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Was ist ein Isokorb?

Unter einem Isokorb versteht man ein tragendes Wärmedämmelement, das dabei hilft, Wärmebrücken an auskragenden Bauteilen zu minimieren. Es kommt zum Beispiel bei Balkonen zum Einsatz, aber auch bei anderen unzureichend gedämmten Anschlüssen – etwa bei Vordächern oder Brüstungen. Erfunden hat den Isokorb der deutsche Bauingenieur und Unternehmer Eberhard Schöck.

Dieser Isokorb verbindet Stahlbetondecke und Balkonplatte. Bilder: Schöck Bauteile GmbH

Dieser Isokorb verbindet Stahlbetondecke und Balkonplatte. Bilder: Schöck Bauteile GmbH

Der Begriff Isokorb ist ein Produktmarke des Herstellers Schöck Bauteile. Das Unternehmen wurde 1962 von Eberhard Schöck zunächst als Bauunternehmen gegründet. Zum „Schöck Bautrupp“ kam später eine Bauteile-Produktion hinzu. Das war die Keimzelle für die heutige Schöck Bauteile GmbH mit Hauptsitz in Baden-Baden (www.schoeck.de).

Die Idee zum Isokorb geht auf den Firmengründer selbst zurück. Der gelernte Mauerer und Bauingenieur Eberhard Schöck war nicht nur Unternehmer, sondern auch ein kreativer Erfinder. Anfang der 1980er-Jahre meldete er das Patent für den Isokorb an, 1983 erfolgte die Markteinführung. Damit begann eine Erfolgsgeschichte. Das Unternehmen Schöck vertreibt bis heute ein breites Programm an Isokörben für unterschiedliche Anwendungen, das ständig weiterentwickelt und optimiert wird.



    • Große Modellvielfalt

      Den einen Isokorb gibt es also gar nicht. Stattdessen hat Schöck in den vergangenen 35 Jahren tausende von Varianten entwickelt: für den Anschluss an Beton, Stahl oder Holz, für Neubau und Sanierung, für die unterschiedlichsten Anforderungen internationaler Märkte. Neben dem klassischen Produkt für auskragende Stahlbetonteile bietet das Unternehmen heute zum Beispiel auch spezielle Isokörbe für Attiken und Brüstungen sowie Anschlusselemente für frei auskragende Stahl-Stahlkonstruktionen. Bei aller Modellvielfalt haben aber all diese Produkte eines gemeinsam: Sie vermindern Wärmebrücken an auskragenden Bauteilen und helfen somit, Heizwärmeverluste zu verringern und Folgeschäden wie zum Beispiel feuchte Raumdecken und Schimmelpilzbildung zu verhindern.

      Einsatz bei Stahlbetonbalkonen

      Moderne Isokörbe – eingelassen in die Stahlbetonbewehrung eines Neubau-Objektes.

      Moderne Isokörbe – eingelassen in die Stahlbetonbewehrung eines Neubau-Objektes.

      Die sicherlich bekannteste Anwendung ist der Isokorb für auskragende Balkone mit Betonplatte. Letztere ist bei vielen Gebäuden direkt mit den Stahlbeton-Geschossdecken verbunden – sofern es sich nicht um einen freistehenden Vorstellbalkon handelt. Decke und Beton-Balkonplatte sind dann also „aus einem Guss“. Die Stahl-Bewehrungsstäbe der Decke ragen aus der Fassade heraus und werden auch zur Verankerung der Balkonplatte genutzt.

      Findet zwischen Gebäudedecke und Balkonplatte keine Wärmedämmung statt, ergibt sich hier eine massive Wärmebrücke, denn vor allem der Stahl hat eine sehr hohe Wärmeleitfähigkeit. Die Folge ist, dass Raumwärme über die Betondecke ungehindert in die Balkonplatte und damit ins Freie abfließen kann. Genau hier setzt der Isokorb an. Als zugleich wärmedämmendes und tragendes Bewehrungsbauteil, das zwischen Gebäudedecke und Balkon montiert wird, sorgt er für eine thermische Trennung im Bereich der Außenwand und sichert darüber hinaus die sichere Statik des auskragenden Gebäudeanschlusses.

      Technische Details

      Der klassische Isokorb für Balkone trennt und verbindet die Stahlbetonplatten von Decke und Balkon. Er verfügt über eine zweiseitige Anschlussbewehrung: eine ragt in die Geschossdecke hinein, die andere in die Balkonplatte. Beim oberen Teil des Isokorbs handelt es sich um das Druckmodul, das im Kern aus stahlfaserbewehrtem Beton besteht. Durch dieses Material wird die Tragfähigkeit des Bauteils gesichert.

      Unterhalb des Druckmoduls besteht das tragende Wärmedämmelement vor allem aus dem Polystyrol-Hartschaum Neopor. Der Dämmstoff trennt in diesem Bereich Betondecke und Balkon und minimiert somit die wärmeübertragende Fläche. Die Raumwärme kann dadurch nur noch über die Bewehrungsstäbe abfließen, die den Isokorb durchdringen. Schöck verwendet für seine Produkte allerdings speziellen Edelstahl, der eine deutlich geringere Wärmeleitfähigkeit hat als der normale Baustahl, der sonst bei Betonbewehrungen zum Einsatz kommt.

      Bewehrungsstäbe aus Glasfaser

       Bewehrungsstäbe aus „Combar“ kommen heute auch für Isokörbe zum Einsatz.


      Bewehrungsstäbe aus „Combar“ kommen heute auch für Isokörbe zum Einsatz.

      Seit 2017 bietet Schöck auch Isokörbe, bei denen die Zugstäbe nicht aus Edelstahl, sondern aus dem Glasfaserverbundwerkstoff „Combar“ bestehen. Die Glasfasern dieses Materials sind von einer Harzmatrix umgeben und parallel ausgerichtet. Dadurch sind Bewehrungsstäbe aus Combar deutlich zugfester als solche aus Betonstahl. Zugleich sind sie viel leichter, rosten nicht, leiten keinen elektrischen Strom und halten angeblich mindestens 100 Jahre lang. Mit dem Glasfaserverbundwerkstoff lassen sich zudem filigranere Betonbauteile herstellen, weil zur Überdeckung der Bewehrung dünnere Betonschichten ausreichen als bei Stahlstäben.

      Für den Einsatz in Isokörben ist der Werkstoff aber vor allem noch aufgrund einer anderen Eigenschaft prädestiniert: Combar hat nämlich eine viel geringere Wärmeleitfähigkeit als Stahl (0,7 W/mK). Zusammen mit der hohen Belastbarkeit bietet das hervorragende Voraussetzungen für ein tragendes Wärmedämmelement. Schöck hat zudem auch eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für die Verwendung von Combar in Isokörben.


      Mehr zum Thema Befestigung findest du in der Übersicht


      Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für baustoffwissen.de. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin "baustoffmarkt" und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift "baustoffpraxis". Kontakt: rgrimm1968@aol.com