RM Rudolf Müller

Seit dem Sommer 2018 verfügt die Messe München über 18 Hallen mit zusammen 200.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und rund 400.000 Quadratmeter Freigelände. Foto: Deutsche Rockwoll

Dämmstoffe
12. Februar 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Die Dämmung der Dachkonstruktion der Messe München

Die Messe München hat zwei neue Hallen gebaut, damit sie weiter wachsen kann. Die Dämmung der Dachkonstruktion für die neuen Hallen hat Rockwoll mit einem nichtbrennbaren System gemacht.

Jede der beiden neuen Hallen C5 und C6 im nordöstlichen Teil des Messegeländes bietet 10.000 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche. Die Steuerung des Neubauprojektes oblag dem Ingenieurbüro Assmann Beraten + Planen. Für die Generalplanung verantwortlich war die Planungsgemeinschaft Neue Messe München, ein Zusammenschluss der Büros Obermeyer Planen + Beraten und Jesse Hofmayr Werner Architekten. Mit der Dämmung und Abdichtung der Flachdächer wurde das Unternehmen Schütte-Wicklein aus Herbolzheim beauftragt.

Nichtbrennbare Dämmung aus Steinwolle für Schall- und Wärmeschutz

Um den in Messehallen üblichen hohen Innenraumlärmpegel abzudämpfen, wurden gelochte Trapezprofile, sogenannte Akustik-Trapezprofile, als tragende Dachschale eingesetzt. In deren Profilhohlraum wurden zur Schallabsorption nichtbrennbare Akustik-Profilfüller aus Steinwolle eingelegt. Anschließend wurde eine Elastomerbitumen-Dampfsperrbahn („Vedagard AL-E“) auf den Trapezprofilen verschweißt. Gedämmt wurde klassisch mit nichtbrennbaren „Hardrock 038“ Dämmplatten in einer Dicke von 60 Millimetern und einer oberen Lage hoch belastbarer „Megarock“ Dämmplatten in einer Dicke von 60 Millimetern. Abschließend erhielt der mechanisch befestigte Dachaufbau eine Abdichtung aus Kunststoffbahnen, die im Überlappungsbereich zusammen mit der Dämmung befestigt wurden. Hierzu wurden selbstschneidende Schrauben mit Kunststofftüllen verwendet.

Innovative Dachkonstruktion für höhere Anhängelasten

Verglichen mit den Dächern älterer Messehallen sollten diejenigen über den beiden jüngsten Münchener Messehallen in der Lage sein, deutlich höhere Anhängelasten abzutragen. Ausstellern bieten sie damit neue Chancen für eine interessante Messebauarchitektur. Teil der entsprechend geplanten Dachkonstruktion sind insgesamt 1.740 laufende Meter Dehnfugen (zwölf pro Dach á 75,50 Meter) über den Bindern des Trapezdaches, die je nach Binderabständen mit Entfernungen von sechs, elf und 16 Meter angeordnet wurden. Die Dämmung dieser Dehnfugen sollte – so die Anforderungen von Bauherr und Feuerwehr – den gleichen Anforderungen an Wärme-, Schall– und Brandschutz gerecht werden wie die Dämmung der übrigen Dachfläche. Gefragt war also eine Lösung aus nichtbrennbarer Steinwolle, die die zu erwartenden Bewegungen in den Dehnfugen „mitgehen“ würde. Zwischen Dämmung und Metalldach durften sich zugleich weder unter Last noch im Normalzustand Spalte zwischen Dämmung und Dach entwickeln. Diese hätten als Wärmebrücken den Wärmeschutz verschlechtert und zugleich Feuer und Rauch passieren lassen. Auch die Dachabdichtung musste im Bereich der Dehnfugen mit einem innovativen Konzept ausgeführt werden.

Flexible Dämmung und Abdichtung

Über dieser Grunddämmung wurde eine Lage hoch belastbarer „Megarock“ Dämmplatten in einer Dicke von noch einmal 60 Millimetern verlegt. Unter dieser klassischen zweilagigen Flachdachkonstruktion kamen nichtbrennbare Akustik-Profilfüller aus Steinwolle in den Akustik-Trapezprofilen zum Einsatz. Foto: Deutsche Rockwoll

Nach eingehenden Prüfungen wurden schließlich Dämmung und Abdichtung wie folgt ausgeführt: In die Dehnfugen verlegten die Verarbeiter besonders flexible Steinwollestreifen, die aus

halbsteifen Fassadendämmplatten von Rockwool mit besonders laminarer Wollstruktur geschnitten wurden. Durch eine Drehung der Streifen um 90 Grad beim Einbau wurde erreicht, dass die Steinwollestruktur vertikal in der Bewegungsfuge steht. Die Dämmstoffstreifen wurden während des Einbaus zusätzlich leicht zusammengedrückt und mit circa 40 Millimeter Übermaß eingebaut. Diese Vorkomprimierung reicht aus, um dafür zu sorgen, dass die Bewegungsfugen unter Last ebenso wie im Normalzustand vollständig mit Dämmung ausgefüllt bleiben. Eine Spaltbildung zwischen Dämmung und Dach wird zuverlässig vermieden. Die Dämmung kann also große Bewegungen in den Dehnfugen aufnehmen, ohne dass Wärmebrücken entstehen.

Die Polyfine FPO Abdichtung der Fläche wurde bis an die Dehnfuge herangeführt und dort in den beidseitig der Dehnfugen angeordneten U-Profilen mechanisch befestigt. Über den Dehnfugen wurde die Abdichtung mit Streifen ausgeführt, die mit Hilfe eines Schienensystems flexibel rechts und links der Bewegungsfuge in den U-Profilen befestigt sind. Über den Dehnfugen verlegten die Dachdecker zuvor halbrunde Schaumstoffblöcke. Sie sollen die Längendehnung der Abdichtung ermöglichen, Wassersäcke sowie eine Beschädigung der Abdichtung durch Bewegungen in den Dehnfugen verhindern. Um den Brandschutz über den Dehnfugen sicherzustellen, musste zwischen Schaumstoffblock und Abdichtung ein Glasvlies verlegt werden.

Härtetest für Fugendämmung

Die Idee zu dieser Lösung entstand in den Entwicklungslaboren der Deutschen Rockwool. Dort führte man dynamische Kompressionstests nach den Vorgaben des Statikers durch. Mehr als 1.000 Lastwechsel soll die Dämmung ohne Qualitätsverlust überstehen. Dabei soll die Dämmung 1.000 Mal von ihrer ursprünglichen Dicke von 280 Millimeter auf 160 Millimeter zusammengedrückt werden. Ziel war es herauszufinden, ob sich nach starken Bewegungen in der Dehnfuge Spalte zwischen den beidseitig der Dehnfuge angeordneten Metallprofilen und der Dämmung entwickeln. Auch musste sichergestellt werden, dass die Dämmung ihre Flexibilität dauerhaft behält und in ihre ursprüngliche Form zurückkehrt, denn nur in jedem Zustand vollständig mit Steinwolle ausgefüllte Bewegungsfugen würden den Anforderungen an den Wärme-, Brand- und Schallschutz gerecht werden.

Nichtbrennbar und wärmebrückenfrei

Im Entwicklungslabor wurden dynamische Kompressionstests mit den empfohlenen Dämmplatten unter vom Statiker vorgegebenen Randbedingungen durchgeführt. Für den Einsatz in den Bewegungsfugen sollte die Dämmung beweisen, dass sie 1.000 Lastwechseln widerstehen würde. Foto: Deutsche Rockwoll

Während der Tests im Labor der Deutschen Rockwool in Gladbeck wurde eine Dämmplatte im geplanten Einbaumaß, also in einer Breite von 280 Millimeter plus circa 40 Millimeter Übermaß, mit entsprechend vertikal ausgerichteter Steinwollestruktur zwischen zwei Druckplatten eingespannt. Nach 100-maliger Kompression um 42 Prozent zeigte sich, dass die Flexibilität der

Dämmplatte uneingeschränkt weiterbestand. Nach weniger als zehn Lastwechseln hatte sich bereits ein asymptotischer Zustand abgezeichnet. Damit wurde bestätigt, dass die Dämmung bei entsprechender Einbaurichtung die Anforderungen im Bereich der Dehnfugen erfüllen würde.

Nach erfolgreichem Abschluss der Tests in Gladbeck wurde in der Materialprüfanstalt in Stuttgart eine Brandprüfung nach DIN 1187 Broof t1 speziell der für die Dehnfuge entwickelten Lösung aus Dämmung und Abdichtung mit Schutzvlies durchgeführt. Bei dieser Brandprüfung wird ein Brandangriff von außen simuliert. Sie gilt als bestanden, wenn keine Brandweiterleitung in die übrige Dachfläche erfolgt ist und kein Durchbrand bis zur Unterseite der Dämmung und damit in den Innenraum des Gebäudes stattgefunden hat.

Gut geplant, sicher montiert

Auch diese Prüfung bestanden Dämmstoff und Konstruktion mühelos, so dass der Einbau beginnen konnte. Hierbei wurde die Dämmung der Dehnfugen im leicht vorkomprimierten Zustand eingebracht. Die Dämmstreifen wurden hierzu mit einem Übermaß von knapp 40 Millimetern in die Dehnfuge eingebaut. Der Einbau mit senkrechter Steinwollestruktur sorgt dafür, dass die Dämmung der Dehnfugen auch nach extremen Bewegungen und starker Kompression in ihre ursprüngliche Form zurückkehren und die Fugen spaltlos geschlossen bleiben.

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