RM Rudolf Müller
Betonholz

Sieht aus wie Holz: Dank Wetcast-Produktionsverfahren lassen sich auch optische Details perfekt imitieren. Foto: Kann

 
GaLabau und Tiefbau
11. Juni 2013 | Artikel teilen Artikel teilen

Betonstein: Kein anderes Pflaster erlaubt so vielfältige Optiken

Dem Kunststein Beton begegnet man heute überall: beim Hausbau, auf Straßen und Plätzen, aber zunehmend auch im Garten – als Material für Pflastersteine und -platten. Trotz dieses Siegeszuges, oder vielleicht gerade deswegen, hat der Baustoff nach wie vor ein polarisierendes Image. Während die einen über „Betonwüsten“ stöhnen und ein Billigmaterial ausmachen, das nur aus wirtschaftlichen Gründen zum Zuge komme, schwärmen die anderen von den vielfältigen Form- und Farbgebungen, die nur mit einem so flexiblen Material wie Beton möglich seien.

Eins kann man Beton heute jedenfalls nicht mehr vorwerfen: dass er nur grau und damit langweilig wäre. Wer seinen Garten mit Betonstein pflastern möchte, hat ein riesiges Angebot zur Auswahl, dass sich selbst vor der optischen Vielfalt der Natursteine nicht zu verstecken braucht. Kein Wunder, denn mit modernen Betonrezepturen und Produktionstechniken lässt sich im Prinzip jede beliebige Oberflächenoptik nachbilden. Oft ist es die Welt der Natursteine, die dabei täuschend echt kopiert wird.

Betonstein gilt als Kunststein, weil er kein Naturprodukt ist, sondern vom Menschen bewusst aus verschiedenen Materialien zusammengesetzt wird. Das bedeutet aber nicht, dass auch seine Bestandteile künstlich wären. Die edleren Betonsteine enthalten zumindest in ihrer obersten Schicht – dem so genannten Vorsatzbeton – durchaus hochwertige Natursteinkörnungen. Genau genommen besteht selbst 0815-Beton neben Zement und Wasser auch aus natürlichen Gesteinskörnungen, und selbst der Zement enthält in der Regel Kalkstein – also einen Naturstein!

Doch wir wollen die Natursteinanhänger nicht weiter mit solch spitzfindigen Überlegungen reizen. Wenn wir von Naturstein sprechen, meinen wir ja in der Regel Materialien wie Granit, Basalt oder Marmor und nicht Kies, Schotter oder Kalkstein. Selbstverständlich ist ein durchschnittlicher Betonstein billiger als ein edler Naturstein, das belegt der Preisvergleich. Und ein Betonstein, der einen Naturstein imitiert, ist ebenso wenig mit dem Original gleichzusetzen, wie vergoldetes Messing mit einem massiven Goldstück.

Betonstein hat viel zu bieten

Das eben Gesagte spricht aber nicht gegen Betonsteinpflaster. Normalerweise ist es ja nicht unser vorrangiges Ziel, die Welt mit Materialien zu pflastern, die möglichst viel wert sind. Meist wählen wir Baustoffe, die einfach ihren Zweck erfüllen, bei denen das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt und die darüber hinaus möglichst auch noch gut aussehen. Wenn man es so betrachtet, hat die Betonsteinindustrie einiges zu bieten: Viele Produkte überzeugen auch mit ihren technischen Werten, und die Vielfalt an Oberflächenformen und -farben ist schier unendlich. Einfaches Betonpflaster ist zudem schon für weniger als 10 Euro pro Quadratmeter erhältlich. Wobei das Preisspektrum mittlerweile groß ist: Pflaster mit edlen Oberflächen und aufwändigen Schutzschichten kosten mitunter kaum weniger als so mancher Naturstein.

Die Industrie hat unterschiedlichste Oberflächenbeschichtungen entwickelt, die Betonstein mehr oder weniger dauerhaft vor dem Eindringen von Flüssigkeiten und Schmutzpartikeln schützen und das Material pflegeleichter machen. Auch mit Frost- und Tausalzbeständigkeit wird oft geworben. Betonstein gilt zudem als robust und widerstandsfähig und hat als industriell gefertigter Baustoff den Vorteil, dass er maßhaltig ist und damit auch maschinell verlegt werden kann.
Viele Hersteller werben zudem mit der mittlerweile hohen Farbbeständigkeit ihrer Produkte. Bunter Betonstein enthält oft Farbpigmente, die mit der Zeit ausbleichen können. Zweifellos hat die Industrie in den letzten Jahren viel unternommen, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Gute Betonsteine sind deshalb heute auch relativ farbbeständig – wenn auch sicher nicht im gleichen Maße wie Natursteine oder Tonklinker.

Herstellungsverfahren

Optische Vielfalt von Betonsteinen

Alles aus Beton: Der flexible Baustoff ermöglicht eine große optische Vielfalt. Fotos: braun – Ideen aus Stein

Es gibt verschiedene Methoden, Betonsteine herzustellen, und sie haben alle eins gemeinsam: Zunächst wird Frischbeton in Schalungsformen gefüllt, die meist aus Metall oder Kunststoff bestehen. Beim so genannten Hermetikverfahren füllt man erst den relativ dünnflüssigen Vorsatzbeton – also die etwa 1 cm dicke Oberflächenschicht – in die Form. In einem zweiten Schritt wird der einfache Hinterbeton dazu gegeben, der eine deutlich trockenere Konsistenz hat. Er wird in mehreren Schichten eingefüllt und zwischendurch durch Pressen immer wieder verdichtet. Man spricht deshalb auch von Pressbeton. Die so entstandenen Steinrohlinge werden anschließend entschalt – also von der Form befreit – und zum Abbinden auf Paletten gelagert.

Für dünne Betonsteinplatten wird meist das so genannte Nasspressverfahren angewendet. Im Gegensatz zum Hermetikverfahren gießt man dabei nur eine einzige Betonschicht in die Schalung. Da das verwendete Material vergleichsweise dünnflüssig ist, muss die Form so gearbeitet sein, dass das Wasser beim Pressvorgang entweichen kann.

Die meisten Produkte der Betonsteinindustrie bestehen aus Pressbeton, daneben gibt es aber auch noch den so genannten Gussbeton – eine Spezialität, die in den letzten Jahren vermehrt auf den Markt drängt. Sie wird zum Beispiel im so genannten Wetcast-Verfahren hergestellt. Bei dieser Produktionsmethode wird sehr feinkörniger Beton in Formen gegossen und erst nach dem Abbinden wieder entnommen. Ein früheres Entschalen ist nicht möglich, da das relativ flüssige Material sofort wieder auseinander fließen würde. Mithilfe dieser Technik lassen sich besonders filigrane Oberflächenstrukturen nachbilden. Da er sehr feinkörnig ist, fließt der Beton auch in die kleinsten Vertiefungen der Form. So ist es zum Beispiel möglich, Betonsteine zu produzieren, die bis ins Detail wie Holzdielen aussehen (siehe Foto). Die Faszination, die von solchen Wetcast-Produkten ausgeht, konnte man zum Beispiel auf den GaLaBau-Messen der letzten Jahre beobachten. „Betonholz“-Platten zählten dort zu den Publikumsmagneten.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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