RM Rudolf Müller
Energieeffizienzklassen Energieausweis

Die neuen Effizienzklassen des Energieausweises.

Energetisches Bauen
26. März 2015 | Artikel teilen Artikel teilen

Energieausweise nach EnEV 2014 – das ist neu

Die EU-Gebäuderichtlinie von 2010 legt nicht nur fest, dass ab 2021 alle Neubauten in der Europäischen Union Niedrigstenergiegebäude sein müssen. Sie fordert die Mitgliedsstaaten der EU zugleich auch auf, „Ausweise über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden“ einzuführen. In Deutschland gibt es so etwas schon länger: Der Energieausweis ist fest in der Energieeinsparverordnung (EnEV) verankert. Allerdings sieht die europäische Richtlinie bei diesem Thema schärfere Pflichten für Hausbesitzer vor als die früheren EnEV-Versionen. Doch Deutschland hat nachgebessert. Die EnEV 2014 hat die Position des Energieausweises deutlich gestärkt.

Nach der Gebäuderichtlinie von 2010 müssen alle 28 Mitgliedstaaten der EU Gebäudeausweise mit Informationen über den Jahresenergieverbrauch der Immobilien einführen. Außerdem sollen die Ausweise gegebenenfalls Modernisierungsempfehlungen enthalten, die Hausbesitzern aufzeigen, wie die Energieeffizienz des Gebäudes zu optimieren wäre. In Deutschland sind derartige Energieausweise für Neubauten bereits seit 2002 Pflicht. Und mit der EnEV 2007 wurde deren Einführung auch für Bestandsgebäude geregelt. Der Energieausweis informiert potenzielle Käufer oder Mieter über den Energieverbrauch eines Hauses und macht damit auch Vergleiche zwischen Immobilien möglich.

Bedarfsausweise

Wer ein neues Haus baut, ist also in Deutschland schon seit einiger Zeit grundsätzlich verpflichtet, sich dafür von einem Fachmann einen Energieausweis erstellen zu lassen. Damit erfolgt der Nachweis, dass der Neubau den energetischen Anforderungen der jeweils aktuellen EnEV entspricht. Die Ausweispflicht gilt in der Regel auch für Bestandsgebäude, wenn diese modernisiert oder erweitert werden. Sie entfällt lediglich bei sehr kleinen Veränderungsmaßnahmen, nämlich dann, wenn höchstens 10% der Fläche eines Bauteils von der Modernisierung betroffen sind.

Die Ausstellung eines Energieausweises ist eine Aufgabe für Fachleute. Die EnEV definiert im Detail, welche Personen aufgrund ihrer Berufsausbildung oder sonstigen Qualifikationen dazu berechtigt sind. Für Neubauten muss stets ein so genannter Bedarfsausweis ausgestellt werden. Dieser setzt eine genaue bauliche Untersuchung des Gebäudes voraus. Außenwände, Fenster und die Heizung werden bezüglich ihres energetischen Zustandes analysiert. Aus den Ergebnissen prognostiziert der Fachmann den voraussichtlichen Heizenergieverbrauch des Gebäudes. Ein solcher Bedarfsausweis ist auch bei älteren Bestandsbauten mit weniger als fünf Wohnungen grundsätzlich Pflicht, wenn deren Baugenehmigung vor dem 01.11.1977 erteilt wurde.

Verbrauchsausweise

Bei allen anderen Bestandsbauten haben die Eigentümer die Wahl, ob sie sich einen Bedarfsausweis oder nur den so genannten Verbrauchsausweis ausstellen lassen. Letzterer ist deutlich weniger aufwändig und kostet daher auch nicht so viel wie ein Bedarfsausweis. Dafür bietet er allerdings auch keine klaren Erkenntnisse über den energetischen Zustand der Bausubstanz. Diese wird beim Verbrauchsausweis nämlich gar nicht analysiert. Stattdessen wird der künftige Energieverbrauch für die Immobilie einfach nur aufgrund der tatsächlichen Heizungsrechnungen der letzten drei Jahre prognostiziert. Fachliche Aussagen über Wärmeverluste durch die Gebäudehülle oder den Zustand der Heizungsanlage erhält der Hauseigentümer so nicht. Und sinnvolle Modernisierungsempfehlungen lassen sich allein aus dem tatsächlichen Verbrauch auch nicht ableiten. Zumal ein hoher Verbrauch ja auch nicht zwangsläufig mit einem schlechten baulichen Zustand der Immobilie zusammenhängen muss. Es kann auch einfach am falschen Heiz- und Lüftungsverhalten der Bewohner liegen.

Pflichtangaben in Immobilienanzeigen

Ausweispflicht in Immobilienanzeigen nach EnEV 2014

Informationspflichten in Immobilienanzeigen nach EnEV 2014.

Nach der EnEV 2009 mussten Gebäudeeigentümer den Energieausweis lediglich dann vorzeigen, wenn potenzielle Käufer oder Mieter dies ausdrücklich verlangten. Ausnahmen galten hier nur für größere Gebäude mit mehr als 1.000m² Nutzfläche, in denen „öffentliche Dienstleistungen für zahlreiche Besucher“ angeboten werden (z. B. Behörden). In diesen musste der Energieausweis gut sichtbar ausgehängt werden.

Die EU-Gebäuderichtlinie von 2010 hat die Pflichten für Eigentümer allerdings verschärft. Die entsprechenden Forderungen der Europäischen Union hat die Bundesregierung bereits in der EnEV 2014 umgesetzt. Das betrifft z. B. neue Anzeigenpflichten in Verkaufs- oder Vermietungsanzeigen. Solche Anzeigen müssen jetzt z. B. auch zwingend den jährlichen Endenergiebedarfs- oder Endenergieverbrauchswert für das Gebäude enthalten, der im Energieausweis genannt wird. Außerdem müssen Eigentümer den Ausweis potenziellen Käufern oder Mieter nunmehr ungefragt vorlegen. Und bei einem Vertragsabschluss muss der Ausweis den Käufern/Mietern zumindest in Kopie ausgehändigt werden.

Weiterhin wurde die Aushangpflicht für größere Gebäude ausgeweitet. Ab Juli 2015 muss der Ausweis bereits in Gebäuden mit mehr als 250m² Nutzfläche gut sichtbar ausgehängt werden, wenn diese von Behörden genutzt und/oder einen starken Publikumsverkehr aufweisen.

Angabe von Energieeffizienzklassen

Seit Einführung der EnEV 2014 haben neu ausgestellte Energieausweise zudem eine leicht veränderte Optik. Das bekannte Bandtacho mit der Skala von grün bis rot wurde durch die Angabe von Energieeffizienzklassen ergänzt (siehe Grafik). Die Gebäude werden dadurch einer von neun Energieeffizienzklassen zugeordnet. Das Spektrum reicht von der Klasse A+ (niedriger Energie­bedarf/-verbrauch) bis hin zur Klasse H (hoher Energiebedarf/-verbrauch). Das System orientiert sich an ähnlichen Bewertungen für Elektro- und Haushaltsgeräte und soll es auch Laien erleichtern, die energetische Qualität eines Gebäudes mithilfe der Angaben im Energieausweis zu beurteilen. Bei Gebäuden, die bereits über einen Energieausweis nach EnEV 2014 verfügen, muss die Energieeffizienzklasse übrigens auch in Immobilienanzeigen genannt werden.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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