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Gut zu wissen

Schwanger in der Ausbildung - was ist zu beachten?

Was passiert, wenn du während der Ausbildung schwanger wirst? Nun, grundsätzlich gelten die gleichen Vorschriften, wie für alle anderen schwangere Arbeitnehmerinnen, d.h. es sind vor allem die zum Schutz der werdenden Mutter nach dem Mutterschutzgesetz bestehenden Regeln zu beachten:
baustoffwissen.de: Schwanger

Erfährt eine Bewerberin noch während der Lehrstellensuche von ihrer Schwangerschaft, stellt sich zunächst die Frage: Muss sie den Betrieb, bei dem sie sich bewirbt, über die Schwangerschaft informieren? Antwort: Nein, nach der Rechtsprechung muss nur auf zulässige Fragen wahrheitsgemäß geantwortet werden. Selbst wenn sich der Ausbilder erkundigt, ob eine Schwangerschaft vorliegt, darf sie lügen. Etwas anderes gilt nur dann, wenn der angestrebte Ausbildungsberuf für Schwangere ungeeignet ist. In diesem Fall kann der Ausbildungsvertrag wegen Täuschung erfolgreich angefochten werden. Bewirbt sich die Schwangere zum Beispiel für eine körperlich schwere Arbeit in der Produktion, dann läuft sie Gefahr, dass der Ausbildungsbetrieb erfolgreich gegen den Vertrag vorgeht.

Wird die Azubi während der Ausbildung schwanger, ist der Ausbilder unverzüglich und am besten schriftlich darüber zu informieren. Der Betrieb kann als Beleg für den voraussichtlichen Geburtstermin ein ärztliches Attest verlangen. Die Kosten dafür muss allerdings er tragen. Über die Schwangerschaft darf der Ausbilder den Betriebsrat, den Werkschutz und die zuständige Aufsichtsbehörde, in der Regel die IHK, informieren. Ansonsten sind er und jede dieser Stellen zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Kündigungsschutz
Einer schwangeren Azubi darf während der Schwangerschaft und vier Monate nach der Geburt des Kindes nicht gekündigt werden. War dem Ausbilder die Schwangerschaft nicht bekannt, ist er innerhalb von zwei Wochen nach der Kündigung darüber zu unterrichten. Hält er die Kündigung trotz Schwangerschaft aufrecht, kann sich die Azubi an die zuständige Aufsichtsstelle wenden. Diese ist dem Ausbildungsvertrag zu entnehmen.

Verbot körperlich schwerer Tätigkeiten
Folgende Beschäftigungen sind für schwangere Azubis generell verboten:
• Nach dem fünften Monat der Schwangerschaft darf die Azubi nicht mehr als vier
Stunden täglich stehen.
• Verboten sind Arbeiten, bei denen die Azubi mit Strahlen, Staub, Gase oder Dämpfen
in Berührung kommt.
• Arbeiten, bei denen sie sich oft strecken, bücken oder hocken muss.
• Arbeiten, durch die sie Hitze, Kälte, Nässe, Erschütterungen oder Lärm ausgesetzt
ist.
• Akkord- und Fließbandarbeit dürfen weder Schwangere noch stillende Mütter übernehmen.
• Das Bedienen von Geräten und Maschinen mit den Füßen.

Daneben kann der Ausbilder verpflichtet sein, die Schwangere auch von anderen Tätigkeiten zu befreien. Dies ist der Fall, wenn der Arzt ein entsprechendes Attest ausstellt.

Für werdende und stillende Mütter ist die tägliche Arbeitszeit auf achteinhalb Stunden begrenzt. Ist die Azubi unter 18 Jahre, darf sie maximal acht Stunden pro Tag arbeiten. Auch Nachtarbeit zwischen 20:00 und 06:00 Uhr sowie der Einsatz an Sonn- und Feiertagen sind für schwangere Azubis verboten.

Für Arztbesuche oder das Stillen des Kindes ist die Azubi freigestellt, ohne diese Zeit nacharbeiten zu müssen.

Die Mutterschutzfrist
Die Frist beginnt sechs Wochen vor dem voraussichtlichen Geburtstermin und endet acht Wochen nach der Entbindung. In der Mutterschutzfrist ist die Schwangere ganz von der Ausbildung befreit. In den sechs Wochen vor der Geburt darf die Auszubildende weiterarbeiten, wenn sie es möchte. Das kann sinnvoll sein, um Fehlzeiten auszugleichen und die Zulassung zur Abschlussprüfung nicht zu gefährden.

Nach der Geburt besteht dieses Wahlrecht nicht mehr. Die Azubi muss acht Wochen lang mit der Ausbildung aussetzen. Eine Ausnahme gibt es für die Prüfungen. Da sie nicht Teil des Arbeitsverhältnisses sind, darf die junge Mutter auch in den acht Wochen nach der Geburt ihre Abschlussprüfungen absolvieren.

Erziehungszeit statt Lehrzeit
Kommt das Kind während der Ausbildung zur Welt, so können Mutter oder Vater in die Erziehungszeit, also Erziehungsurlaub gehen. In dieser Zeit ruht das Ausbildungsverhältnis, wodurch sich die Lehre um die Erziehungszeit verlängert. Zusammen stehen Mutter und Vater drei Jahre Erziehungszeit zu. Sie können selbst entscheiden, wie sie diese 36 Monate untereinander aufteilen und ob sie die Zeit ganz ausschöpfen. Die Elternzeit muss nicht am Stück genommen werden, sondern kann in bis zu vier Abschnitte aufgeteilt werden. Während der Elternzeit darf der Azubi nicht gekündigt werden. Allerdings bekommt sie auch keine Ausbildungsvergütung oder Berufsausbildungsbeihilfe.

Finanzielle Hilfen
Das Mutterschaftsgeld wird während der Mutterschutzfrist gezahlt (sechs Wochen vor der Geburt und acht Wochen danach). Es ist so hoch wie die durchschnittliche Vergütung während der Ausbildung. Liegt diese unter 375 Euro pro Monat, muss die Azubi lediglich einen Antrag bei seiner Krankenkasse stellen. Ist die Ausbildungsvergütung höher, zahlt auch der Ausbilder einen Zuschuss zum Mutterschaftsgeld.

Anspruch auf Übernahme?
Die Ausbildung endet mit bestandener Abschlussprüfung. Einen Anspruch auf Übernahme in den Betrieb hat die Azubi nicht, da der Ausbildungsvertrag von Anfang an befristet war. Etwas anderes gilt, wenn die Azubi mit ihrem Ausbilder die Übernahme in ein Arbeitsverhältnis vereinbart hat. Dann ändert auch die Schwangerschaft an dieser Vereinbarung nichts.

Nachschlagen im Internet
Das Mutterschutzgesetz (PDF) ist auf dieser Seite des Bundesjustizministeriums einzusehen.

Quelle: Newsletter AG Aus- und Weiterbildung, 1/2008
 

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