RM Rudolf Müller
Verfugung mit harzgebundenen Fugenfüllern

 
GaLabau und Tiefbau
12. Mai 2011 | Artikel teilen Artikel teilen

Der richtige Fugenmörtel für unterschiedliche Pflaster

Immer häufiger werden Pflasterbeläge heute in „verbundener Bauweise“ erstellt. Der Grund sind meist die hohen mechanischen Belastungen, denen die Beläge ausgesetzt sind. Daneben ist es aber oftmals auch der Wunsch, ein pflegeleichtes Pflaster zu erhalten. Entscheidend für diese Bauweise ist der Einsatz geeigneter Pflasterfugmörtel zum Verfüllen der Fugen zwischen den Pflastersteinen sowie deren fachgerechte Verarbeitung.

Haus mit verbundenen PflastersteinenBei der Pflasterverlegung unterscheidet man heute zwei Bauweisen: die ungebundene und die gebundene Bauweise. „Ungebunden“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sich die unterhalb der Pflastersteine befindliche Trag- und Bettungsschicht aus lose eingebautem Schotter und Splitt zusammensetzt. Eine Verfestigung findet lediglich durch den Rüttelprozess statt. Für die Verfüllung der Fugenzwischenräume kommen ebenfalls lose Sande bzw. feine Splitte zum Einsatz, die lediglich eingekehrt werden.

Diese über lange Zeit bewährte Bauweise zeigt leider in den letzten Jahren verstärkt ihre Schwächen. Zum einen liegt dies an dem immer höheren Verkehrsaufkommen und den damit steigenden Verkehrslasten. Zum anderen sind es die modernen Kehrsaugmaschinen, die während des Kehrprozesses die Fugenverfüllungen (Sand) aus der Fuge herausziehen. In der Folge verlieren die Pflastersteine ihren Halt, das Pflaster verschiebt sich und das Herausfallen einzelner Steine ist vorprogrammiert.

Aus diesen Gründen werden Pflasterflächen mittlerweile vermehrt in gebundener Bauweise hergestellt. Dies bedeutet, dass die Tragschicht (Beton oder Bitumen), der Bettungsmörtel und der Fugenfüller bindemittelhaltig sind und nach dem Einbau aushärten, sodass abschließend z. B. eine hoch belastbare Straße entstehen kann. Auch im privaten Bereich ist dieser Trend hin zur gebundenen Bauweise spürbar. Immer mehr Bauherren lassen bei der Gestaltung von Pflasterflächen im privaten Garten die Fugen dauerhaft fest verfüllen. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass sie pflegeleichtes Pflaster wünschen, aus dem keine Moose und kein Unkraut herauswachsen.

 

 

Zementäre Fugenfüller

Verfugung mit zementären Fugenfüllern

Unterschieden wird bei den Fugenfüllern für diese Pflasterflächen zwischen hydraulisch (also zementär) gebundenen Mörteln und harzgebundenen Systemen. Will man eine versiegelte Pflasterfläche herstellen, die gleichzeitig auch hohe Lasten aufnehmen kann, sind die hydraulisch abbindenden Fugenmörtel zu verwenden. Wichtig: Diese sind aber nur dann einsetzbar, wenn die Pflastersteine in einer gebundenen Bettungsschicht hammerfest versetzt sind. Eine ungebundene Pflasterdecke hat einen Federeffekt, d. h. sie ist ständig in Bewegung. Die sehr festen und starren zementgebundenen Fugen würden somit reißen und herausbrechen. Für diese Anwendung sind daher harzgebundene Fugenfüller einzusetzen.
Der Vorteil zementärer Fugenfüller liegt darin, dass sie sich relativ einfach verarbeiten lassen. Nachdem die Pflastersteine versetzt sind und der Bettungsmörtel abgebunden hat, wird der Fugenmörtel einfach ausgegossen und mit einem Wischgummi in die Fugen geschoben. Auf diese Wiese lassen sich selbst Keilfugen oder schmale Fugen auf Grund der dünnen Konsistenz des Materials gut und leicht auffüllen. Nach dem Einbringen und einer kurzen Standzeit wird das Überschussmaterial mit einem Wasserschlauch und einem Schrubber entfernt bzw. abgewaschen. Nach wenigen Tagen der Aushärtung sind die Flächen wieder begehbar und entsprechend belastbar.

Harzgebundene Fugenfüller

Bei der Gestaltung von privat genutzten Pflasterflächen wie Gehwegen im Garten, Hauseingängen oder Einfahrten zur Garage, also bei Flächen mit geringer Verkehrsbelastung, werden in der Regel harzgebundene Fugenfüller verwendet. Diese haben auch den Vorteil, dass sie in der Regel drainagefähig sind: Wählt man ein Pflaster mit nicht zu geringer Fugenbreite und füllt die Fugen mit diesen Fugenfüllern, bleibt die Fläche versickerungsfähig. Sie gilt somit als „nicht versiegelt“ – ein auch im Hinblick auf mögliche Abwasserabgaben nicht zu vernachlässigender Aspekt.

Anders als hydraulische Fugenfüller lassen sich harzgebundene Systeme auch auf einem ungebundenen Unterbau (also Kies-/Schotterschicht) einsetzen, da sie weniger starr sind. Sie sind in der Lage, den Federeffekt des Pflasters bei Belastung oder Verformungen bedingt durch Temperaturschwankungen schadensfrei aufzunehmen. Voraussetzung ist jedoch eine ausreichende Fugenbreite und -tiefe. In der Regel sollte die Fuge auf etwa 2/3 der Steindicke mit einem Fugenfüller aufgefüllt sein.
Plant man allerdings z. B. eine Garageneinfahrt mit Gefällesituation, ist es sinnvoll, die Pflastersteine in eine 8–10 cm dicke, drainagefähige Mörtelschicht zu versetzen erst dann zu verfugen. Dies gibt dem Gesamtaufbau eine bessere Stabilität und verhindert die leichte Fahrspurenbildung, die sich bei Garageneinfahrten immer wieder beobachten lässt.

Ein- oder zweikomponentige Systeme?

Bei den harzgebundenen Systemen unterscheidet man einkomponentige und zweikomponentige Systeme. Diese unterscheiden sich zum einen durch unterschiedliche Verarbeitungsweisen und zum anderen durch ihre Endfestigkeit. So härten die zweikomponentigen Systeme mit einer höheren Endfestigkeit aus und sind somit auch bei höheren Verkehrslasten einsetzbar. Im Fußgängerbereich kann man dagegen problemlos auch mit einkomponentigen Produkten verfugen.

Wird das einkomponentige System gewählt, ist darauf zu achten, dass vor dem Einbringen die Pflasterfläche sauber und absolut trocken sein muss. Dies gilt auch für den Trocknungsprozess nach dem Einbringen – gegebenenfalls muss also ein Regenschutz eingesetzt werden. Wird dieser Punkt missachtet, kommt es zu unschönen Schleier- und Schaumbildungen. Die Verarbeitung ist insofern einfach, da lediglich das Gebinde (Eimer) zu öffnen ist und der klebrig wirkende Sand so lange in die offenen Fugen eingekehrt wird, bis diese voll sind. Überschussmaterial wird abgekehrt. Nach wenigen Stunden ist der Mörtel abgebunden und die Fläche kann genutzt werden.
Zweikomponentige, harzgebundene Fugenfüller müssen vor dem Einbringen mit einer Härterkomponente vermischt werden. Die Pflasterflächen werden gut vorgenässt, was das Einbringen des Fugenmörtels nochmals vereinfacht. Durch den Wasserfilm gleitet der Fugenmörtel regelrecht in die offenen Fugen. Für das Einbringen kann ebenfalls ein Besen verwendet werden. Überschussmaterial wird entsprechend abgekehrt.
Die heute im Markt befindlichen Fugenfüller sind qualitativ sicher sehr unterschiedlich zu bewerten, plant man entsprechende Baumaßnahmen, ist es daher sinnvoll, zunächst die Anwendungstechnik namhafter Hersteller zu kontaktieren, um eine mangelfreie Pflasterfläche herstellen zu können.Quelle: baustoffpraxis 09/2010
Alle Fotos: Sopro Bauchemie


 

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