RM Rudolf Müller
Auch Kinder verbringen heutzutage viel weniger Zeit in der Natur als früher.   Foto: Velux

Auch Kinder verbringen heutzutage viel weniger Zeit in der Natur als früher.   Foto: Velux

Bauelemente
17. September 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Velux: Gesund durch Naturerfahrung

Velux setzt seine Kampagne zur „Indoor Generation“ fort. Während es letztes Jahr vor allem darum ging, das mangelnde Bewusstsein von Hausbewohnern für gesundheitsschädigende Innenraumluft zu dokumentieren, geht der Dachfensterhersteller nun unter dem Motto „Let Nature Back Into Your Home“ einen Schritt weiter. Informiert wird über den Zusammenhang zwischen Naturerfahrungen und Gesundheit. Ziel ist es aufzuzeigen, wie der Wunsch nach mehr Natur auch im täglichen Indoor-Leben erlebbar ist. Natürlich spielen dabei (Dach-)Fenster eine Rolle.

Die im Mai 2018 im Auftrag von Velux veröffentlichte YouGov-Studie „Die Indoor-Generation – Die Auswirkungen des modernen Lebens auf Gesundheit, Wohlbefinden und Produktivität“ hatte unter anderem ergeben, dass Hausbesitzer in Nordeuropa und Nordamerika heute im Durchschnitt 90 % ihrer Lebenszeit in geschlossenen Räumen verbringen. Pro Tag verbringen diese Menschen also nur durchschnittlich etwa zweieinhalb Stunden im Freien. 52 % der Befragten gaben sogar an, dass sie pro Tag durchschnittlich nur höchstens eine Stunde draußen sind. In Deutschland gilt das für 47 % – laut einer zweiten YouGov-Umfrage im April/Mai 2019.

Beunruhigender Trend

Zugleich ist es den Menschen meist nicht klar, dass die Luft in Gebäuden oft deutlich stärker mit Schadstoffen belastet ist als die Außenluft. 77 % der 16.000 von YouGov im Jahr 2018 befragten Haubesitzer war dies unbekannt. Wer sich fast ausschließlich in Innenräumen aufhält, schadet seiner Gesundheit in vielen Fällen durch hohe VOC-Konzentrationen oder Schimmelpilzsporen, zugleich entgeht ihm aber auch die gesundheitsfördernde Wirkung der Natur. „Wir finden es zutiefst beunruhigend, dass einige Menschen durchschnittlich nicht einmal eine Stunde am Tag in der Natur verbringen“, sagt Peter Foldbjerg, Leiter im Bereich Tageslicht, Energie und Raumklima bei der Velux-Gruppe. „Die Verbindung zu einer natürlichen Umgebung ist für unser Wohlbefinden enorm wichtig und hat einen besonders positiven Einfluss auf uns“

Studie von RAND Europe

Velux verweist in diesem Zusammenhang auf aktuelle Studienergebnisse von RAND Europe – ein unabhängiges Forschungsinstitut, das Untersuchungen und Analysen für Politik und Entscheidungsträger durchführt. Dieses hat im Auftrag der Velux-Gruppe untersucht, ob in der klinischen Forschung ein Zusammenhang zwischen der Natur und der psychischen Gesundheit sowie dem Wohlbefinden festgestellt wird. Dafür hat das Institut entsprechende wissenschaftliche Artikel ausgewertet.

RAND Europe kommt zu dem Schluss, dass die meisten qualitativen Studien einen Zusammenhang zwischen dem Aufenthalt in einer natürlichen Umgebung oder dem Kontakt zur Natur und einer verbesserten psychischen Gesundheit zeigten, auch wenn es bisher noch keinen handfesten Beleg für einen solchen kausalen Zusammenhang gibt.

Hilft die bloße Naturbetrachtung?

Großzügige Fensterflächen machen viele Aspekte der Natur auch in Innenräumen erfahrbar. Foto: Velux

Großzügige Fensterflächen machen viele Aspekte der Natur auch in Innenräumen erfahrbar. Foto: Velux

Weniger vorsichtig zu der Thematik äußert sich Terry Hartig, Professor für Umweltpsychologie an der Universität Uppsala: „Die Natur kann das Risiko von Krankheiten durch chronischen Stress reduzieren und eine Reihe weiterer Auswirkungen wie das subjektive Wohlbefinden fördern. Das Erfahren von Natur kann wichtige Vorteile für die menschliche Entwicklung, die Gesundheit und das Wohlbefinden bringen, sodass der zunehmende Rückgang an Möglichkeiten für Naturerfahrungen ein bedeutendes Problem der allgemeinen Gesundheit ist.“

Hartig gehört zu den Pionieren in der Forschung zum Zusammenhang zwischen Natur und Gesundheit. Nach Angaben von Velux hat er mit seinen Forschungskollegen unter anderem festgestellt, dass nicht nur der Aufenthalt in der Natur, sondern auch schon bereits das Betrachten von natürlichen Umgebungen zu einer Reihe von kurzfristigen gesundheitsrelevanten Folgen führen kann, insbesondere zu erholsamen Effekten bei Stress und Konzentrationsschwäche.

Natürlich wäre es das Beste, wenn der westliche Mensch insgesamt wieder mehr Zeit im Freien verbringen würde. Wer das aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht schafft, sollte vielleicht dafür sorgen, dass er beim Aufenthalt in Gebäuden zumindest nicht komplett von der Außenwelt abgeschnitten ist. Diese Quintessenz lässt sich vermutlich aus den Forschungen von Terry Hartig ziehen.

Fenster zur Natur

Da allein schon das Wahrnehmen von Natur positive Auswirkungen haben kann, empfiehlt Velux, Gebäude künftig verstärkt so zu planen, dass auch in Innenräumen möglichst viele Aspekte der Natur erfahrbar werden. An dieser Stelle kommen nun die (Dach-)Fenster ins Spiel. Schließlich ermöglichen sie den Blick nach außen, spenden Tageslicht und lassen sich öffnen, wodurch sich manche Aspekte der Natur – etwa das Vogelgezwitscher oder der Windhauch – immerhin hören beziehungsweise fühlen lassen.

Weitere Informationen zur Kampagne „Let Nature Back Into Your Home“ bietet Velux auf der Website www.letnaturebackin.com. Dort kann man sich auch einen Film von Martin de Thurah anschauen, der die Unterschiede illustriert zwischen Kindern früherer Generationen, die noch viel mehr im Freien spielten und Kindern heutzutage, die oft viel Zeit vor den Bildschirmen zu Hause verbringen.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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