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Welche Vorteile haben Mauerwerkziegel mit integriertem Dämmstoff?

Mauerwerkziegel mit integriertem Dämmstoff gibt es erst seit der Jahrtausendwende, aber die innovativen Produkte sind im modernen Wohnungsneubau bereits zum Standard geworden. Was ist der größte Vorteil dieser gefüllten Ziegel? Sie haben eine bessere Wärmedämmung – möchte man ausrufen. Aber ganz so einfach ist die Sache dann doch nicht. Denn es gibt auch ungefüllte Ziegel mit ähnlich hohem Wärmeschutz.

Verarebeitung von Planziegeln

Mauerziegel mit Dämmstofffüllung sind aus dem modernen Wohnungsneubau kaum noch wegzudenken. Foto: Unipor

Im Jahr 2000 kamen die ersten Mauerziegel mit Dämmstoff-Füllung auf den Markt. Dabei handelte es sich um Lochziegel, bei denen der Hersteller die Hohlräume mit granuliertem Perlit verfüllt hatte. Ein paar Jahre später hatten auch andere Hersteller solche Produkte im Programm, wenn auch mit anderen Dämmstoffen wie z. B. Mineralwolle oder Mineralwolle-Granulat. Heute erreichen gefüllte Ziegel Wärmeleitfähigkeiten von 0,08 W/mK, Spitzenmodelle kommen sogar auf 0,07 W/mK. Je geringer die Wärmeleitfähigkeit, desto höher ist die Wärmedämmung des Baustoffs. Zum Vergleich: Beim Dämmstoff Mineralwolle liegt der Spitzenwert derzeit bei 0,03 W/mK.

 



    • Luft als Dämmstoff

      In den letzten Jahren haben nun einige Hersteller Ziegelmauerwerksteine auf den Markt gebracht, die ebenfalls die niedrige Wärmeleitfähigkeit von 0,08 W/mK erreichen, obwohl sie keinen Dämmstoff enthalten. Diese Produkte zeichnen sich durch ein sehr filigranes Lochbild aus (siehe Foto). Sie enthalten viele kleine Hohlkammern, die durch extrem dünne Stege voneinander getrennt sind. Man könnte auch sagen: Das Ziegelmaterial wurde hier auf ein Minimum reduziert, die Steine bestehen zu einem erheblichen Teil aus Luft.

      Dass diese ungefüllten Steine kaum schlechter beim Wärmeschutz abschneiden, mag im ersten Moment überraschen. Aber eigentlich ist es logisch: Je poröser und damit leichter das Mauerwerk ist, desto besser ist in der Regel seine Wärmedämmung. Der ungefüllte Ziegel enthält im vermauerten Zustand viel eingeschlossene Luft. Und die hat nur eine Wärmeleitfähigkeit von 0,0262 W/(mK).

Ziegel mit integriertem Perlit

Ziegel mit integriertem Perlit läuteten im Jahr 2000 das Zeitalter der gefüllten Mauerwerksteine ein. Foto: Deutsche Poroton

Vom Vollstein zum Lochziegel

Bevor die Industrie auf die Idee kam, Ziegel mit Dämmstoff zu füllen, hatte sie bereits das Prinzip entdeckt, die Wärmedämmung durch Luftporen zu erhöhen. Um das zu verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, dass der Jahrtausende alte Baustoff Ziegel die längste Zeit seiner Geschichte alles andere als ein poröser Baustoff war. Noch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein gab es nur den so genannten Backstein, ein dichter Vollstein ohne Luftporen oder gar Lochbilder.

 

Entsprechend konnten Ziegel auch nicht als Baustoffe mit guter Wärmedämmung bezeichnet werden. Das änderte sich erst in den 1970er-Jahren, als unter dem Markennamen „Poroton“ die ersten porosierten Lochziegel auf den Markt kamen. Den Poreneffekt erreicht man seitdem dadurch, dass zu den Ziegel-Grundbestandteilen Ton, Lehm, Sand und Wasser noch Stoffe wie Styropor oder Sägespäne beigemengt werden. Diese verbrennen zwar vollständig im Ziegelofen, hinterlassen aber unzählige Mikroporen im Material. Die Luftporen im Material haben zusammen mit den modernen Lochbildern dazu geführt, dass Mauerwerkziegel heute auch ohne Dämmstofffüllung einen erstaunlichen Wärmeschutz bieten.

Ungefüllter Mauerwerkszielgel

Heute erreichen auch ungefüllte Ziegel mit ihrem filigranen Lochbild hervorragende Wärmedämmeigenschaften. Foto: Deutsche Poroton

Vorteile gefüllter Ziegel

Man kann sich nun natürlich fragen, was beim Hausbau überhaupt für gefüllte Ziegel spricht, wo es doch ungefüllte Varianten gibt, die in Sachen Wärmedämmung locker mithalten können und zudem preislich günstiger angeboten werden. Ein Hauptargument ist hier das Thema Schallschutz. Dämmstoff-Ziegel schneiden hier deutlich besser ab als ungefüllte Steine mit einer vergleichbaren Wärmedämmleistung. Für Gebäude, bei denen erhöhte Schallschutzanforderungen gelten, also zum Beispiel im Geschosswohnungsbau, sind ungefüllte Wärmedämmziegel daher ungeeignet. Hinzu kommt, dass diese Produkte wegen ihrer dünnen Stege auch weniger druckfest und damit statisch weniger belastbar sind.

Die dünnen Stege der ungefüllten Ziegel können auch zu Nachteilen beim Verputzen der Außenwände führen. Führende Ziegelhersteller haben uns auf Nachfrage bestätigt, dass das Risiko von Putzrissen steigt, je dünner die Außenstege sind. Bei solchen Produkten empfiehlt sich deshalb der Einsatz eines gewebearmierten Putzes, der allerdings vergleichsweise teuer ist. Last but not least haben die gefüllten Ziegel noch einen weiteren Vorteil: Wegen ihrer breiteren Stege bieten sie bessere Befestigungsmöglichkeiten an der Hausfassade. Das kann zum Beispiel für die Montage einer Markise durchaus wichtig sein.