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Was ist eine Scherentreppe?

Für nicht ausgebaute Dachböden, die nur als Stauraum genutzt und daher relativ selten begangen werden, sind Bodentreppen ideal. Mit keinem Bauelement kann man so viel Platz sparen. Das gilt insbesondere für Scherentreppen, die sich besonders kompakt zusammenschieben lassen und zudem beim Ausfahren keinerlei Faltraum benötigen.

Scherentreppen kann man aufgrund der vielen Scharniere sehr kompakt zusammenschieben. Abbildungen: Wellhöfer

Scherentreppen kann man aufgrund der vielen Scharniere sehr kompakt zusammenschieben. Abbildungen: Wellhöfer

Jede Bodentreppe – egal ob die klassische, dreiteilige Treppenleiter zum Ausklappen oder die zusammenschiebbare Scherentreppe – darf im eingefahrenen Zustand nicht größer sein als die vorhandene Luke zum Dachboden. Schließlich lagert die Treppe bei geschlossener Deckenöffnung auf dem Lukendeckel. Man muss den Deckel nach unten öffnen, um sie herauszuziehen. Das wäre schwierig, wenn das Bauelement im zusammengeklappten Zustand über den Deckel hinausragen, also auch auf dem angrenzenden Dachboden aufliegen würde.

Der Vorteil einer Scherentreppe im Vergleich zu einer klassischen, dreiteiligen Bodentreppe ist, dass sie bei Nichtnutzung noch weniger Platz auf dem Dachboden einnimmt. Verantwortlich dafür ist der besondere Mechanismus zum Zusammenschieben des Bauelements, der an eine Ziehharmonika erinnert.



    • Besonders platzsparend

      Es gibt größere und kleinere Deckenöffnungen. Manche haben eine so geringe Fläche, dass auf dem Lukendeckel zu wenig Platz für eine klassische Bodentreppe ist. In solchen Fällen schlägt die Stunde der Scherentreppe. Sie nimmt weniger Platz ein, weil sich auf Höhe jeder Einzelstufe Scharniere befinden, sodass sich die ganze Leiter wie eine Ziehharmonika platzsparend zusammendrücken lässt. Das komplett eingefahrene Scherentreppenpaket ist auf jeden Fall raumsparender als die übereinander gestapelten Teile einer herkömmlichen Treppenleiter. Letztere hat drei starre Elemente, die man nur noch übereinander stapeln, jedoch nicht mehr weiter verkleinern kann. Für einige Lukendeckel sind sie zu lang.

      Moderne Optik

      Das Modell „Liliput“ eignet sich für Lukendeckel ab 70 x 50 cm und bis zu 3,60 m Raumhöhe.

      Das Modell „Liliput“ eignet sich für Lukendeckel ab 70 x 50 cm und bis zu 3,60 m Raumhöhe.

      Übrigens entscheiden sich manche Menschen auch dann für eine Scherentreppe, wenn die Deckenöffnung in ihrem Haus eine Standardgröße hat. Warum auch nicht? Schließlich steht die Scherentreppe der normalen Treppenleiter in Sachen Komfort eigentlich in nichts nach. Sie ist allerdings nicht aus Holz, wie die klassische Bodentreppe, sondern aus Metall – meist aus leichtem Aluminium. Viele Hausbesitzer schätzen eine solche metallische Optik, weil sie gut zu modernen Einrichtungsstilen passt.

      Wellhöfer bietet zum Beispiel eine Scherentreppe an, die passenderweise den Namen „Liliput“ trägt. Sie besteht aus Aluminium und verfügt über 11 cm tiefe, gerillte Sicherheitsstufen. Im zusammengeschobenen Zustand ist sie so klein, dass sie sich schon für Deckenöffnungen ab 70 cm Länge und 50 cm Breite eignet. Der Hersteller fertigt sie bis zu einer lichten Raumhöhe von 3,60 m.

      Kein Faltraum notwendig

      Anders als dreiteilige Bodentreppen benötigen Scherentreppen keinen Faltraum.

      Anders als dreiteilige Bodentreppen benötigen Scherentreppen keinen Faltraum.

      Natürlich hängt der Platzbedarf einer Scherentreppe auch von der Höhe des Raums unterhalb der Dachluke ab. Je höher, umso mehr Stufen benötigt die Treppe und umso mehr Platz nimmt sie im zusammengedrückten Zustand ein. Gleichwohl erfordert die Scherentreppe – bei gleicher Raumhöhe – stets weniger Platz als eine klassische Bodentreppe.

      Das gilt übrigens auch für das Ausfahren der Treppe. Eine ausgeklappte, dreiteilige Bodentreppe benötigt einen gewissen Faltraum (siehe Grafik). In diesem Bereich dürfen dann keine Gegenstände im Raum stehen. Auch Deckenlampen könnten möglicherweise stören. Für eine Scherentreppe ist dagegen kein Faltraum notwendig.

      Elektrische Variante

      Manche Hersteller bieten übrigens auch Scherentreppen mit Elektromotor an. Columbus bietet zum Beispiel ein Aluminium-Modell, das sich automatisch ein- und ausfahren lässt. Die elektrische Lösung ist vor allem dann interessant, wenn der Lukendeckel angesichts großer Raumhöhen manuell nur schwer zu öffnen ist und sich die Leiter selbst per Zugstab nicht komfortabel herausziehen lässt. Die angesprochene Scherentreppe von Columbus überbrückt eine Gesamthöhe von bis zu 4,60 m.


      Mehr zum Thema Bauelemente findest du in der Übersicht


      Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für baustoffwissen.de. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin "baustoffmarkt" und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift "baustoffpraxis". Kontakt: rgrimm1968@aol.com