Erstellt am

Brandschutz: Was ist Vermiculit?

Vermiculit ist ein weltweit relativ selten vorkommendes vulkanisches Gestein, das über viele positive Eigenschaften verfügt. In thermisch expandierter Form bezeichnet man das Mineral auch als Blähglimmer und verwendet es zur Herstellung von Baustoffen – wenn auch nur in einem Nischenmarkt. Vor allem beim baulichen Brandschutz punkten Produkte aus Vermiculit.

Vermiculit-Platten stehen für einen sehr guten Brandschutz. Foto: Techno Physik

Vermiculit-Platten stehen für einen sehr guten Brandschutz. Foto: Techno Physik

Chemisch betrachtet handelt es sich bei Vermiculit um ein Schichtsilikat mit leicht spaltbarer Kristallstruktur, das zu den Tonmineralen gehört. Das von der Baustoffindustrie genutzte Gestein wird vor allem in Südafrika und in den USA abgebaut. Um das Material zu expandieren, wird es in kurzer Zeit auf etwa 1.000 °C erhitzt. Dadurch verdampft das eingeschlossene Wasser schlagartig und das Vermiculit bläht sich um ein Vielfaches seiner ursprünglichen Größe auf. Dabei bildet sich eine hohlraumreiche, fächerartige Struktur mit wurmartiger Form. Letzteres hat zu dem Namen des Gesteins geführt, der sich vom lateinischen Wort für „kleiner Wurm“ ableitet (vermiculus).



    • Vermiculit-Platten

      Expandiertes Vermiculit enthält keinerlei brennbare Bestandteile und wird daher der Baustoffklasse A1 nach DIN 4102 zugeordnet. Das Material schmilzt außerdem erst bei einer Temperatur von 1.315 °C. Diese Eigenschaften prädestinieren Vermiculit als idealen Werkstoff für den baulichen Brandschutz. Dafür wird der Rohstoff meist zu Dämmplatten weiterverarbeitet, die man dann beispielsweise zur Beplankung von Lüftungs- oder Kabelkanälen im Gebäudebereich verwendet. Die große Feuer- und Hitzebeständigkeit solcher Baustoffe zeigt sich nicht zuletzt daran, dass Vermiculit-Formteile auch zur feuerseitigen Dämmung in Öfen und Kaminen oder zur Isolation von Nachtspeicherheizungen zum Einsatz kommen.

      Verarbeitung von papierkaschierten Vermiculit-Platten der Marke „Miprotec M“. Foto: Techno Physik

      Verarbeitung von papierkaschierten Vermiculit-Platten der Marke „Miprotec M“. Foto: Techno Physik

      Aber auch für ganz normale Trockenbauwände mit Stahlprofil-Unterkonstruktion eignen sich Vermiculit-Platten. Der Essener Hersteller Techno Physik bietet zum Beispiel die papierkaschierten „Miprotec M“-Platten an, die sich wie Gipskartonplatten verarbeiten lassen. Wegen des Papieranteils erreichen diese Platten zwar nicht die allerhöchste Baustoffklasse, aber immerhin noch eine sehr gute A2-Klassifizierung („nicht brennbar“).

      Die Einsatzmöglichkeiten der Miprotec-Platten gehen im Übrigen weit über die Beplankung von Metallständerwänden hinaus. Auch Holzbalkendecken und -dächer lassen sich damit bis zu einer Feuerwiderstandsdauer von 90 Minuten (F90) ertüchtigen. Aufgrund ihrer beidseitigen Papierkaschierung kann man die Platten zudem direkt endbeschichten – etwa mit Tapeten oder Farbanstrichen.

      Schüttgut und Einblasdämmung

      Doch nicht nur in Plattenform, sondern auch als loses Granulat wird Vermiculit im Bauwesen verwendet: zum Beispiel als Schüttgut im Garten- und Landschaftsbau, zum Höhenausgleich bei der Fußbodensanierung oder als Einblasdämmung im Dach- und Fassadenbereich. Weiterhin findet das vulkanische Material Verwendung als Zuschlagstoff für Leichtbeton (Vermiculitbeton) oder Leichtputz.

      Die Wärmeleitfähigkeit von Vermiculit liegt übrigens bei etwa 0,07 W/mK. Das ist – verglichen mit Hochleistungsdämmstoffen – relativ hoch. Wer sich für Vermiculit entscheidet, tut das also in der Regel nicht vorrangig wegen der Wärmeisolierung, sondern eher wegen der Kombination aus ordentlichem Wärmeschutz und herausragendem Brandschutz. Und vielleicht auch, weil es ein natürlicher, umweltfreundlicher und wohngesunder Baustoff ist.

      Überzeugende Eigenschaften

      Vermiculit direkt nach dem Abbau (schwarz) und in expandierter Form (hell). Foto: Techno Physik

      Vermiculit direkt nach dem Abbau (schwarz) und in expandierter Form (hell). Foto: Techno Physik

      Expandiertes Vermiculit lässt sich sogar problemlos kompostieren. Wegen seiner Porosität ist es saugfähig und kann viel Wasser zwischenspeichern. Deshalb wird das Gesteinsgranulat übrigens auch als Pflanzsubstrat in der Hydrokultur eingesetzt oder Gartenerde beigemischt. Zugleich ist das Material selbst absolut feuchteresistent. Wasser kann Vermiculit nichts anhaben. Auch das ist natürlich ein großer Vorteil beim Einsatz im Baustoffbereich. Vermiculit ist zudem alterungsbeständig sowie resistent gegen Säuren, Laugen, Fäulnis, Schimmel, Ungeziefer und Nagetiere.


      Mehr zum Thema Trockenbau findest du in der Übersicht


      Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für baustoffwissen.de. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin "baustoffmarkt" und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift "baustoffpraxis". Kontakt: rgrimm1968@aol.com