RM Rudolf Müller
Mit Calostat gefüllte Wärmedämmziegel. Foto: Evonik

Mit Calostat gefüllte Wärmedämmziegel. Foto: Evonik

 
Dämmstoffe
14. März 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Hochleistungsdämmstoff: Was ist Calostat?

Im Jahr 2013 wurde auf der Branchenmesse BAU in München erstmals ein neuer Dämmstoff mit dem Markennamen „Calostat“ vorgestellt. Für die hochdämmenden Platten gibt es mittlerweile verschiedene Anwendungsbereiche. Doch woraus besteht eigentlich dieses Material und was sind seine wichtigsten Eigenschaften?

Calostat wurde vom Essener Spezialchemie-Unternehmen Evonik entwickelt und wird aus dem mineralischen Rohstoff Siliciumdioxid hergestellt. Dieser natürliche Stoff kommt auf der Erde in großen Mengen vor. So besteht zum Beispiel Quarzsand größtenteils aus Siliciumdioxid. Zur Herstellung der Calostat-Platten wandelt Evonik den Rohstoff in pyrogene Kieselsäure um. Das ist also das eigentliche Material, aus dem der Dämmstoff besteht. Chemisch betrachtet handelt es sich dabei um dieselbe Verbindung, aus der man auch die Stützgerüste für herkömmliche Vakuum-Isolations-Paneele (VIP) fertigt. Allerdings ist die Evonik-Platte im Vergleich dazu formstabiler und druckfester.

Bauphysikalische Eigenschaften

Für Anwendungen im Baubereich hat Evonik die Platte kernhydrophobiert ausgestattet. Dadurch nimmt das Material kein flüssiges Wasser auf. Zugleich ist es aber dampfdiffusionsoffen, also durchlässig für Wasserdampf. Aufgrund seiner mineralischen Zusammensetzung ist Calostat resistent gegen Schimmelbildung, ganz ohne Zusatz von Fungiziden.

Außerdem ist der Dämmstoff nach Herstellerangaben „gesundheitlich unbedenklich“. Er dünstet keine Schadstoffe aus und reagiert auch nicht mit anderen Werkstoffen. Darüber hinaus sind die Platten voll recyclingfähig. Zu den Vorteilen des Dämmstoffs gehört ferner sein Brandverhalten. Calostat wird der Baustoffklasse A2 nach DIN EN 13501-1 zugeordnet („nicht brennbar“), ohne dass dafür Flammschutzmittel eingesetzt werden müssen. Mit den Platten von Evonik lassen sich also brandsichere Dämmstoffschichten erstellen, und wegen ihrer geringen Wärmeleitfähigkeit sind dafür nur relativ geringe Schichtdicken notwendig.

Wärmeleitfähigkeit

Calostat wird als Hochleistungsdämmstoff vermarktet. Nicht zu Unrecht. Die Platten haben eine sehr niedrige Wärmeleitfähigkeit von nur 0,019 W/mK. Zum Vergleich: Die Wärmeleitfähigkeit von Glaswolle-Produkten liegt bei über 0,032 W/mK. Die Differenz findet zwar erst zwei Stellen hinterm Komma statt, doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen. In der Welt der Lambda-Werte sind das durchaus große Unterschiede.

Bemerkenswert ist, dass der Siliciumdioxid-Dämmstoff trotz seiner niedrigen Wärmeleitfähigkeit über eine vergleichsweise hohe Rohdichte von immerhin 165 kg/m³ verfügt. Die Platte ist deshalb auch relativ stabil und bietet einen guten Schallschutz. Hinzu kommt, dass der Lambda-Wert auch bei steigenden Temperaturen vergleichsweise konstant bleibt. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Bei vielen Dämmstoffen steigt die Wärmeleitfähigkeit, wenn sie sich erwärmen, zum Beispiel durch verstärkte Sonneneinstrahlung im Sommer. Beim Produkt Calostat ist das nicht so. Nach Herstellerangaben bietet es deshalb auch im Sommer einen „optimalen Wärmeschutz“.

Einsatz innen und außen

Kellerdeckendämmung mit Calostat in einer Düsseldorfer Tiefgarage. Foto: Evonik

Kellerdeckendämmung mit Calostat in einer Düsseldorfer Tiefgarage. Foto: Evonik

Die Einsatzmöglichkeiten der Siliciumdioxid-Platten sind vielfältig. Sie werden sowohl für die Innendämmung als auch für die Kerndämmung bei vorgehängten hinterlüfteten Fassaden (VHF) verwendet. Aber auch in gefüllten Mauerwerksteinen wurde der Werkstoff bereits erfolgreich erprobt. Im größeren Maßstab geschah das zum Beispiel Ende 2016 bei einem Wohnbauprojekt in Herzogenaurach. Im dortigen Neubaugebiet „Herzo Base II“ sind insgesamt acht Reihenhäuser als Energiespeicherhäuser entstanden. Für vier von diesen lieferte Evonik seinen Dämmstoff, der unter anderem als Füllung für die Hintermauerwerk-Ziegel verwendet wurde.

Im Fassadenbereich kommt Calostat nicht nur als Kerndämmung, sondern auch als Bestandteil vorkonfektionierter Verbundelemente zum Einsatz. Zur BAU 2017 präsentierte Evonik in diesem Bereich neue Anwendungslösungen. So wurde ein nur 12 cm dickes Isolationspaneel für Fassaden vorgestellt, mit dem Gebäude einfach zum Passivhaus aufrüstbar sind.

Das Passivhaus-Paneel hat Evonik gemeinsam mit dem Fassadenspezialisten FKN entwickelt, der das Element unter dem Namen „CT paneel“ vermarktet. Das Sandwich-Element, das von außen an Gebäudewänden montiert wird, gibt es in verschiedenen Varianten. Die Premiumversion „CT Paneel Multi“ besteht neben den beiden Decklagen – zum Beispiel Aluminium auf der Gebäudewand- und Plexiglas auf der Fassadenseite – aus einem dreischichtigen Dämmkern. Dieser besteht aus zwei Calostat-Platten und einer Vakuumdämmplatte in der Mitte.


Mehr zum Thema Dämmung findest du hier


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: freierjournalist@rolandgrimm.com

 

Die Aufsparrendämmung und ihre Vorteile

Eine Aufsparrendämmung ist so etwas wie der Mercedes unter den Dachdämmungen. Im Vergleich zur klassischen Zwischensparrendämmung, die ein halbwegs talentierter...

mehr »
 

Überblick: Die häufigsten Hartschaum-Dämmplatten

Die im Bauwesen verwendeten Dämmplatten haben meistens entweder eine Faserstruktur, so wie Mineralwolle und zahlreiche Naturdämmstoffe, oder es handelt sich...

mehr »
 

Perlite-Dämmplatten: Eigenschaften und Einsatzbereiche

Der mineralische Dämmstoff Perlite kommt meist in Form von losem Granulat zum Einsatz: als Schüttungsmaterial für Fußböden, als Einblasdämmung für...

mehr »
Nach oben
nach oben