RM Rudolf Müller
Deckenquerschnitt Passivhaustreppe

Das Modell zeigt den zertifizierten Fugenanschluss zwischen Decke und Futterkasten.

 
Bauelemente
08. Oktober 2015 | Artikel teilen Artikel teilen

Passivhaus: Bodentreppe gibt Sicherheit

Wellhöfer hat dieses Jahr nach eigenen Angaben als weltweit erster Hersteller eine zertifizierte Passivhaus-Bodentreppe präsentiert. Da stellt sich die Frage: Was sagt das Zertifikat eigentlich aus?

Viele Hausbesitzer dämmen extra die oberste Geschossdecke in ihren Häusern, um Wärmeverluste über ungedämmte Dächer zu verhindern und natürlich auch, um den Auflagen der Energieeinsparverordnung Folge zu leisten. Wellhöfer weist darauf hin, dass dabei oft einfach ignoriert wird, dass die umlaufende Einbaufuge der Bodentreppe eine kritische Wärmebrücke darstellt.

Was sagt der U-Wert aus?

Offenbar schauen viele Käufer von Bodentreppen nur auf einen möglichst guten U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient), mit dem die Hersteller in der Regel auch werben. Diese Kenngröße für Bauteile wird insbesondere aus den Wärmeleitfähigkeiten (λ-Werte) der verschiedenen Materialien errechnet, aus denen das Bauteil zusammengesetzt ist. Je kleiner der U-Wert, umso besser ist die Dämmwirkung des Bauteils.

Aber die Angabe eines U-Werts für Bodentreppen sagt eben nur etwas über die Dämmung der Bodentreppe selbst aus. Oder genauer gesagt: über den Wärmeschutz, den Futterkasten und Deckel der Bodentreppe bieten (siehe Grafik). Doch auch beste Dämmwerte der einzelnen Treppenteile nutzen wenig, wenn die Einbaufuge nicht ausreichend dicht ist. Schließlich unterbricht die Lucke einer herkömmlichen Bodentreppe die oberste Geschossdecke auf rund einem Quadratmeter, und die umlaufende Einbaufuge ist vier Meter lang.

Zertifikat vom Passivhaus-Institut

Letztlich sagt der reine U-Wert der Bodentreppe also relativ wenig aus. Vor allem gibt dieser Kennwert dem Käufer keine Sicherheit, dass die Treppe im eingebauten Zustand nicht doch permanent den Verlust von Heizenergie über Wärmebrücken zulässt. Um dieser Unsicherheit ein Ende zu machen, hat Wellhöfer seine zertifizierte Passivhaus-Bodentreppe auf den Markt gebracht. Bei diesem Produkt bezieht sich das Qualitätsversprechen des Herstellers nicht nur auf das Bauteil Bodentreppe, sondern auf das Gesamtsystem „Decke + Bodentreppe“, inklusive der kritischen Einbaufuge zwischen Futterkasten und Decke.

Zertifiziert wurde das Produkt vom renommierten Passivhaus-Institut. Das Zertifikat bescheinigt, dass die Treppe im eingebauten Zustand eine geeignete Komponente für den Bau eines Passivhauses darstellt. Damit wird ausgesagt, dass sowohl die einzelnen Bestandteile der Treppe selbst als auch die Ausbildung der Einbaufuge soviel Wärmeschutz und Luftdichtheit garantieren, dass das Passivhausniveau erreicht wird. Passivhäuser sind extrem energiesparende Häuser, die maximal einen Heizwärmebedarf von 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr haben – das entspricht etwa dem Heizwert von 1,5 Litern Heizöl.

Aufbau der Passivhaus-Bodentreppe

Übersicht über die verschiedenen Teile einer Bodentreppe.

Übersicht über die verschiedenen Teile einer Bodentreppe.

Seine Passivhaus-Bodentreppe hat Wellhöfer zum Patent angemeldet. Der Deckel der Bodentreppe ist bereits ab Werk mit einer doppelten, vollflächigen Dämmstoffauflage kaschiert. Die Funktionsfuge zwischen Deckel und Futterkasten ist mit einer Doppel-Dichtung versehen. Besondere Sorgfalt wurde auf die Abdichtung der 2 cm breiten Einbaufuge zwischen Futterkasten und Decke gelegt. Unten stellt ein Dichtband die Verbindung zur luftdichten Schicht der Deckenöffnung her. Dämmzöpfe oben und unten schließen die Einbaufuge ab und den Hohlraum dazwischen füllen spezielle Dämmperlen (siehe Modellquerschnitt). So wird der Einfluss der Einbaufuge als Wärmebrücke deutlich minimiert.

Die zertifizierten Passivhaus-Bodentreppen bietet Wellhöfer für Deckenöffnungen von 85×55 bis 148×80 cm, für Deckenstärken von 25 bis 90 cm und für lichte Raumhöhen von 190 bis 360 cm.


Mehr zu Bauelementen finden Sie in der Übersicht.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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