RM Rudolf Müller
Auch Fließbettmörtel wird noch mit der Zahnkelle an der richtigen Stelle verteilt. Fotos: PCI

Auch Fließbettmörtel wird noch mit der Zahnkelle an der richtigen Stelle verteilt. Fotos: PCI

Bauchemie
08. Mai 2018 | Artikel teilen Artikel teilen

Was ist Fließbettmörtel?

Unter Fließbettmörtel versteht man besonders dünnflüssigen Mörtel zur Verlegung von Fliesen und Platten im Bodenbereich. Welche Vorteile diese noch relativ neue Produktart hat und in welchen Bereichen man sie vor allem einsetzt, verrät der folgende Beitrag.

Nicht nur im Mauerwerksbau, sondern auch bei der Fliesen- und Natursteinverlegung im Bodenbereich verwendet man heute überwiegend Dünnbettmörtel. Im Vergleich zur früher geläufigen Dickbettverlegung geht das einfach schneller und materialsparender. Aufgrund der sehr geringen Schichtdicke – in der Regel nur 2 bis 6 mm – wird viel weniger Mörtel verbraucht als bei einem Dickbett mit 15 bis 30 mm Schichtdicke.

Zugleich benötigt man natürlich auch weitaus weniger Anmachwasser. Das ist gut für einen raschen Baufortschritt, da geringere Trocknungszeiten anfallen. Bei Natursteinen kommt es außerdem seltener zu Ausblühungen, denn diese werden ja durch Wasser an die Belagsoberfläche transportiert.

Dünnbett – Dickbett – Mittelbett

Auf einen Vorteil der traditionellen Dickbettverlegung muss man beim modernen Dünnbettverfahren aber verzichten: Aufgrund der geringen Schichtdicke lassen sich Unebenheiten des Untergrundes nicht mit dem Klebemörtel selbst ausgleichen. Ist der Untergrund nicht glatt genug, muss der Verarbeiter die Bodenunebenheiten vorab mit Spachtelmassen ausgleichen. Das ist aufwändig und relativiert letztlich einen der Hauptvorteile des Dünnbettverfahrens: die schnelle Verarbeitung.

Alternativ kann der Handwerker dann doch zu einem Dickbettmörtel greifen, oder er entscheidet sich für eine Mittelbettverlegung. Das ist ein Kompromiss, bei dem die Kleberschicht meist zwischen 8 und 15 mm dick ist. Dieses Verfahren verbraucht mehr Mörtel und Anmachwasser als die Dünnbettvariante, aber dafür lassen sich zumindest kleinere Unebenheiten noch gut ausgleichen.

Alternative Fließbettmörtel

Der Flexmörtel S1 Flott von PCI wurde speziell für Großformate am Boden entwickelt und lässt sich auch als Fließbettmörtel einstellen.

Der Flexmörtel S1 Flott von PCI wurde speziell für Großformate am Boden entwickelt und lässt sich auch als Fließbettmörtel einstellen.

Doch es gibt noch eine andere Kompromisslösung: die Verwendung von Fließbettmörtel. Bei diesem noch relativ neuen Produkttyp wird das Mörtelpulver so angemacht, dass ein relativ dünnflüssiger Mörtel entsteht, der wie Fließestrich selbstnivellierend verläuft. Dadurch werden auch Unebenheiten im Boden praktisch von selbst ausgeglichen, ohne dass man aufwändig Spachtelmassen oder Dickbettmörtel manuell verteilen müsste.

Bei Fließbettmörtel handelt es sich meist um Zementmörtel mit Kunststoffzusätzen – also um Flexmörtel. Durch die Selbstnivellierung des Materials ist automatisch gesichert, dass die Mörtelschicht hohlraumfrei und so dünn wie möglich ausfällt. Aber enthält ein fließfähiger Mörtel nicht besonders viel Anmachwasser? Das stimmt natürlich. Aber Fließbettmörtel wird von den Herstellern so eingestellt, dass er auch mehr Wasser dauerhaft bindet als herkömmlicher Dick- oder Dünnbettmörtel. Während des Trocknungsprozesses gibt das Material also vergleichsweise wenig Feuchtigkeit ab.

Einfache Verarbeitung

Auch bei der Verlegung heller, durchscheinender Natursteine hat Fließbettmörtel Vorteile. Gibt man zum Trockenmörtelpulver ausreichend Wasser hinzu, entsteht ein Material, dass sich wie Fließestrich auf den Boden gießen lässt. Anschließend verteilt der Verarbeiter den Kleber aber noch mit einer Zahnkelle oder einer Fließbettzahnleiste. Üblich sind Mörtelbettdicken zwischen einem und zehn Millimetern. Aufgrund der fließfähigen Konsistenz des Mörtels zeichnen sich nach Verlegung der Platten keine Zahnungen ab, die man durch helle Natursteine hindurch sehen könnte.

Da der Kleber automatisch hohlraumfrei verläuft, ist es nicht nötig, auch die Unterseite der Fliesen oder Natursteine mit Mörtel zu bestreichen. Man kann also auf das aufwändige Buttering-Floating-Verfahren verzichten. Zwischen Fliese/Platte und Untergrund entsteht automatisch ein nahezu hohlraumfreier, vollflächiger Klebstoffauftrag, wenn man die Belagsmaterialien in das Kleberbett eindrückt.

Aufgrund dieser praktischen Eigenschaft verwendet man Fließbettmörtel besonders häufig für die Verlegung großformatiger Steinzeug- und Feinsteinzeug-Fliesen. Reduziert man beim Anmachen die Wassermenge entsprechend, lässt sich Fließbettmörtel übrigens meist auch als Mittelbett- oder sogar als Dünnbettmörtel verwenden.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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