RM Rudolf Müller
Ganzglastüren

Ganzglastüren sind mal mehr, mal weniger transparent. Foto: mame

Bauelemente
17. April 2014 | Artikel teilen Artikel teilen

Die unterschiedlichen Designvarianten von Glastüren

Holzrahmentüren mit Glaseinsatz sind ein gewohntes Bild in vielen Privathaushalten. Etwas anders sieht es mit Innentüren aus, deren Türblätter keinen Rahmen haben, sondern komplett aus Glas bestehen. Ähnlich wie Schiebetüren sind solche Ganzglastüren zwar noch Nischenprodukte, es handelt sich aber um ein Sortiment, das gute Wachstumsperspektiven zu bieten scheint. Immer mehr Hausbesitzer schätzen nämlich das hochwertige Design moderner Ganzglastüren. Was viele fasziniert: Mit den mehr oder weniger transparenten Bauelementen lassen sich Räume trennen, während sie gleichzeitig optisch miteinander verbunden bleiben.

Auf diese Weise bewirken Ganzglastüren, dass auch kleinere Räume optisch größer wirken. Außerdem bieten sie eine elegante Möglichkeit, Räumlichkeiten ohne Fenster mit etwas Tageslicht aus den Nachbarräumen zu versorgen. Das ist sicher ein Grund dafür, dass diese Bauelemente häufig für Bäder benutzt werden, die im Inneren eines Gebäudes liegen. Für die Anwendung in Feuchträumen spricht zudem, dass Glastüren sehr pflegeleicht sind. Wasser lässt sich einfach abwischen und das glatte und porenfreie Material ist auch völlig unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit und Reinigungsmitteln. Nicht zu vergessen: Anders als Holz benötigt Glas keinen Schutzanstrich, der regelmäßig erneuert werden muss.

Zielgruppe Singles und Pärchen?

Vermutlich hängt die wachsende Beliebtheit von Ganzglastüren in Privathaushalten auch mit den aktuellen Wohnformen in Deutschland zusammen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten 2012 in 75 Prozent der deutschen Privathaushalte maximal zwei Personen. Stolze 41 Prozent wurden sogar nur von Singles bewohnt. In Haushalten mit mindestens drei Bewohnern leben in der Regel Familien mit Kindern, oder es handelt sich um Wohngemeinschaften. Logischerweise erfüllen Türen in solchen Haushalten nicht zuletzt die Funktion, Rückzugsmöglichkeiten und Intimsphäre zu ermöglichen. Glastüren werden hier also nicht unbedingt die erste Wahl sein. Aber ganz anders sieht das natürlich in Single- und Pärchenhaushalten aus. Und das sind nun mal die Wohnformen, die in den letzten Jahren am meisten zugenommen haben.

Variantenreiches Sortiment

Gleichwohl wählt derjenige, der eine Ganzglastür kauft, nicht zwangsläufig die totale Transparenz. Tatsächlich ist der Variantenreichtum groß. Es gibt natürlich die buchstäblich glasklare Tür, allerdings findet man diese doch eher in gewerblich genutzten Gebäuden. Im Wohnbereich dominieren matte, nicht völlig durchsichtige Gläser. Darüber hinaus bietet die Industrie ein breites Angebot an farbigen Glas-Türblättern mit unterschiedlichsten grafischen Motiven.

Häufig wird das Türenglas in der Produktion satiniert, das heißt, es wird unter Hochdruck mit Sand bestrahlt. Dadurch lösen sich viele kleine Teilchen aus der Oberfläche, und es entsteht ein mattes Glas, das zwar lichtdurchlässig, aber kaum durchsichtig ist. Das Satinieren muss nicht immer vollflächig erfolgen, sondern kann auch ein Stilmittel sein, um die Tür nur an einigen Stellen grafisch zu verzieren.

Muster und grafische Elemente erzeugt man bei Ganzglastüren zudem häufig durch Siebdruck- oder Rillenschlifftechnik. Beim Siebdruck verwendet man spezielle Schmelzfarben, die im Wesentlichen aus eingefärbtem Glasstaub bestehen. Sie werden durch ein Siebgewebe und eine Motivschablone auf die Glasfläche aufgebracht und anschließend bei hohen Temperaturen eingebrannt. Beim Rillenschliff handelt es sich dagegen nicht um eine Drucktechnik, sondern um eine fast schon „bildhauerische“ Bearbeitungsweise. Dabei werden viele kleine, nur wenige Millimeter große Rillen in die Glasoberfläche gefräst. Motive entstehen durch die Anordnung der Rillen, die zudem wahlweise mattiert oder poliert werden können. Die eingefrästen Bilder erzeugen einen 3D-Effekt und brechen das Licht anders als die übrige Glasfläche.

Hochwertige Glasarten

Ganzglastür mit Digitaldruck

Bei Türblättern aus Verbundsicherheitsglas kann die innen liegende Kunststofffolie zwischen den Glasscheiben mit Digitaldrucken verziert werden. Foto: Jeld-Wen Bilddatenbank

Häufig findet man heute auch Ganzglastüren, die mit fotorealistischen Motiven bedruckt sind. Oft wird dabei aber nicht das Glas bedruckt, sondern eine Folie. Möglich ist diese Variante, wenn das Türblatt aus Verbundsicherheitsglas (VSG) gefertigt wurde. Dieses Material besteht aus mindestens zwei Glasscheiben mit einer oder mehreren Kunststofffolien dazwischen. Glas und Folie werden zusammengepresst und unter Einfluss von Hitze untrennbar miteinander verbunden. Aber vorab können die Folien eben mit Motiven unterschiedlichster Art bedruckt werden.

Der Einsatz von VSG für Ganzglastüren ist übrigens auch unabhängig von der Möglichkeit der Folienbedruckung sinnvoll. Die Türblätter werden dadurch weitgehend stoß-, schlag- und biegefest. Dadurch sind abgeschlossene Glastüren auch wesentlich einbruchsicherer. Denn wenn das Glas durch äußere Gewalt doch brechen sollte, dann kommt es nicht zur Zersplitterung des Türblatts. Die Splitter werden durch die Folie zusammengehalten, und der Durchgang bleibt dadurch weiterhin verschlossen.

Neben VSG verwendet man für Ganzglastüren vor allem Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG). Das besteht zwar nur aus einer Scheibe und enthält keine Folien, aber das Glas wurde in der Produktion durch starke Erhitzung widerstandsfähiger gegen äußere Krafteinflüsse gemacht. Wird ESG zerstört, zersplittert es in viele kleine, stumpfkantige Bruchstücke, sodass das Verletzungsrisiko relativ gering ist. Übrigens gibt es auch Hersteller, die in der Lage sind, Einscheiben-Sicherheitsglas direkt mit Fotomotiven zu bedrucken. Der Digitaldruck bei Ganzglastüren setzt also nicht die Existenz von Kunststofffolien voraus.

Stabile Beschläge erforderlich

Ganzglastüren haben den Vorteil, dass sie sich auch nachträglich relativ leicht an bereits vorhandene Türzargen aus Holz anbringen lassen. Allerdings sollte man dabei bedenken, dass die Türblätter alles andere als Leichtgewichte sind. Ein Glastürblatt mit der Standarddicke von 8 mm wiegt immerhin 20 kg pro Quadratmeter. Das ist zumindest deutlich mehr als das Gewicht der weit verbreiteten Innentüren mit Waben-Innenlage, die oft nur rund halb so viel wiegen. Aufgrund des hohen Eigengewichts sind stabile Türbänder daher ein absolutes Muss. Die Industrie bietet ein umfangreiches Sortiment an speziellen Beschlägen, mit denen Ganzglastüren sicher und dauerhaft eingebaut werden können.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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