RM Rudolf Müller
Bitumenfreie Dickbeschichtung zur erdberührten Abdichtung von Kellern und Fundamenten. Foto: Saint-Gobain Weber

Bitumenfreie Dickbeschichtung zur erdberührten Abdichtung von Kellern und Fundamenten. Foto: Saint-Gobain Weber

Bauchemie
11. Januar 2018 | Artikel teilen Artikel teilen

Was sind FPD-Abdichtungen?

Flüssigabdichtungen für Kellerwände basierten früher meist auf dem Bindemittel Bitumen. Doch die klassische Bitumen-Dickbeschichtung hat Konkurrenz bekommen. Seit ein paar Jahren erobern so genannte FPD-Abdichtungen den Markt. Die Abkürzung steht für flexible polymere Dickbeschichtung. Unser Beitrag erklärt, was das ist.

Keller müssen vor Feuchtigkeit aus dem angrenzenden Erdreich geschützt werden. Die grundsätzlichen Abdichtungstechniken haben wir auf baustoffwissen.de bereits in einem früheren Beitrag erläutert. In diesem Artikel wurden drei Varianten unterschieden: schwarze Wanne, weiße Wanne und K-Wanne. Bei den beiden Letztgenannten handelt es sich um Kellerabdichtungen, die nicht mit flüssigen, sondern mit festen Materialien durchgeführt werden.

Bei der weißen Wanne bestehen Kellerwände und Bodenplatte aus wasserundurchlässigem Beton (WU-Beton), der eine zusätzliche Abdichtung von außen überflüssig macht. Bei der K-Wanne erfolgt der Feuchtigkeitsschutz durch elastische Kunststoffbahnen, mit denen man die erdberührten Bauteile quasi „einpackt“.

Feste oder flüssige Abdichtung

Die schwarze Wanne wiederum wird mit Bitumenbaustoffen durchgeführt. Das Bindemittel Bitumen gewinnt man aus Erdöl, und es ist genauso schwarz wie dieses – daher der Name. Die schwarze Wanne gibt es in zwei Varianten: Einerseits kann man die Abdichtung mit festen Bitumenbahnen realisieren, andererseits gibt es flüssige Bitumendickbeschichtungen. Die meisten schwarzen Wannen im Wohnungsbau werden heute nicht mit Bitumenbahnen, sondern mit Flüssigabdichtungen ausgeführt. Dabei kommen insbesondere kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen (KMB) zum Einsatz.

Mit oder ohne Bitumen

Ob nun kunststoffmodifiziert oder nicht: Die flüssigen Dickbeschichtungen enthielten früher grundsätzlich Bitumen als Bindemittel. Das aber verändert sich gerade zunehmend. Seit ein paar Jahren erobern nämlich bitumenfreie Flüssigabdichtungen den Markt. Sie lassen sich unter dem Oberbegriff FPD-Abdichtungen zusammenfassen (flexible polymere Dickbeschichtungen). Häufig bezeichnet man sie auch als mineralische Dickbeschichtungen, wodurch ebenfalls der Gegensatz zur Bitumendickbeschichtung betont wird. FPD-Abdichtungen bestehen in der Regel aus Zementmörtel, dem man dichtende Kunststoffzusätze beimischt. Die Vorteile dieser neuen Produktgattung wollen wir im Folgenden etwas genauer beleuchten.

Vorteile von FPD-Abdichtungen

Die bitumenfreie Abdichtung „Barraseal Turbo“ ist bereits nach vier Stunden regenfest. Foto: PCI

Die bitumenfreie Abdichtung „Barraseal Turbo“ ist bereits nach vier Stunden regenfest. Foto: PCI

Bitumenfreie Dickbeschichtungen punkten vor allem mit Vorteilen bei der Verarbeitung. Sie sind weniger klebrig und zäh als bituminöse Flüssigabdichtungen und lassen sich daher einfacher aus dem Gebinde entnehmen und auf die Kellerwände auftragen. Vor allem aber härten die Produkte deutlich schneller aus, sodass ein zügiger Baufortschritt möglich wird. Bei herkömmlichen Bitumendickbeschichtungen muss man nach dem Auftrag normalerweise mindestens zwei Tage warten bis das Material komplett durchgetrocknet ist und die nächsten Arbeitsschritte erfolgen können. Bei feucht-kalter Witterung dauert es sogar noch länger. Mit FPD-Produkten geht es viel schneller.

Ein Beispiel: Die bitumenfreie Abdichtung „Barraseal Turbo“ von PCI ist nach Herstellerangaben bereits nach etwa vier Stunden regenfest, schon nach drei Stunden darf der Verarbeiter Dämmplatten auf der Abdichtungsoberfläche fixieren. Nach sechs Stunden ist ein Verfüllen der Baugrube möglich. Der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, dass die genannten PCI-Zahlen zur Abbindezeit des Produkts bei einer Außentemperatur von 23 °C und 50 % relativer Luftfeuchtigkeit gelten. Bei schlechteren Witterungsverhältnissen dauert die Durchtrocknung also länger. Trotzdem bleibt ein großer Zeitvorteil gegenüber bituminösen Flüssigabdichtungen. Der Baufortschritt wird nicht mehr um Tage, sondern nur noch um Stunden verzögert.

Ein weiterer Vorteil der flüssigen Dickbeschichtungen auf Kunststoff-Zement-Basis ist, dass sie meist einfach überputzbar sind. Während typischer Fassaden-Sockelputz auf einer herkömmlichen Bitumendickbeschichtung keinen Halt finden würde, ist das bei den FPD-Produkten in der Regel kein Problem. Diese Materialeigenschaft erleichtert die gewerkeübergreifende Baustellenarbeit in Fällen, bei denen sich nach dem Verfüllen der Baugrube herausstellt, dass die zuvor realisierte Kellerabdichtung ein Stück oberhalb der Geländeoberkante endet, also ein wenig in den Sockelbereich hineinragt. Der für die Fassade zuständige Verarbeiter muss diese überlappende Abdichtungsschicht dann nicht mehr umständlich entfernen, sondern kann sie einfach überputzen.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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