RM Rudolf Müller
Vertikalbegrünung

Vertikalbegrünung mit lebendigem Pflanzenbeet vom Anbieter Green Fortune.

Forschung, Technik und Trends
06. Oktober 2015 | Artikel teilen Artikel teilen

Lebende Wände – Neuer Designtrend Indoor-Begrünung

Dach- und Fassadenbegrünungen hat wohl jeder schon mal gesehen. Aber seit einiger Zeit breitet sich ein neuer Trend aus: Indoor-Begrünungen. Gemeint sind damit nicht herkömmliche Topfpflanzen fürs Zimmer, sondern „senkrechte Beete“, die als grüner Wandschmuck faszinierende neue Akzente in Firmenräumen, Shops oder Restaurants, aber auch in Privatwohnungen setzen können.

Anders als bei herkömmlichen Fassadenbegrünungen handelt es sich bei den begrünten Innenraumwänden nicht um Kletterpflanzen, die im Boden wurzeln und an der Wand emporwachsen. Stattdessen sprießt das Indoor-Grün aus kastenförmigen Unterkonstruktionen, die sich im Prinzip wie ein Gemälde an der Wand aufhängen lassen. Die Idee dazu hat vor allem der französische Botaniker Patrick Blanc in den letzten Jahrzehnten bekannt gemacht. Er ließ sich 1988 ein Patent für seine vertikalen Gärten erteilen. Zwar hat Blanc seine Pflanzenwände für Außenfassaden entwickelt, aber mittlerweile gibt es auch viele Anbieter, die ganz ähnliche Produkte für den Indoor-Bereich herstellen.

Arten von Wandbegrünungen

Bei den heutigen Systemen zur Indoor-Begrünung lassen sich grundsätzlich zwei verschiedene Arten unterscheiden. Auf der einen Seite stehen wirklich lebende Pflanzenwände, also vertikale Beete, die wachsen und sich im Laufe der Zeit verändern. Auf der anderen Seite gibt es einfache Wandplatten mit sehr genügsamen Pflanzen (vor allem Moose), die nicht weiter wachsen und keinerlei Pflegeaufwand erfordern.

Indoor-Grün sieht nicht nur gut aus und bringt ein Stück Natur ins Gebäude, sondern bietet darüber hinaus auch weitere Vorteile. Die Wandelemente haben nämlich eine schalldämmende Wirkung und verbessern außerdem das Raumklima. Die Pflanzen nehmen überschüssige Feuchtigkeit aus der Luft auf, verringern die CO2-Konzentration und erhöhen den Sauerstoffgehalt im Raum. Das gilt zumindest für die Variante mit den lebenden Pflanzen. Auch Schadstoffe und Staub werden reduziert. Nicht zuletzt hat das Grün eine wohltuende Wirkung auf die menschliche Seele. Es beruhigt und hilft Stress abzubauen.

Vertikale Pflanzenbeete

Lebende Pflanzenbeete an der Wand bringen echte Natur in die Innenräume und sehen fantastisch aus. Sie enthalten Pflanzen wie zum Beispiel Farne oder großblättrige Philodendron-Arten, die für typische Zimmertemperaturen geeignet sind. Allerdings ist diese Art von Indoor-Grün vergleichsweise aufwändig in Sachen Installation und Pflege. Die Unterkonstruktionen, in denen die Pflanzen wurzeln, müssen Nährstoffsubstrate enthalten, und das Grün muss – je nach Pflanzenart – mehr oder weniger häufig beschnitten und von gelben Blättern befreit werden.

Außerdem sind die Kastenkonstruktionen zur Wand hin wasserdicht zu installieren. Denn das Wandgrün muss auch regelmäßig bewässert werden. Das passiert zum Beispiel über manuell auffüllbare Wasserspeicher. Es gibt aber auch Systeme mit Anschluss an die Hauswasserleitung. Die Pflanzwände des 2004 in Stockholm gegründeten Anbieters Green Fortune werden zum Beispiel über dünne Rohrleitungen täglich automatisch bewässert und gedüngt. Die Technik dafür befindet sich in einem kleinen wasserdichten Metallkasten, der auch abseits der Pflanzwand – etwa im Bad oder in einer Putzkammer – untergebracht werden kann. Ein kleiner Bruchteil des Bewässerungswassers tropft unten an der Wand wieder ab, wird dort von einer Rinne aufgefangen und in die Gebäudeentwässerung abgeleitet.

Grundlage für die Bepflanzung der vertikalen Beete von Green Fortune ist ein wasserdichtes Textil-Trägermaterial, das in zwei Lagen miteinander verbunden ist. Innerhalb dieser Lagen sind Taschen unsichtbar eingearbeitet, die das Pflanzsubstrat und die Führungen für die Bewässerungsschläuche aufnehmen. Dieses Taschensystem wird auf einer Trockenbau-Unterkonstruktion befestigt.

Einfache Moosplatten

Wandmodul aus Kugelmoos

Wandmodul aus Kugelmoos im Stahlrahmen vom Hersteller Stylegreen.

Deutlich weniger Aufwand erfordern Wandplatten mit extrem pflegeleichtem Bewuchs, die einige Hersteller seit ein paar Jahren anbieten. So haben zum Beispiel die Firmen Stylegreen aus Höhenkirchen und Kreos aus Bad Wurzach Plattenmodule mit einer Oberfläche aus natürlichem Moos im Angebot. Deren Bewuchs wächst dank spezieller Konservierungsverfahren nicht mehr, und die Pflanzen müssen überhaupt nicht gegossen werden. Alles was sie benötigen, um nicht komplett auszutrocknen, liefert die Raumluftfeuchtigkeit. Die muss allerdings mindestens 50 % betragen. Solche Platten gibt es in Form von kleineren Moosbildern, die man sich wie ein Gemälde einzeln an die Wand hängen kann. Die Einzelmodule lassen sich aber auch zu kompletten Mooswänden zusammenfügen.

Beim Hersteller Stylegreen bestehen die Wandmodule aus Holzwerkstoffplatten, auf die das Moos einfach aufgeklebt wurde. Übrigens sind die verwendeten Moosarten eigentlich gar nicht grün, sondern eher grau-cremefarben. Insofern ist es mit der „Natürlichkeit“ dieses Wandgrüns dann doch nicht so weit her. Tatsächlich bieten die Hersteller ihre Moosbilder mittlerweile in unterschiedlichsten Farbtönen an – vom Naturton über Orange, Pink und Blau bis eben hin zu mehreren Grüntönen. Zum Einsatz kommen dafür aber in der Regel unbedenkliche Lebensmittelfarben.


Mehr zum Thema Wohngesundheit finden Sie in Übersicht.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

Die Vorteile von Gründächern

Gründächer gewinnen immer mehr an Bedeutung. In vielen städtischen Bebauungsplänen sind sie bei Neubauten mit Flachdächern bereits vorgeschrieben. Kein Wunder:...

mehr »
 

Hintergrund: Der Wassergehalt von Baustoffen

Die meisten Baustoffe enthalten Poren oder längliche Hohlräume (Kapillare) und nehmen daher regelmäßig Wasserdampf oder sogar flüssiges Wasser auf. Geschieht...

mehr »
 

Welche Funktion haben Grundierungen?

Zu den unübersichtlichsten bauchemischen Fachhandelssortimenten gehört das weite Feld der Grundierungen – auch „Primer“ genannt. Grundierungen gibt es in unterschiedlichsten...

mehr »
Nach oben
nach oben