrundvorbereitung.

      Manchmal sind die Unebenheiten bei alten Fassaden übrigens so stark, dass selbst die Kombination aus Kleben und Dübeln nicht ausreicht. Dann kann man WDVS auch an speziellen Metallschienen befestigen, die an der Außenwand verdübelt werden. Bei solchen mechanischen Befestigungssystemen wird überhaupt nicht geklebt. Da sie relativ teuer sind, werden sie aber nur eingesetzt, wenn alle anderen Methoden versagen.

Tellerdübel

Tellerdübel werden durch die Dämmplatten hindurch in der Außenwand verankert.

Tellerdübel mit Klemmwirkung

In WDVS kommen so genannte Tellerdübel zum Einsatz. Dabei handelt es sich um nagelartige Befestigungsmittel, die man per Durchsteckmontage verarbeitet. Man bohrt also Löcher durch den Dämmstoff hindurch in die massive Außenwand, in der die Dübel verankert werden. Die Produkte müssen daher – je nach Dämmdicke – über einen entsprechend langen Stiel verfügen. Die flächenbezogene Anzahl der zu verwendenden Dübel ist jeweils den Herstellerangaben zu entnehmen.
Das Funktionsprinzip der Dübel beruht auf ihren tellerförmigen Endstücken, die oberflächenbündig auf der Außenseite der Dämmplatten abschließen und dadurch eine Klemmwirkung erzeugen. Bei manchen Produktsystemen versenkt man die Dübel samt Teller aber auch ein Stückchen in der Dämmung und verschließt das so entstehende Loch an der Plattenoberfläche anschließend mit einer “Dämm-Rondelle“. Dadurch lassen sich mögliche Dübelabzeichnungen im Außenputz vermeiden.

Lastenbefestigung am WDVS

Dübel für WDVS werden aber nicht nur eingesetzt, um das Dämmpaket selbst zu befestigen. Ein weiterer Einsatzbereich betrifft die Befestigung äußerer Lasten am WDVS. Bei leichten Gegenständen, die flach an der Wand anliegen – zum Beispiel Türschilder, Briefkästen oder Bewegungsmelder – reichen oft so genannte Dämmstoffdübel. Dabei handelt es sich meist um Kunststoffprodukte mit selbstschneidendem Spiralgewinde, die man ohne Vorbohren einfach in den Dämmstoff einschraubt (siehe Foto). Für Mineralwolleplatten gibt es solche Einschraubdübel auch in Metallausführung. Die Lastbefestigung erfolgt über eine Schraube, die in den Dübel eingedreht wird – im Prinzip genau so wie bei normalen Kunststoffdübeln für Innenwände.

Abstandsmontagesysteme

Mit modernen Abstandsmontagesystemen lassen sich auch schwere Lasten an WDVS-Fassaden befestigen.
Fotos/Grafik: Media Service Online Unternehmensgruppe fischer

Nun sind Dämmstoffe eher weich und daher an sich wenig tragfähig. Es versteht sich also fast von selbst, dass man größere Lasten nicht einfach per Dämmstoffdübel in das Material einschrauben darf. Für schwere Gegenstände wie Vordächer, Klimageräte, Abgaskaminkonsolen, Sonnenschutzsysteme, Wintergärten oder auch von der Wand abstehende Lampen kommen daher spezielle Abstandsmontagesysteme zum Einsatz, die in der massiven Außenwand verankert werden. Solche Produkte sind meist als Ankerstangen mit Außengewinde konstruiert, an deren Ende ein Dübel befestigt ist (siehe Foto). Auf der anderen Seite ragt die Gewindestange leicht aus der Fassade heraus, sodass sich dort per Schraube die gewünschten Montagegegenstände anbringen lassen. Im Dämmstoff wird die Gewindestange zudem meist durch ein Trennmodul aus Kunststoff unterbrochen. Auf diese Weise lassen sich Wärmebrücken innerhalb der Dämmschicht weitgehend vermeiden.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für baustoffwissen.de. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin "baustoffmarkt" und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift "baustoffpraxis". Kontakt: rgrimm1968@aol.com