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Was sind Kimmsteine?

Gebäudemauerwerk wird auf Fundamenten, Bodenplatten oder Decken errichtet. Baubedingt sind diese Untergründe meist nicht hundertprozentig eben. Es ist daher notwendig, die Unebenheiten auszugleichen – nur so lassen sich lotrechte Wände mauern. Eine einfache Lösung dieses Problems besteht darin, für die erste Mauerwerksschicht am Wandfuß so genannte Kimmsteine zu verwenden.

Variante Kalksandstein: Der Kimmstein wird in Normalmörtel gebettet – darunter liegt eine Dichtungsbahn. Foto: Xella

Variante Kalksandstein: Der Kimmstein wird in Normalmörtel gebettet – darunter liegt eine Dichtungsbahn. Foto: Xella

Um einen ebenen Untergrund sicherstellen, werden Gebäudewände auf einer Ausgleichsschicht errichtet. Man spricht auch von der Kimmschicht. In vielen Fällen genügt es, diese Ausgleichsschicht lediglich aus Normalmörtel herzustellen. Wichtig ist dabei eine ausreichende Schichtstärke, damit genügend „Spiel“ vorhanden ist, um Unebenheiten auszugleichen und das Mauerwerksfundament in Längs- und Querrichtung absolut eben gestalten zu können.

In der Regel wird der Mörtel daher in Stärken zwischen 1 und 3 cm aufgetragen, an manchen Stellen sogar bis zu 5 cm. Zum Vergleich: Beim Mauern mit Dünnbettmörtel sind nur Schichtstärken zwischen 1 und 3 mm (!) üblich. Für die Herstellung der Kimmschicht ist außerdem Mörtel mit hoher Druckfestigkeit notwendig, schließlich lastet auf ihr das Gewicht der ganzen Wand. Erlaubt sind daher nur Normalmörtel der Mörtelgruppe III. Diese bestehen hauptsächlich aus Zement und Sand, wobei das Mischungsverhältnis 1:4 ist. Auf einen Teil Zement kommen also vier Teile Sand.



    • Kimmschicht und Kimmsteine

      Wie gesagt: Prinzipiell lässt sich eine Kimmschicht ausschließlich mit Mörtel herstellen. Insbesondere bei Mauerwerk aus schweren, großformatigen Plansteinen verwendet man aber darüber hinaus meist auch so genannte Kimmsteine. Durch sie wird die Kimmschicht noch einmal deutlich druckfester.

      Praktisch jeder Mauerwerkhersteller führt eigene Kimmsteine im Sortiment. Es gibt sie also für alle Steinsorten – egal ob Kalksandstein, Ziegel, Porenbeton oder Leichtbeton. Es handelt sich um vergleichsweise flache Steine, die speziell für die Ausbildung der Kimmschicht am Wandfuß entwickelt wurden. Man kann mit ihnen aber auch einen Höhenausgleich am Wandkopf mauern.

      Dünnbettmauerwerk

      Gebäudewände bestehen heute oft aus großformatigen Plansteinen, die ein schnelles, effektives Mauern ermöglichen und die sich aufgrund ihrer plan geschliffenen Oberflächen mit Dünnbettmörtel verarbeiten lassen. Dieser wird – wie oben schon erwähnt – nur in sehr geringen Stärken von 1 bis 3 mm aufgetragen, sodass die Lagerfugen zwischen den einzelnen Steinlagen extrem schmal ausfallen. Der Mörtel hat dann im Grunde nur die Funktion eines Klebers und kann nicht mehr zum Ausgleich von Unebenheiten genutzt werden.

      Ein Höhenausgleich zwischen den einzelnen Steinlagen ist bei Planmauerwerk aber auch nicht notwendig, da die Steine exakt maßhaltig sind und sehr ebene Oberflächen aufweisen. Trotzdem entsteht auch mit Plansteinen keine lotrechte Wand, wenn der Untergrund Unebenheiten aufweist. Deshalb ist die Kimmschicht bei Dünnbettmauerwerk besonders wichtig. Was am Wandfuß „schief läuft“, ist mit den nachfolgenden Steinschichten eben nicht mehr ausgleichbar.

      Verarbeitung von Kimmsteinen

      Passend für Planziegelmauerwerk: Unipor bietet dämmstoffgefüllte Kimmziegel für unterschiedliche Wanddicken. Foto: Unipor

      Passend für Planziegelmauerwerk: Unipor bietet dämmstoffgefüllte Kimmziegel für unterschiedliche Wanddicken. Foto: Unipor

      Die Kimmsteine werden auf der 1 bis 3 cm dicken Mörtelschicht verlegt. Unter den Mörtel kommt oft noch eine Dichtungsbahn oder eine Dichtungsschlämme, um das Mauerwerk vor aufsteigender Feuchtigkeit zu schützen. Für die Verlegung der Steine spannt der Verarbeiter in der Regel eine Richtschnur auf, die ihm als optische Hilfe dient, um ein gleichbleibendes Höhenniveau der Steine zu kontrollieren. Die einzelnen Kimmsteine legt er in das Mörtelbett und klopft dann mithilfe eines Gummihammers solange auf ihre Oberseite, bis die passende Höhe erreicht ist. Nach Fertigstellung der Ausgleichsschicht empfiehlt sich eine Wartezeit von einem Tag, um dem Mörtel Gelegenheit zum Aushärten zu geben. Erst dann sollte der Verarbeiter mit dem Aufmauern der Wand fortfahren.

      Wie man Kimmsteine fachgerecht verarbeitet, könnt ihr euch zum Beispiel auf der Website des Baustoffherstellers Xella anschauen, zu dessen Portfolio unter anderem die Marken Ytong (Porenbeton) und Silka (Kalksandstein) gehören. Entsprechende Xella-Videos findet ihr hier.

      Wärmedämmende Kimmschichten

      Je nach Material können Kimmsteine auch dazu beitragen, Wärmebrücken zwischen Mauerwerk und Fundament beziehungsweise Geschossdecke zu minimieren. Steine aus Leichtbeton oder Porenbeton verfügen bereits von Natur aus über eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit. Manche Ziegelhersteller bieten Kimmsteine mit Dämmstofffüllungen.

      Und was ist mit Kalksandstein? Das Material steht ja für hohen Schallschutz und eine gute Wärmespeicherfähigkeit, kann aber normalerweise nicht mit einer guten Wärmedämmung punkten. Doch die Kalksandsteinindustrie hat sich etwas ausgedacht. Es gibt nämlich Kimmsteine aus Kalksandstein, die durch die Beimischung von Leichtzuschlägen wärmetechnisch optimiert wurden.


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      Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für baustoffwissen.de. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin "baustoffmarkt" und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift "baustoffpraxis". Kontakt: rgrimm1968@aol.com