RM Rudolf Müller

Eine fertig aufgebaute Terrasse.

Baustoff Know-How
11. März 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Gestaltung und Befestigung von Außenflächen

Neben dem eigentlichen Hausbau, welcher nach den Wünschen des Bauherren erfolgt, ist über die letzten Jahre merklich die Außenfläche und dessen professionelle Gestaltung mit in den Fokus des Bauherren gerückt.

Speziell bei höheren oder hohen Verkehrslasten hat sich bei Außenflächen zweifelslos die gebundene Bauweise bewährt, das heißt die Platten/Steine sind in einem tragfähigen gebundenen Mörtelbett verlegt/versetzt und noch mit einem gebundenen Fugenmörtel verfugt. Dieser Aufbau ist aufwendig, etwas kostenintensiver und lediglich bei Fußgängerbelastung, wie bei vielen privaten Terrassen der Fall, auch manchmal etwas überdimensioniert.

Um aber trotzdem eine leicht reinigbar und pflegeleichte Fläche mit geschlossener Fuge (aus welchen kein Gras wächst) mit einem Belag aus Platten zu erhalten, bietet sich folgende Lösung an. Gerade die großformatigen Materialien mit ihren vielen verschiedenen Oberflächen und den entsprechenden Formatgrößen stehen derzeit hoch im Kurs für die Gestaltung der Außenflächen. Zum einen sind dies die Naturstein-, Betonwerkstein- und in den letzten Jahren sehr prominent gewordenen keramischen Materialien. Der optischen Gestaltungsmöglichkeit sind nahezu keine Grenzen gesetzt. Die Plattendicke bewegt sich je nach Material zwischen 2 bis 5 Zentimeter. Die keramischen Platten sind in der Regel 2 Zentimeter stark, Entwicklungen hin zu 3-Zentimeter-Platten sind erkennbar.

Knackpunkt einer losen Verlegung von dünnschichtigen Platten waren bisher Wippeffekte, daraus resultierend Höhenversätze von Platte zu Platte und herausbröckeln der Fugenfüller. Eine Hauptursache dieser sich einstellenden Mängel ist, dass der Plattenrückseite bei der losen Verlegung zum Unterbau (Splittbett) eine belastbare kraftschlüssige Verbindung fehlt. Dies ist leicht erkennbar, wenn man eine Platte auf eine verdichtete Kiesschicht legt und von der Seite dagegen drückt. Nahezu ohne Widerstand lässt sich die Platte wegschieben, sie gleitet nahezu wie auf einem Bett aus Kugeln. Der möglicherweise verwendete Fugenfüller kommt dann aufgrund seiner spröden Härte schnell an seine Grenzen und zerbricht. Das heißt die Bewegungen müssen reduziert werden und der Fugenfüller benötigt im ausgehärteten Zustand eine zähelastische Materialzusammenstellung.

Reduzierung der Bewegungen von Außenflächen

Verdichten der ungebundenen Trag- und Frostschutzschicht. Foto Sopro

Der Unterbau ist wie bei allen Außenflächen durch die Herstellung einer Fläche mit entsprechend dick dimensionierter Frostschutzschicht vorzubereiten. Diese ist mit geeigneter Rüttelplatte zu verdichten, so dass der weitere Aufbau erfolgen kann. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass eine Fläche welche in „teilgebundener oder loser Verlegung“ entstehen soll eine Randeinfassung in Form von Stellkanten und der gleichen benötigt. Die Frostschutzschicht ist vom Höhenniveau so zu planen und einzubauen das bis 0K Fertigfußboden noch etwa 4 bis 6 Zentimeter Raum für den Bettungssplitt plus der Plattendicke vorhanden sind.

Der Bettungssplitt spielt für das Gelingen eine entscheidende Rolle – er muss gebrochen und scharfkantig sein, damit nach dem abziehen und dem verdichten (zum Beispiel mit Holzbrett) eine Verzahnung der einzelnen Körner untereinander entsteht.

Die so entstandene Stabilität kann man schnell erkennen, wenn man sich auf der Baustelle auf den Splitt stellt und nicht einsinkt. Bei Rundkornmaterial versinkt man sofort und die Bettungsschicht schiebt sich zur Seite.

Damit nun die Platten eine kraftschlüssige Verbindung zum scharfkantigen Splittbett herstellen können, wird sie Rückseitig mit Fliesenkleber (zum Beispiel „No.1“ von Sopro) im Buttering-Floating-Verfahren mit großer Zahnleiste (12 bis 14 Millimeter) abgekämmt. Die „dicken“ Klebestege erleichtern die planebene Verlegung, weil nun noch etwas Puffer vorhanden ist für eine kantenbündige Verlegung von Platte zu Platte. In der Splittbettoberfläche sind trotz aller Perfektion beim abziehen leichte Unebenheiten vorhanden. Gerade bei sehr scharfkantigen Plattenkanten, wo Überzähne sofort auffallen, ist das Feinjustieren über die Klebestege eine zusätzliche Hilfe, um ein perfektes Verlegebild zu erreichen.

Ist der Kleber nach einigen Stunden ausgehärtet, lässt sich die Platte nicht mehr verschieben. Die Platte hat sich mit dem Splittbett verbunden, dadurch zusätzlich mehr Masse und gleichzeitig eine scharfkantige Verzahnung in den Splittbettaufbau erhalten. Nimmt man eine so verlegte Platte auf, stellt man fest, dass sie um einiges schwerer geworden ist und ihre Rückseite eine scharfkantige stachelige Oberfläche besitzt.

Die Fugen von Außenflächen füllen

Damit das System abschließend funktioniert und für den Bauherren zu einer pflegeleichten Oberfläche wird, ist ein Fugenfüller mit zähelastischen Eigenschaften („Solitär F20“ von Sopro) einzubauen.

Das Einbringen des Fugenfüllers gestaltet sich von der handwerklichen Seite als einfach. Die Mischung wird mittels Wasserschlauch und Gummischieber in die Fugen eingebracht. Wichtig ist, dass eine flüssige schlämmfähige Konsistenz entsteht, damit der Fugenfüller bis zur Plattenunterkante gelangt und dort eine Art Plombe bildet, die beide Platten zusätzlich noch miteinander verbindet.

Dieses flüssige Einbringen des Mörtels sorgt weiterhin dafür, dass die Fuge einen sehr guten Füllgrund erhält und nicht wie bei schlecht gefüllten Fugen herausbricht oder gar nach unten weg sackt.

Die so mit überschaubar geringem Aufwand hergestellte Fläche hält der Nutzung durch Begehung stand und erlaubt Formatgrößen von bis zu 80 Zentimeter Kantenlänge. Je nach Größe der Fläche kann es sinnvoll sein, Bewegungsfugen mit anzulegen.

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Der Autor


Mario Sommer ist Leiter der Architekten- und Objektberatung bei Sopro.

 

 

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