RM Rudolf Müller
Farbspektrum Pflasterklinker

Breites Farbspektrum: Klinker müssen heute nicht mehr grundsätzlich rot sein.

 
GaLabau und Tiefbau
06. Juni 2013 | Artikel teilen Artikel teilen

Pflasterklinker: Pflegeleicht und unverwüstlich

Wer seinen Garten nicht mit Betonstein pflastern möchte oder wem Naturstein zu teuer ist, für den sind Pflasterklinker möglicherweise eine gute Alternative. Aber aufgepasst: Es muss optisch passen! Denn obwohl das tonhaltige Material mittlerweile auch in einer erstaunlich breiten Farbpalette angeboten wird, passen die meist kräftigen Töne nicht unbedingt zu jeder Hausfassade. Abgesehen von diesen Einschränkungen kann man mit Klinkerpflaster aber nicht viel falsch machen, denn es ist praktisch unverwüstlich und sehr pflegeleicht.

Klinker sind zwar eng verwandt mit Tonziegeln, es handelt sich aber nicht um dasselbe Material. Vereinfacht kann man sagen, dass Klinker Ziegel sind, die besonders hart gebrannt wurden. Gibt man tonhaltigen Lehm bei Temperaturen unter 1.200°C in den Ofen, dann entstehen normale Ziegel. Ab 1.200°C aber beginnt die so genannte Sinterung, das heißt, die Rohstoffmasse wird zunehmend dichter, vorhandene Luftporen schließen sich. Das Ergebnis sind sehr feste Steine, die einen hellen Klang erzeugen, wenn man sie aneinander schlägt. Daher haben sie auch ihren „klangvollen“ Namen: Klinker.

Klassisch norddeutsch

Klinker sind hierzulande vor allem in Norddeutschland als traditionelle Baustoffe weit verbreitet. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass es im Flachland relativ wenig Natursteinvorkommen gibt, die Menschen mussten sich also seit jeher nach alternativen Baumaterialien umsehen und entdeckten so das Potenzial tonhaltiger Lehmböden.

Bis heute sind Klinker daher in Norddeutschland das am weitesten verbreitete Baumaterial für Gebäudefassaden und Pflasterflächen. Gegenüber Natursteinen haben sie den großen Vorteil, dass sie erheblich günstiger sind. Einfachen Pflasterklinker erhält man bereits zu Preisen unter 20 Euro pro Quadratmeter. Da es sich um industriell gefertigte Kunststeine handelt, sind sie zudem maßhaltiger und leichter zu verarbeiten als Natursteine.

Wo bereits ein Klinkerhaus steht, passen Pflasterklinker naturgemäß ideal. Ansonsten sind die kräftigen Klinkerfarben allerdings nicht für jede Umgebung geeignet. Pflaster- und Fassadenfarbe sollten schon halbwegs harmonieren – man kombiniert ja auch nicht ein rot-blaues Holzfällerhemd mit einer knallgelben Hose.

Allerdings hat sich bei den Farben mittlerweile viel getan. Der klassische Klinker ist zwar rot wie gebrannter Ton. Durch Hinzumischung verschiedener Zuschlagstoffe lässt sich das Spektrum aber erweitern, sodass es heute zum Beispiel auch Klinker in Braun- und Gelbtönen gibt. Bunte Klinker, die neben Rot auch einen blau-violetten Schimmer haben, entstehen durch Sauerstoff-Reduzierung während des Brennens. Darüber hinaus lässt sich der Baustoff – ähnlich wie Dachziegel – auch glasieren, wodurch viele weitere Farben möglich sind.

Überzeugende Eigenschaften

Bunter Klinker

Die Optik „bunter Klinker“ entsteht durch Sauerstoffreduzierung während des Brennvorgangs. Fotos: Wienerberger

Aufgrund ihrer geschlossenen Poren nehmen Klinker kaum Wasser auf, sind ausgesprochen hart, frost- und abriebfest sowie widerstandsfähig gegen Schmutz, Chemikalien und Witterungseinflüsse. Natürliche Verschmutzungen werden in der Regel vom Regen wieder ausgewaschen, eine besondere Pflege ist nicht notwendig. Das Material ist zudem säurefest und bleicht nicht aus. Ähnlich wie Natursteine altern Klinker nicht, oder besser gesagt: Sie werden mit zunehmender Lebensdauer zumindest nicht unansehnlicher. Es ist sogar gängige Praxis, dass man altes Pflasterklinker, das an einem Ort nicht mehr benötigt wird, an einer anderen Stelle einfach wieder neu verlegt.

Klinker sind zudem sehr maßhaltig und erlauben daher die Erstellung ebener Oberflächen. Das Problem der Rutschigkeit löst die Industrie durch spezielle Nachbehandlungen. So werden die glatten Steinoberflächen trittsicherer, indem man sie zum Beispiel rumpelt oder riffelt. Auch in Sachen Belastbarkeit lassen Klinker kaum Wünsche offen, wobei in diesem Zusammenhang die Materialstärke eine Rolle spielt. Für Gartenwege und Terrassen reicht normalerweise eine Dicke von 45 mm, in befahrenen Bereichen sollte man auf mindestens 60 mm erhöhen.

Kein Baustoff ist perfekt. Demnach müsste es doch auch einen Bereich geben, in dem Pflasterklinker nicht so gut abschneiden. Und den gibt es natürlich auch. Anders als die porösen Ziegelsteine, aus denen heute oft das Hintermauerwerk moderner Wohnhäuser gebaut wird, sind Klinker, wie erwähnt, porenfreie Baustoffe. Deshalb ist ihre Fähigkeit zur Wärmedämmung eher bescheiden. Aber dafür wurden Klinker ja auch nicht erfunden.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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