Erstellt am

Dachtragwerk: Was sind Trag- und Konterlatten?

Im Steildachbereich gibt es zahlreiche Fachbegriffe, die beim Laien für Verwirrung sorgen können. Das traditionelle Holzsparrendach ist ein Paradebeispiel dafür. Hier besteht das hölzerne Tragwerk eben nicht nur aus den Sparren, sondern auch aus so genannten Trag- und Konterlatten. Über die Eigenschaften und Funktionen der verschiedenen Dachlatten klärt der folgende Beitrag auf.

Konter- und Traglatten bei einem Steildach mit Aufsparrendämmung. Foto: Puren

Konter- und Traglatten bei einem Steildach mit Aufsparrendämmung. Foto: Puren

Das Dachtragwerk bezeichnet man beim Sparrendach auch als Dachstuhl. Dieser hat verschiedene Aufgaben. Zunächst einmal bildet er gewissermaßen das Skelett und die formgebende Unterkonstruktion des Steildachs. Er trägt zudem die Dacheindeckung, also die Dachpfannen, sowie mögliche Zusatzkonstruktionen für eine erhöhte Regensicherheit – beispielsweise ein Unterdach. Daher der Begriff Tragwerk. Zugleich bietet der Dachstuhl Raum für Dämmstoffe, seien es nun Aufsparrendämmungen oder Zwischensparrendämmungen.

Auf der Innenraumseite trägt das Sparrenskelett zudem die Dachschrägen-Verkleidung – zum Beispiel Gipskartonplatten – und manchmal kommt auch noch eine Untersparrendämmung hinzu. Weiterhin hat das Tragwerk die Funktion, die von außen auf das Dach einwirkenden Kräfte – wie Winde oder Schneelasten – aufzunehmen und sie in die Gebäudeaußenwände abzuleiten, auf denen das Sparrendach aufliegt.



    • Aufbau des klassischen Sparrendachs

      Wie der Name schon sagt, besteht ein Sparrendach zu großen Teilen aus Holzsparren. Diese verlaufen in regelmäßigen Abständen senkrecht zur Dachfläche – von der Traufe bis zum First. Zur Erinnerung: Als Traufe bezeichnet der Dachhandwerker die waagerechten Tropfkanten der Dachflächen, wo in der Regel die Dachrinnen befestigt sind. Der First bezeichnet dagegen das gegenüberliegende Ende der Dachfläche – also deren waagerechte obere Kante. Beim klassischen Satteldach mit zwei geneigten Dachflächen verbindet der Dachfirst die beiden Flächen.

      Man kann auch sagen: Der Dachfirst ist die Linie, an der je zwei Sparrenpaare aufeinandertreffen. Die Sparren sind aber eben nicht der einzige hölzerne Bestandteil des Dachstuhls. Hinzu kommen Dachlatten – genauer gesagt: die Trag- und Konterlatten. Doch was ist der Unterschied?

      Konterlatten

      Bei einem Steildach mit Zwischensparrendämmung (aber ohne Aufsparrendämmung!) befestigt man die Konterlatten von außen direkt auf den Sparren. Sie verlaufen also wie diese von der Traufe bis zum First. Auf den Konterlatten wiederum werden später die Traglatten montiert. Für beide Dachlattentypen verwendet man Kanthölzer.

      Doch wozu benötigt man überhaupt Konterlatten unterhalb der Traglatten? Letztere könnte man doch auch direkt auf die Dachsparren nageln. Antwort: Die Konterlatten stellen eine ausreichende Hinterlüftung des Eindeckungsmaterials sicher. Indem sie die Ebene der Traglatten ein Stück anheben, sorgen sie für einen ausreichenden Lüftungsspalt zwischen den Dachpfannen und der meist darunter liegenden Unterdeckbahn beziehungsweise der Dämmung.

      Verfügt das Steildach über eine Aufsparrendämmung, dann werden die Konterlatten nicht direkt auf den Sparren verlegt, sondern auf der Dämmstoffebene. Man muss sie also durch den Dämmstoff hindurch am Sparren befestigen! Dafür kommen spezielle Systemschrauben zum Einsatz, die lang genug sind, um sowohl die Konterlatten und die Dämmstoffplatten sowie ein eventuell darunterliegendes Unterdach zu durchdringen als auch die notwendige Einschraubtiefe in die Sparren sicherzustellen.

      Traglatten

      Dachziegel mit rückseitiger Verfalzung werden einfach an den Traglatten eingehängt. Foto: Wienerberger / Koramic

      Dachziegel mit rückseitiger Verfalzung werden einfach an den Traglatten eingehängt. Foto: Wienerberger / Koramic

      Die Traglatten werden im 90°-Winkel auf den Konterlatten montiert. Sie verlaufen also parallel zu First und Traufe. Zur Befestigung dienen in der Regel Nägel, die über einen Rostschutz verfügen – meist verzinkte Nägel. Die Traglatten heißen so, weil sie die Dachpfannen tragen beziehungsweise abstützen. Der Abstand dieser Latten muss also im Vorfeld exakt auf die Deckbreite der verwendeten Dachziegel oder -steine abgestimmt werden. Die Dachpfannenhersteller geben zum Glück in der Regel an, wie groß der Dachlattenabstand für ihre jeweiligen Eindeckungsmodelle zu sein hat.

      Natürlich müssen Traglatten tragfähig sein. Nach DIN 4074 muss das Holz mindestens der Sortierklasse S 10 entsprechen (normale Tragfähigkeit). Wichtig ist zudem ein gewisser Mindestquerschnitt der Latten. Da es sich bei Traglatten um Kanthölzer handelt, beschreibt ihre Querschnittsfläche ein rechtwinkliges Viereck, das sich durch die Größenangabe „Höhe x Breite in Millimeter“ beschreiben lässt. Die Größenangabe für den Querschnitt wird bei Dachlatten üblicherweise in der Form Höhe/Breite angegeben.

      Dachlattenmaße

      Typische Maßangaben für Dachlatten sind zum Beispiel 30/50 oder 40/60, wobei es sich bei den Zahlen immer um Millimeterangaben handelt. Die handelsüblichen Latten mit den relativ kleinen Querschnitten 24/48 und 24/60 dürfen übrigens nur eingesetzt werden, wenn das verwendete Holz der Sortierklasse S 13 entspricht (hohe Tragfähigkeit).

      Wie groß der Mindestquerschnitt im Einzelfall sein muss, hängt aber auch vom Sparrenabstand des Daches ab (Auflagerabstand). Allgemein lässt sich sagen: Umso größer der Sparrenabstand, umso größer muss auch der Lattenquerschnitt sein. Umgekehrt ergeben sich aus dem Auflagerabstand Einsatzbegrenzungen für bestimmte Dachlatten. Hölzer mit dem Querschnitt 24/48 (Sortierklasse S 13) dürfen zum Beispiel nur bis zu einem maximalen Sparrenabstand von 70 cm und bei einem Traglattenabstand von maximal 17 cm verwendet werden. Konterlatten müssen grundsätzlich nur der Sortierklasse S 10 entsprechen. Ihr vorgeschriebener Mindestquerschnitt beträgt 30/50 mm.


      Mehr zum Thema Dach findest du in der Übersicht


      Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für baustoffwissen.de. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin "baustoffmarkt" und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift "baustoffpraxis". Kontakt: rgrimm1968@aol.com