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Was ist serielles Sanieren?

Eine kostengünstige Sanierung von Mehrfamilienhäusern in nur wenigen Tagen? Das klingt unglaublich, ist aber das Ziel der Initiative „Energiesprong Deutschland“, die hierzulande das serielle Sanieren voranbringen möchte. Unter Federführung der Deutschen Energie-Agentur entwickeln Bau- und Immobilienunternehmen vorgefertigte Standard-Elemente, die effektive Komplettsanierungen ermöglichen sollen.

Serielle Sanierung von Reihenhäusern in Arnhem (Niederlande). Foto: Energiesprong International

Serielle Sanierung von Reihenhäusern in Arnhem (Niederlande). Foto: Energiesprong International

Über den Trend zum seriellen Bauen haben wir auf baustoffwissen.de bereits in einem eigenen Beitrag informiert. Zur Erinnerung: Anstatt dass man jeden Wohnneubau als Unikat plant und ihn auf der Baustelle „Stein für Stein“ errichtet, werden bei der seriellen Bauweise Gebäude oder Gebäudeteile zunächst als Prototypen entworfen und zugelassen, um sie dann später in Serie bauen. Einzelne Module können dabei im Werk vorgefertigt und auf der Baustelle nur noch zusammengefügt werden. Ziel ist ein schneller, günstiger Neubau, um den Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu beseitigen.

Während sich der serielle Neubau hierzulande schon langsam von der bloßen Theorie zur Praxis entwickelt – bei vielen Praxisbeispielen handelt es sich bisher übrigens um Flüchtlingsunterkünfte – schwappt nun bereits der nächste Trend nach Deutschland: das serielle Sanieren von Bestandsgebäuden. Dadurch soll endlich der Sanierungsstau im Hausbereich aufgelöst werden.



    • Vorbild Niederlande

      Impression von einer Energiesprong-Baustelle im niederländischen Zoetermeer. Foto: dena

      Impression von einer Energiesprong-Baustelle im niederländischen Zoetermeer. Foto: dena

      Der Trend stammt aus den Niederlanden. Dort wurden in den letzten Jahren zahlreiche Reihenhäuser innerhalb weniger Tage nach dem so genannten „Energiesprong“-Konzept saniert (auf Deutsch: Energiesprung). Die Deutsche Energie-Agentur (dena) nimmt nun dieses niederländische Vorbild zum Anlass, um zu prüfen, ob serielles Sanieren nicht auch in Deutschland funktionieren könnte. Dafür hat die dena zusammen mit Bauunternehmen, Wohnungsgesellschaften, den Experten der Non-Profit-Organisation Energiesprong und dem Bundeswirtschaftsministerium die Initiative „Energiesprong Deutschland “ gegründet.

      Im Rahmen des gemeinsamen Projekts „Serielle Sanierung von Mehrfamilienhäusern“ wollen die Partner in den nächsten Jahren unterschiedliche Gebäude-Prototypen mithilfe von vorgefertigten Elementen sanieren. Ziel ist es nicht zuletzt, den bei Sanierungen bisher sehr hohen Anteil handwerklicher Arbeit auf der Baustelle zu reduzieren. Das soll zu deutlichen Kostenreduzierungen führen. Außerdem soll der zeitliche und finanzielle Aufwand für Gebäudesanierungen besser planbar werden. Dadurch könnten Hausbesitzer künftig eher bereit sein, in die Modernisierung ihrer Immobilie zu investieren.

      Dreijähriges Projekt

      Die dena will mit dem auf drei Jahre angelegten Projekt nach eigener Aussage „innovative Wohnungsgesellschaften mit smarten Bauunternehmen verbinden“. Sie sollen gemeinsam serielle Sanierungslösungen für Mehrfamilienhäuser entwickeln und erproben, die sich nicht nur durch vergleichsweise niedrige Kosten und eine kurze Sanierungsdauer von bisherigen Angeboten abheben, sondern darüber hinaus auch eine langfristig hohe Qualität und ein ansprechendes Design garantieren.

      Hoher Vorfertigungsgrad: Fassadenelemente für eine serielle Sanierung. Foto: dena

      Hoher Vorfertigungsgrad: Fassadenelemente für eine serielle Sanierung. Foto: dena

      Geplant ist, dass die Gebäude nach der Sanierung den energetischen Standard eines Nullenergiehauses erreichen. Sie müssen dann also im Jahresdurchschnitt genauso viel Energie erzeugen – zum Beispiel durch Solarmodule – wie die Bewohner für Raumwärme, Warmwasser und Strom verbrauchen. Die angestrebten seriellen Sanierungslösungen sollen so funktionieren, dass die Arbeit auf der Baustelle selbst nur noch drei bis maximal zehn Tage dauert. Erreichen will man das durch einen hohen Vorfertigungsgrad bei den eingesetzten Sanierungselementen. Für Mieter soll die Sanierung zudem nicht zu höheren Warmmieten führen. Stattdessen sollen sich die Maßnahmen komplett durch Einsparungen bei den Heiz- und Stromkosten refinanzieren.

      Das alles klingt nach einem sehr anspruchsvollen Konzept. Man darf also gespannt sein auf die Lösungen, die Energiesprong Deutschland in den nächsten Jahren für die serielle Sanierung von Mehrfamilienhäusern entwickelt. Mut machen die bisherigen Erfahrungen in den Niederlanden. Dort wird bei Energiesprong-Sanierungen mittlerweile regelmäßig der Nullenergiestandard erreicht. Zugleich sind die Sanierungskosten deutlich gesunken und die Maßnahmen-Dauer sank von anfangs etwa zwei Wochen auf mittlerweile nur noch wenige Tage.


      Mehr zum Thema Massivbau findest du in der Übersicht


      Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für baustoffwissen.de. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin "baustoffmarkt" und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift "baustoffpraxis". Kontakt: rgrimm1968@aol.com