RM Rudolf Müller
KfW-Standards

Die KfW-Effizienzhaus-Standards im Überblick.

Energetisches Bauen
09. März 2015 | Artikel teilen Artikel teilen

Was ist ein KfW-Effizienzhaus?

Der Markt für Energiesparhäuser ist mittlerweile groß und vor allem unübersichtlich. Verwirrend wirkt vor allem die Vielfalt der Namen, unter denen solche Häusertypen angeboten werden: vom Drei-Liter-Haus über das Passivhaus bis hin zum Plus-Energie-Haus. Nicht zu vergessen das so genannte KfW-Effizienzhaus – ein Name, der besonders häufig auftaucht, wenn es um Gebäude mit niedrigem Energieverbrauch geht. Doch was genau ist eigentlich so ein Effizienzhaus und was hat die KfW – also die Kreditanstalt für Wiederaufbau – damit zu tun?

Ein Effizienzhaus ist – ganz allgemein formuliert – ein Energiestandard für Gebäude, den die KfW zusammen mit der Deutschen Energie-Agentur (dena) entwickelt hat. Er basiert auf der Systematik der so genannten Referenzgebäude, die in der Energieeinsparverordnung (EnEV) eine wichtige Rolle spielen. Doch das erklärt natürlich noch nichts, wir müssen die Sache daher etwas detaillierter beleuchten.

Wer ein neues Haus bauen möchte, muss heute darauf achten, dass der Neubau nicht den maximal zulässigen Jahres-Primärenergiebedarf überschreitet, der in der EnEV festgelegt ist. Er wird in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr angegeben. Parallel dazu definiert die Verordnung auch Obergrenzen für Transmissionswärmeverluste durch die Gebäudehülle. Zusammen definieren diese Werte den energetischen Neubau-Standard der jeweils aktuellen EnEV.

Referenzgebäude als Maßstab

dena-Gütesiegel Effizienzhaus

Das dena-Gütesiegel Effizienzhaus macht energieeffiziente Gebäude sofort erkennbar. Foto/Grafik: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena

Maximal zulässiger Energiebedarf und Wärmeverlust sind allerdings nicht für alle Neubauten gleich hoch. Die Werte variieren je nach Eigenschaften der Gebäude. Die EnEV definiert in diesem Zusammenhang unterschiedliche Referenzgebäude, für die – in Abhängigkeit von Eigenschaften wie Hausform, Nutzfläche, Ausrichtung und Heizungstechnik – unterschiedliche Obergrenzen festgelegt werden. Wer einen Neubau plant, findet die richtigen Grenzwerte also bei dem Referenzgebäude, das am ehesten zu seinem Bauvorhaben passt.

Doch was hat das alles mit den Effizienzhäusern zu tun? Ganz einfach: Ein KfW-Effizienzhaus 100 ist ein Gebäude mit einem Jahres-Primärenergiebedarf, der genauso hoch ist wie der Neubau-Standard für das gleichartige EnEV-Referenzgebäude. Entsprechend ist ein KfW-Effizienzhaus 40 ein Gebäude, das nur 40% der Energie eines gleichartigen Standard-Neubaus verbraucht. Als Maßstab für alle Effizienzhaustypen dient immer der Neubau-Standard der EnEV.

Damit ein Gebäude als Effizienzhaus bezeichnet werden darf, ist allerdings auch noch eine andere Bedingung zu erfüllen. Der Transmissionswärmeverlust durch die Gebäudehülle muss nämlich bei allen Effizienzhaustypen geringer ausfallen als der zugelassene Höchstwert eines gleichartigen Neubaus nach EnEV-Standard. Bei einem KfW-Effizienzhaus 70 wird zum Beispiel ein um mindestens 15% geringer Transmissionswärmeverlust gefordert.

Übrigens bedeutet die Tatsache, dass man Effizienzhäuser mit dem Neubaustandard der EnEV vergleicht, nicht, dass Effizienzhäuser immer Neubauten sein müssen. Man kann auch Bestandsgebäude durch Modernisierung auf ein Effizienzhaus-Niveau bringen.

Die Rolle der KfW

Die KfW-Bankengruppe ist eine öffentliche Förderbank, die ursprünglich 1948 als „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ gegründet wurde. Der deutsche Staat hatte sie nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst damit beauftragt, den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft zu finanzieren – durch Vergabe zinsgünstiger Kredite an Unternehmen. Heute kennt man die KfW vor allem als Förderbank für den energieeffizienten Wohnungsneubau und die energetische Gebäudesanierung. Im Rahmen dieser Aufgabe hat die Bank das System der Effizienzhäuser entwickelt. Deren Bau oder Erwerb fördert sie mit zinsgünstigen Krediten und Tilgungszuschüssen.

Im Neubau unterstützt die KfW derzeit die Effizienzhaus-Standards 40, 55 und 70 (Stand: März 2015). Dabei gilt grundsätzlich: Je geringer der Energiebedarf, desto weniger Geld muss der Kunde von seinem KfW-Kredit am Ende zurückzahlen. Denn die KfW gewährt nicht nur vergleichsweise geringe Zinsen, sondern vergibt auch Tilgungszuschüsse bis zu 5.000 Euro pro Objekt.

Förderung bei Bestandsbauten

Analog zum Neubaubereich fördert die KfW auch Sanierungen, bei denen Bestandsgebäude zu Effizienzhäusern umgebaut werden. Das gilt derzeit für die Effizienzhaus-Standards 55, 70, 85, 100, 115 und „Denkmal“ (Stand: März 2015). Eine Sanierung zum Effizienzhaus 100 bedeutet, dass der Energiebedarf des Altbaus auf den Neubau-Standard der EnEV gesenkt wird. Nicht ganz so ambitioniert ist das Effizienzhaus 115, bei dem der Energiebedarf bis zu 15% über dem Neubaustandard liegen darf.

Schließlich wird auch die Sanierung zum so genannten KfW-Effizienzhaus Denkmal gefördert. Damit unterstützt die Förderbank die energetische Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden. Da bei solchen Objekten klassische Dämmmaßnahmen oft nur eingeschränkt möglich sind, darf ein KfW-Effizienzhaus Denkmal den Energiebedarf eines vergleichbaren Neubaus um bis zu 160% überschreiten.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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