RM Rudolf Müller
Typisches Holzrahmenhaus mit Wärmedämmverbundsystem aus Holzfaser-Dämmplatten.  Foto:  Fraunhofer WKI / Norbert Rüther

Typisches Holzrahmenhaus mit Wärmedämmverbundsystem aus Holzfaser-Dämmplatten.  Foto:  Fraunhofer WKI / Norbert Rüther

Grundstoffe des Bauens
14. November 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Studie: Holzbau im Klimawandel

Bauphysikalische Schäden an Holzbauten als Folge des Klimawandels sind in den nächsten 100 Jahren nicht zu erwarten. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie, in der das Fraunhofer WKI die künftige Standhaftigkeit heutiger Holzhäuser auf Basis aktueller Prognosen zur Erderwärmung simuliert hat.

Der Juni 2019 war der heißeste Juni in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Auch in den Jahren zuvor gab es regelmäßig neue Temperaturrekorde. Angesichts des kaum noch zu leugnenden Klimawandels ist die Frage berechtigt, ob die Veränderungen auch Auswirkungen auf unsere bisherige Art zu bauen nach sich ziehen müssen.

Ist es auch unter den für die nächsten 100 Jahre prognostizierten klimatischen Bedingungen noch sinnvoll, mit Holz zu bauen? So lautet die zentrale Frage der Studie „Holzbau im Einfluss des Klimawandels – Entwicklung von Strategien zur Sicherung der Gebrauchstauglichkeit“, die das Fraunhofer-Institut für Holzforschung (Wilhelm-Klauditz-Institut WKI) in Zusammenarbeit mit dem Holzbau Deutschland-Institut durchgeführt hat – dem Forschungsinstitut von „Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister“.

Keine negativen Auswirkungen

„Wir haben die Gebrauchstauglichkeit von Holzbauten in Deutschland unter Berücksichtigung der prognostizierten klimatischen Bedingungen bis zum Jahr 2115 analysiert und sind zu dem Schluss gelangt, dass die Änderungen des Klimas keine negativen Auswirkungen auf das Bauen mit Holz haben“, fasst Projektleiter Norbert Rüther zusammen.

Die prognostizierten Änderungen des Klimas werden im Raum der Bundesrepublik Deutschland keinen signifikanten, negativen Einfluss auf das Bauen mit Holz haben“, heißt es im Abschlussbericht der Studie. Innerhalb der betrachteten nächsten 100 Jahre seien keine bauphysikalischen Schäden aufgrund des Klimawandels zu erwarten. Konstruktionen, die nach aktuellen Regeln der Technik erstellt werden und gebrauchstauglich sind, seien auch unter den prognostizierten klimatischen Änderungen weiterhin gebrauchstauglich.

Allerdings enthält die Zukunftssimulation zumindest eine Blindstelle, wie Rüther einräumt: „Durch den Temperaturanstieg und kürzere Frostperioden verbessern sich die Lebensbedingungen für holzzerstörende Insekten wie Hausbock oder Termiten. Auch durch den globalen Handel eingeführte Arten fühlen sich in Europa zunehmend wohl und haben bisher keine natürlichen Feinde.“ Die Holzschädlinge spielten bei der Simulation aber keine Rolle. „So etwas zu simulieren ist aktuell nicht sinnvoll machbar – deswegen gibt es hier noch Forschungsbedarf“, erläutert der Projektleiter auf Nachfrage von BaustoffWissen.

Hygrothermische Simulation

Daten des Climate Service Center Germany: Prognostizierte Jahresmitteltemperatur verschiedener deutscher Städte. Grafik: Fraunhofer WKI / Shaghayegh Ameri

Daten des Climate Service Center Germany: Prognostizierte Jahresmitteltemperatur verschiedener deutscher Städte. Grafik: Fraunhofer WKI / Shaghayegh Ameri

Abgesehen von der Unsicherheit beim Thema Holzschädlinge sieht das Fraunhofer WKI aber gute und nachhaltige Zukunftsperspektiven für das Bauen mit Holz gegeben. Die Studie untersucht, inwiefern die heutigen bauphysikalischen Bemessungsgrundlagen für Holzbauten auch unter den Bedingungen des Klimawandels noch praktikabel sind. Geprüft wurde vor allem das künftige hygrothermische Verhalten von Holz-Konstruktionen. Dabei geht es um Feuchte- und Wärmeströme in Holzbaustoffen und ihre möglicherweise negativen Auswirkungen auf Holzbaukonstruktionen.

Solche hygrothermischen Bemessungen sind an sich nichts Neues – sie sind Stand der Technik. Allerdings wird die Dauerhaftigkeit von Holzbauwerken derzeit unter veralteten Rahmenbedingungen berechnet, die den Einfluss des Klimawandels noch nicht berücksichtigen. Anders bei der Simulationsstudie „Holzbau im Einfluss des Klimawandels“: Für deren Berechnungen haben die Forscher Klimadatensätze herangezogen, wie sie für die nächsten etwa 100 Jahre prognostiziert werden.

Die generelle Verträglichkeit der Holzbauweise mit dem prognostizierten Klimawandel bedeutet nicht, dass in Zukunft alles so bleiben sollte wie es ist. „Unsere Empfehlung ist, Extremwettereignisse in die Bauplanung einzubeziehen“, erläutert Norbert Rüther. „Sturmböen sollten in der Art und Weise der Windsogverankerung berücksichtigt werden und Starkregenereignisse in Bezug auf die Regenwasserführung. Diese Aspekte betreffen das gesamte Bauwesen, nicht nur das Bauen mit Holz.“ Auch der sommerliche Wärmeschutz müsse künftig bei der Planung und Erstellung von Bauten eine größere Rolle spielen.

Holz als CO2-Speicher

Nach den Ergebnissen der Studie sind Holzhäuser also dem kommenden Klimawandel gewachsen. Darüber hinaus kann die Bauweise sogar dazu beitragen, den Klimawandel abzumildern. „Während seiner Nutzungszeit speichert Holz CO2 und entlastet damit die Atmosphäre“, erklärt Rüther.

Aber ist es nicht schlecht für das Klima, wenn Bäume für Holzhäuser abgeholzt werden? Dem widerspricht Prof. Dr. Hubert Röder, Leiter des Fachgebiets „Betriebswirtschaftslehre Nachwachsender Rohstoffe“ der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Auf der Website von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister erläutert er: „Unsere Wälder sich selbst zu überlassen wäre aus Sicht des Klimaschutzes kontraproduktiv. Denn bald hätten sie ein CO2-Speicher-Optimum erreicht und dann würde sich in ihnen ein Gleichgewicht einstellen: Die CO2-Menge, die wachsende Bäume neu binden, wäre genauso groß wie die CO2-Menge, die tote Bäume beim Verrotten freisetzen – ein Nullsummenspiel.“

Deshalb – so der Professor weiter – sei es deutlich besser, dem Wald nachhaltig (!) Bäume zu entnehmen und deren Holz stofflich zu nutzen. Durch das Ernten von Bäumen könnten die verbleibenden Bäume besser nachwachsen und größere Mengen CO2 neu binden. Prof. Röder: „Und durch die stoffliche Nutzung bleibt das im Holz gebundene CO2 für weitere Jahrzehnte bis Jahrhunderte gebunden – und wird eben nicht gleich wieder freigesetzt, wie das bei seinem Verrotten oder Verbrennen der Fall wäre. Die Klimaschutzleistung von bewirtschafteten Wäldern war deshalb schon in den letzten Jahren um ein Vielfaches höher als die von nicht bewirtschafteten Wäldern.“


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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