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Holzwerkstoffe: Spanholz und Faserholz

Im ersten Teil unseres Fachwissenbeitrags über Holzwerkstoffe haben wir uns mit den verschiedenen Sperrholzarten beschäftigt. Diese Materialien auf Furnierbasis machen aber nur einen kleinen Teil der jährlichen Holzwerkstoffproduktion aus. Eine wirtschaftlich viel größere Rolle spielen solche Platten, die aus Restprodukten der Sägeindustrie beziehungsweise aus stark zerkleinertem Holz bestehen: Spanholz und Faserholz.

Rohspanplatte

Millionenfach produziert: die klassische Spanplatte. Foto: Glunz

Im Jahr 2012 wurden in Europa (ohne Russland und Türkei) insgesamt 47,4 Mio. m³ Holzwerkstoffe produziert. So steht es zumindest auf der Website des Verbandes der deutschen Holzwerkstoffindustrie (www.vhi.de). Davon entfielen allein 67 % auf Spanholz-Produkte, weitere 27 % auf Faserholz, aber nur 6 % auf Sperrholzplatten. Spanholz ist also das Massenprodukt unter den Holzwerkstoffen. Es wird oft für den Innenausbau verwendet, wobei die Sichtflächen der Platten dann meist mit dekorativen Furnieren oder Folien beschichtet sind. Vor allem ist Spanholz aber allgegenwärtig im preiswerten Möbelbau. Schaut einfach mal, woraus zum Beispiel bei euch zu Hause die Regale bestehen! Darüber hinaus gibt es auch besonders robuste Spanhölzer, die sogar zur Aussteifung von Wänden im konstruktiven Holzbau oder zum Beispiel als Trockenestrich im Bodenbereich geeignet sind.



    • „Normale“ Spanholzplatten

      Während Sperrholz immerhin aus Furnierblättern besteht – wenn auch meist nicht aus besonders wertvollen – kann sich Spanholz nicht auf eine vergleichbar edle Herkunft berufen. Ein Großteil der verwendeten Rohstoffe sind eigentlich Holzabfälle. Die Späne, die zum Beispiel in Sägewerken beim Verarbeiten von Baumstämmen anfallen, werden unter Beimischung von Klebstoffen (Bindemitteln) zu Spanholzplatten verpresst. Da Spanholz, wie oben erwähnt, ein Massenbaustoff ist, versteht es sich von selbst, dass die Abfälle aus Sägewerken allein den Rohstoffhunger der Produzenten nicht stillen können. So fließt auch Vollholz in die Herstellung ein, das erst zerkleinert und dann wieder zu Plattenwerkstoffen zusammengesetzt wird.

      „Normale“ Spanplatten bestehen aus sehr feinen Spänen, die nur zwischen 0,1 und 0,3 mm dick sind. Sie werden meist durch Klebstoffe auf Harzbasis zusammengehalten – etwa Harnstoff-, Phenol- oder Melaminharz. Dass durch diese Klebstoffe unter anderem auch potenziell gesundheitsschädigendes Formaldehyd in die Raumluft gelangen kann, ist seit langem bekannt. Umstritten ist – wie in solchen Fällen eigentlich immer – ab welcher Menge die Formaldehyd-Emissionen tatsächlich eine Gefährdung für den Menschen darstellen. Immerhin sind die Produkte mittlerweile mit verschiedenen Emissionsklassen ausgezeichnet. Der Käufer hat also die Möglichkeit, bewusst auf Produkte mit relativ geringen Emissionen zu setzen. Daneben gibt es auch Spanholzplatten, die gar kein Formaldehyd enthalten, sondern stattdessen Bindemittel wie Magnesit, Gips, Zement oder auch das holzeigene Lignin.

      Spanplatten werden in vielen unterschiedlichen Rohdichten angeboten, es gibt also sowohl sehr feste und schwere als auch leichte und poröse Produkte. Im Bodenbereich verwendet man zum Beispiel relativ dichte Materialien. Die Oberfläche von Spanplatten kann roh, aber auch geschliffen sein. Bei Anwendungen im Sichtbereich ist sie meist mit anderen Stoffen beschichtet – zum Beispiel Echtholzfurnier, Laminat oder Dekorfolien.

OSB-Platte

Spanholz für hohe Belastungen: OSB-Platten werden auch im Innenausbau immer beliebter. Foto: Glunz

OSB-Platten

Eine Sonderform im Spanholzbereich sind die so genannten OSB-Platten. Sie bestehen aus relativ großen Spänen, die bis zu 2 cm lang sein können. Man kann sie mit bloßem Auge erkennen. Diese „Grobspanplatten“ unterscheiden sich aber nicht nur optisch von den normalen Platten. Die Späne werden nämlich nicht einfach wild durcheinander gemischt, sondern sind in drei Schichten angeordnet. In jeder Einzellage sind sämtliche Späne einheitlich ausgerichtet – sie weisen also in dieselbe Richtung. Daher kommt auch der Name „Oriented Strand Board“ (OSB), was soviel wie „ausgerichtete Spanplatte“ bedeutet. Allerdings weisen nicht alle Späne der gesamten Platte in dieselbe Richtung. Vielmehr sind sie lagenweise über Kreuz, also im 90°-Winkel zueinander, ausgerichtet.

Es ist diese kreuzweise Streuung, die dafür sorgt, dass OSB-Platten besonders widerstandsfähig sind. Ihre Festigkeit ist etwa zwei- bis dreimal höher als die von normalen Spanplatten. Deshalb wird OSB auch häufig als aussteifendes Beplankungsmaterial für Holzbauwände eingesetzt. Da mittlerweile viele Menschen die spezielle Holzoptik dieser Produkte schätzen, findet man OSB aber auch immer häufiger als Sichtoberfläche, zum Beispiel im Fußboden- oder Möbelbereich.

Faserholzplatten

Faserholz ist nach Spanholz der heute am meisten verwendete Holzwerkstoff. Als Ausgangsmaterial dient extrem stark zerkleinertes Holz. Wie der Name schon sagt: Man geht hier bis zur Faserebene des Baumstamms. Die Fasern werden meist aus Hackschnitzeln von Nadelhölzern gewonnen. Eine Holztextur ist bei den fertigen Platten nicht mehr zu erkennen.

Grundsätzlich unterscheidet man bei Faserholzplatten (man sagt auch: Holzfaserplatten) zwei unterschiedliche Arten. Da sind einerseits Weichfaserplatten, die unter Hinzufügung von Bindemitteln hergestellt und vor allem als Dämmstoffe verwendet werden. Wir haben sie bereits im Fachwissenbeitrag „Holzfaserplatten: keine Dämmwunder – aber viele andere Vorteile“ vorgestellt. Daneben gibt es ein größeres Sortiment an harten Faserholzplatten, die meist unter Zugabe von Klebstoffen entstehen. Diese Produkte kommen dann auch als Bauplatten im Innenausbau, als Trägermaterial für Laminatböden sowie Wand- und Deckenpaneele, im Möbelbau und teilweise sogar als Material für Balken und Fassadenverkleidungen zum Einsatz.

Bei den härteren Platten gibt es zahlreiche Varianten mit einer verwirrenden Flut an Abkürzungen. Besonders gebräuchlich sind mitteldichte Faserplatten (MDF) und hochdichte Faserplatten (HDF). Sie werden im so genannten Trockenverfahren unter Beimischung von Klebstoffen hergestellt. Als Bindemittel kommen dabei vor allem Harnstoff- und Phenolharz zum Einsatz. Im Nassverfahren hergestellt werden dagegen so genannte mittelharte Faserplatten (MB) und harte Faserplatten (HFH). Bei diesen Typen kommen nur geringe Mengen Bindemittel zum Einsatz. Die Fasern werden hier im nassen Zustand verarbeitet, der Zusammenhalt der Rohstoffe erfolgt vor allem durch Verfilzung der Fasern. Und natürlich durch die stets vorhandenen holzeigenen Bindemittel.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für baustoffwissen.de. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin "baustoffmarkt" und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift "baustoffpraxis". Kontakt: rgrimm1968@aol.com