RM Rudolf Müller
Die Lobby der Bloomberg-Zentrale in London wurde mit amerikanischer Rot-Eiche verkleidet. Foto: Foster+Partners / Nigel Young

Die Lobby der Bloomberg-Zentrale in London wurde mit amerikanischer Rot-Eiche verkleidet. Foto: Foster+Partners / Nigel Young

Grundstoffe des Bauens
11. April 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Rot-Eiche im Gebäudebereich

In den USA ist die Rot-Eiche die am meisten verbreitete Laubbaumart, in Europa dagegen noch relativ unbekannt. Das könnte sich ändern, denn die Amerikaner wollen ihre „American Red Oak“ verstärkt auf dem europäischen Markt verkaufen und forcieren ihre Marketingaktivitäten. Tatsächlich sind die Einsatzmöglichkeiten in Bau- und Möbelindustrie groß, und die Rahmenbedingungen für den Laubholz-Export in die EU scheinen aktuell günstig.

Nach Ansicht des Verbandes für amerikanische Laubhölzer (American Hardwood Export Council) ist es für Holzeinkäufer in Europa derzeit besonders attraktiv, amerikanische Rot-Eiche zu kaufen. Natürlich ist diese AHEC-Aussage interessegeleitet, schließlich betreibt der Verband weltweit Absatzförderung für amerikanische Laubhölzer. Es sprechen aber auch Fakten für die These der Lobby-Organisation: Holz aus amerikanischer Rot-Eiche ist nicht nur reichlich vorhanden, sondern wird derzeit auch relativ günstig angeboten.

Überkapazitäten am Markt

Das Kernholz der Rot-Eiche schimmert meist rosa bis rötlich-braun. Foto: AHEC

Das Kernholz der Rot-Eiche schimmert meist rosa bis rötlich-braun. Foto: AHEC

Das liegt nicht zuletzt daran, dass China im Handelsstreit mit den USA 2018 Strafzölle auf amerikanische Laubholzimporte erhoben hat. Diese treffen die amerikanische Holzindustrie schwer, denn die Chinesen kauften bislang bis zu 60 % der amerikanischen Laubholz-Exporte und sie sind auch der größte Abnehmer von Rot-Eiche aus den USA.

Der höhere Preis für Importeure, aber auch die zuletzt schwächere chinesische Konjunktur haben dafür gesorgt, dass die Nachfrage aus dem Reich der Mitte gesunken ist. Die Amerikaner sitzen nun also auf Überkapazitäten an Rot-Eiche und suchen nach neuen Abnehmern. Für europäische Importeure ist das von Vorteil, da sie von sinkenden Preisen profitieren können.

Londoner Prestigeobjekt

Obwohl in Deutschland und Europa die Eiche-Optik traditionell beliebt ist – etwa für Möbel, Wand- und Bodenbeläge –, ist die Rot-Eiche bei uns bisher noch kein Volumenartikel. Schließlich verfügt der alte Kontinent über genügend eigene Eichenbestände. Durch die neue Preissituation könnte sich die Marktsituation aber ändern. Der AHEC betreibt in diesem Sinn aktiv Marketing. Dabei kommt ihm zupass, dass es mittlerweile auch in Europa große Prestigeobjekte gibt, bei denen amerikanische Rot-Eiche eine Hauptrolle spielt.

Ein viel beachteter Vorzeigebau für Rot-Eiche im Innenausbau ist etwa die 2017 in London eröffnete Europa-Zentrale des Finanz- und Medienkonzerns Bloomberg. Projektarchitekt Michael Jones von Foster+Partners hat dort allein für Bodenbeläge 37.160 m2 Rot-Eiche verarbeiten lassen. In der riesigen Eingangshalle des Gebäudes kam das Holz zudem als Verkleidung für die geschwungenen Decken- und Wandkonstruktionen zum Einsatz (Foto ganz oben). Um den Nachhall in der Lobby zu verringern, wurde das Holz per Laser mikro-perforiert. Die kaum sichtbaren Löcher absorbieren Schall.

Fest und schnellwüchsig

Weshalb sollte die Rot-Eiche – abgesehen von den aktuell gesunkenen Preisen – für Bauwesen und Möbelindustrie in Europa attraktiv sein? Für das Material spricht unter anderem seine Festigkeit. Die Rot-Eiche wird der Festigkeitsklasse D40 nach DIN EN 338 zugerechnet. In deutschen Wäldern wachsen überwiegend die Arten Stieleiche und Traubeneiche, die zu den Weiß-Eichen gehören. Diese werden nur der Festigkeitsklasse D30 zugeordnet.

Die Rot-Eiche ist zudem eine schnell wachsende, hochwüchsige Baumart. Die Stämme schießen zwischen 20 und 35 Meter in die Höhe, ihr Durchmesser kann bis zu zwei Metern betragen. Die Rot-Eiche liefert also in vergleichsweise kurzer Zeit viel Holz. Nach Angaben des AHEC wachsen in den US-Wäldern jede Sekunde zwei Kubikmeter neues Rot-Eiche-Holz nach. Es handelt sich in diesem Sinn um das „produktivste“ Laubholz Amerikas – eine Eigenschaft, die dem Trend zur Nachhaltigkeit im Bauwesen entgegenkommt. Am schnellsten wachsen die Bäume im amerikanischen Süden.

AHEC-Zahlen zufolge gibt es in den US-Wäldern derzeit etwa 2,48 Milliarden m3 Rot-Eiche-Holz. Das sind etwa 18,7 % gesamten US-Laubholzvorrats. Jährlich wachsen 55,2 Millionen m3 nach, die Ernte liegt bei 33,9 Millionen m3 pro Jahr.

Markante Optik

Rot-Eichenholz ist poröser und optisch ungleichmäßiger als das von Weiß-Eichen. Foto: AHEC

Rot-Eichenholz ist poröser und optisch ungleichmäßiger als das von Weiß-Eichen. Foto: AHEC

Trotz des Namens hat das Holz der Rot-Eiche übrigens keineswegs immer eine rötliche Färbung. Der Name kommt vielmehr von den roten Baumblättern im Herbst. Immerhin schimmert das Kernholz des Baums meist rosa bis rötlich-braun. Das Splintholz ist dagegen normalerweise hellbraun.

Der AHEC beschreibt die Maserung des Holzes als „markant“. Das kann man so ausdrücken. Verglichen mit der typischen deutschen Eiche ist die Maserung definitiv lebendiger im Sinne von ungleichmäßiger. Viele Holzexperten betrachten das Holz wegen dieser Optik als weniger wertvoll. Sie bevorzugen das gleichmäßig hellfarbige Holz europäischer Eichen. Aber natürlich ist das letztlich eine Geschmacksfrage.

Verwendung im Außenbereich

Ein definitiver Nachteil der Rot-Eiche ist es, dass ihr Holz weniger resistent gegen holzzerstörende Pilze ist als das von Weiß-Eichen. Nach Angaben der Informationsseite www.holzvomfach.de, die vom Gesamtverband Deutscher Holzhandel (GD Holz) betrieben wird, ist Rot-Eichenholz ungeschützt für den Außeneinsatz nicht geeignet. Auch die Verwendung als tragendes Bauholz wird durch die Anfälligkeit gegenüber Holzschädlingen einschränkt. Das Holz der Rot-Eiche ist zudem poröser und rissanfälliger als das von Weiß-Eichen und zum Beispiel nicht für die Aufbewahrung von Flüssigkeiten geeignet (Eichenfässer!).

Andererseits lässt sich das Holz auf umweltschonende Weise so behandeln, dass es widerstandsfähiger wird. So wird amerikanische Rot-Eiche zum Beispiel oft als Thermoholz geliefert. Dann ist das Material resistenter gegen Fäulnis, Insekten und Mikroorganismen und bekommt eine attraktive, dunkle Farbe. Danach ist es auch im Außenbereich – zum Beispiel für Terrassen – verwendbar.

Thermoholz entsteht durch eine Wärmebehandlung mit heißem Wasserdampf. In diesem Zusammenhang ist noch ein weiterer Vorteil von Rot-Eichenholz zu nennen. Es lässt sich unter dem Einfluss von Wasserdampf sehr gut biegen ohne zu brechen und ist allgemein biegsamer das Holz der traditionellen europäischen Eichen.

Haupteinsatzbereiche

Aufgrund ihrer hervorragenden Dampfbiegeeigenschaften eignet sich die Rot-Eiche gut für den Möbelbau. Auch die markante Optik ist in diesem Bereich oft gefragt. Nach dem Trocknen ist das Holz hart, verfügt über ein gutes Stehvermögen und lässt sich leicht endbearbeiten. Deshalb eignet es sich auch gut für Fußböden. Das Raumgewicht des Holzes beträgt 705 kg pro Kubikmeter (bei 12 % Holzfeuchte).

Laut AHEC liegen die hauptsächlichen Verwendungszwecke für amerikanische Rot-Eiche neben Möbelbau und Fußböden bisher in den Bereichen Türen, Innenausbauten, Leisten und Profile sowie Küchenschränke.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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