RM Rudolf Müller
Mit der neuen Radiowellen-Technik lassen sich Schlaglöcher energiesparend sanieren.  Foto: Pixabay

Mit der neuen Radiowellen-Technik lassen sich Schlaglöcher energiesparend sanieren.  Foto: Pixabay

GaLabau und Tiefbau
09. August 2022 | Artikel teilen Artikel teilen

Asphaltsanierung mit Radiowellen

Schlaglöcher gefährden den Autoverkehr und sollten saniert werden. Bei Asphaltstraßen funktioniert das am besten mit heißem Asphalt. Das Unternehmen RWInnoTec bietet eine innovative Erwärmungstechnologie, die Asphalt mithilfe von Radiowellen direkt auf der Baustelle schnell und umweltfreundlich auf die erforderliche Temperatur bringt. Das Verfahren eignet sich aber auch für andere Anwendungen – etwa zur Trocknung von feuchtem Mauerwerk.

Die Verwendung von heißem Asphalt ist für die Sanierung von Straßen vorteilhaft. Doch nicht immer steht das Material zur Verfügung. Vor allem im Winter, wenn die Asphaltmischwerke geschlossen sind, steht oft nur Kaltasphalt zur Verfügung. Und auch nachts ist heißer Asphalt schwer zu bekommen. Das ist durchaus ein Nachteil für die Straßensanierung, denn Kaltasphalt hat eine kürzere Lebensdauer und enthält zudem kritische Lösungsmittel.

Forschungsausgründung RWInnoTec

Auf der Website www.rwinnotec.de wird die Funktionsweise der RWA-24/7-Anlage illustriert.

Auf der Website www.rwinnotec.de wird die Funktionsweise der RWA-24/7-Anlage illustriert.

Das Leipziger Unternehmen RWInnoTec – das RW steht natürlich für Radiowellen – bietet eine Alternative an. „Mit unserer mobilen RWA-24/7-Anlage können wir innerhalb weniger Minuten bedarfsgerecht vorgefertigte Asphaltplatten auf die gewünschte Verarbeitungstemperatur von etwa 160 °C erwärmen, ohne dass die Qualität des Asphalts beeinträchtigt wird und Lösungsmittel freigesetzt werden“, erläutert Geschäftsführer Dr. Markus Kraus.

Der Physiker Kraus hat lange Jahre am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) gearbeitet. Seine jetzige Tätigkeit als Geschäftsführer der RWInnoTec GmbH hängt eng damit zusammen. Denn die neue Erwärmungstechnologie mittels Radiofrequenz-Energie wurde ursprünglich gemeinsam vom UFZ und der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) entwickelt. Um die Innovation verfügbar zu machen, haben sechs der beteiligten Forschenden 2021 RWInnoTec gegründet – unter anderem mit Fördergeldern des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

„Weil mithilfe von Radiowellen Wärme sehr effektiv im Inneren von Objekten erzeugt werden kann und die Erwärmung nicht über die Oberfläche erfolgt, ist ihre Nutzung in der Regel deutlich energiesparender und kostengünstiger als herkömmliche Methoden“, erklärt Markus Kraus den zentralen Vorteil der Technologie.

Vielseitige Anwendungsmöglichkeiten

Die mobile Radiowellen-Anlage von RWInnoTec ist rund um die Uhr auf Asphaltstraßen einsetzbar. Foto: HTWK Leipzig

Die mobile Radiowellen-Anlage von RWInnoTec ist rund um die Uhr auf Asphaltstraßen einsetzbar. Foto: HTWK Leipzig

Die Forschung zu Radiowellen-Anwendungen am UFZ und an der HTWK Leipzig reicht bis in die 1990er-Jahre zurück. Anfangs ging es um den Einsatz bei der Bodensanierung. Mithilfe der RW-Wärme sollten Schadstoffe aus dem Boden abgesaugt und biologische Abbauprozesse unterstützt werden. Nachdem dieses Verfahren erfolgreich in die Praxis überführt wurde, suchten die Forschenden nach weiteren Einsatzmöglichkeiten für die RW-Technik. Dabei ging es zum Beispiel um die Trocknung von Rohbiogas oder Wasserstoff.

Die Forschungsausgründung RWInnoTec hat sich für die mobile Radiowellen-Anlage zur Asphalterwärmung als ihr erstes Produkt entschieden. In Zukunft werden aber weitere Produkte und Dienstleistungen hinzukommen. So soll die Technologie beispielsweise auch bei der Trocknung von feuchtem Mauerwerk und bei der chemikalienfreien Bekämpfung von Holzschädlingen zum Einsatz kommen. Beides wurde in den letzten Jahren bereits im Rahmen von Forschungsprojekten des UFZ und der HTWK Leipzig detailliert untersucht und erfolgreich erprobt.

Zerstörungsfreie Mauerwerktrocknung

Das Verfahren der Mauerwerktrocknung mithilfe von Radiowellen erlaubt die Trockenlegung von bis zu 100 cm starken Wänden in wesentlich kürzerer Zeit als bisher üblich. Wofür andere Technologien Wochen bis Monate brauchen, gelingt per RW-Erwärmung in wenigen Tagen. Bei RWInnoTec wird aktuell ein modulares Maschinensystem erprobt, das in 24 Stunden etwa 1 m³ Wand trockenlegen soll. Möglich ist das mit allen mineralischen Wandmaterialien – von Ziegelsteinen über Kalksandstein und Porenbeton bis hin zu Naturstein und Beton.

Herzstück des Maschinensystems sind – neben einem Radiowellen-Generator und einer Computersteuerung – die Elektroden, die in der Regel beidseitig ans Mauerwerk angelegt werden. Dabei handelt es sich um 1 m² große, wasserdampf-durchlässige Lochbleche. Mithilfe dieser Anordnung lässt sich der komplette Wandquerschnitt zwischen den Elektroden in kurzer Zeit auf rund 100 °C erwärmen. Der Trocknungsprozess erfolgt durch direkte Verdampfung der Feuchtigkeit im Mauerwerk.

Anders als zum Beispiel beim Mauersägeverfahren funktioniert die Radiowellen-Trocknung absolut zerstörungsfrei. Nicht einmal Bohrlöcher sind notwendig, wie man es bei chemischen Injektionsverfahren zur Bekämpfung aufsteigender Feuchtigkeit im Mauerwerk kennt.

Auf seiner Website erwähnt RWInnoTec übrigens noch eine Alternativlösung: Mithilfe einer „patentierten Kopplungstechnologie“ sei es auch möglich, nur einseitig zugängliche Wände zu trocknen – wenn die andere Wandseite zum Beispiel mit Erdreich umgeben ist.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: freierjournalist@rolandgrimm.com

 

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