RM Rudolf Müller

Objektberichte
12. Mai 2020 | Artikel teilen Artikel teilen

Urbane Nachverdichtung auf einem Industriedenkmal

Foto: Knoche Architekten BDA
Das denkmalgeschützte Kontorhaus in Leipzig wurde um ein Geschoss ergänzt, in dem sich heute zwei Wohnungen befinden. Foto: Knoche Architekten BDA
Foto: Knoche Architekten BDA
Die handwerklich ausgeführte Kammputz-Struktur mit ausgeprägter Reliefierung soll an die Rauheit des Ziegelmauerwerks erinnern. Dabei verlaufen die Putzfugen wie die Lagerfugen des Mauerwerks horizontal. Foto: Knoche Architekten BDA
Foto: Knoche Architekten BDA/Roland Halbe
Im neuen Obergeschoss des Kontorhauses in Leipzig fanden zwei geräumige, lichtdurchflutete Wohnungen Platz. Foto: Knoche Architekten BDA/Roland Halbe
Foto: Knoche Architekten BDA/Roland Halbe
Die große Wohnung verfügt über einen innenliegenden Patio. Foto: Knoche Architekten BDA/Roland Halbe
Foto: Knoche Architekten BDA/Roland Halbe
Bei den neuen Wohnungen wurde analog zum Bestand, bis auf die Fortführung des hofseitigen Vorbaus, auf Vorsprünge und Balkone verzichtet. Foto: Knoche Architekten BDA/Roland Halbe
Foto: Knoche Architekten BDA
Die Planer von Knoche Architekten entschieden sich bei der Aufstockung für ein massives Volumen auf einem massiven Bestand. Das gesamte Mauerwerk besteht aus hochwärmedämmenden "Poroton"-Ziegeln und Ziegelmontagedecken von Wienerberger. Foto: Knoche Architekten BDA

Ein gutes Beispiel für innerstädtische Nachverdichtung liefert ein denkmalgeschütztes Kontorhaus in Leipzig. Sowohl Wohnen als auch Arbeiten sind hier möglich. Die Aufstockung ist dabei bewusst sichtbar umgesetzt, führt aber gleichzeitig wesentliche Elemente aus dem Bestand weiter.

Bei der Aufstockung einer ehemaligen Celluloidfabrik in Leipzig entschieden sich die Architekten von Knoche Architekten BDA für die Schaffung einer kompakten Struktur auf dem soliden Basisgebäude – ein eingetragenes Industriedenkmal aus dem Jahre 1896. Der dabei geschaffene Wohnraum ist mit 315 Quadratmetern zwar flächenmäßig überschaubar, doch hat das Projekt deshalb nicht weniger Vorbildcharakter: Nachverdichtung und Vermeidung des Donut-Effekts in einer wachsenden Stadt. Zusammen mit dem sanierten Bestandsbau sind heute auf insgesamt 1.250 Quadratmetern Wohnen und Co-Working-Space vereint.

„Maßgabe war die Verdichtung der umgebenden Stadtstruktur, die aus mehrgeschossigen, gründerzeitlichen Wohn- und Gewerbebauten besteht. In dieser Struktur hatte das bestehende Kontorhaus aufgrund seiner geringen Höhe nur eine untergeordnete Präsenz, obwohl es gut sichtbar an einer markanten Kreuzung steht“, führt Architekt Prof. Christian Knoche aus. „Wir wollten das Volumen daher stärken und die Aufstockung massiv ausführen. Gleichzeitig sollte dabei die Gebäudekontur versatzfrei übernommen werden. Also Weiterbauen mit Respekt vor der Substanz, das Gegenteil der häufig zurückgesetzten, gläsernen Parasiten.“

Auf Wärmedämmverbundsystem verzichtet

Das neue Dachgeschoss greift hierfür wesentliche Merkmale des bestehenden Ziegelbaus auf, allen voran das Material selbst: Der Aufbau aus tragenden, hochwärmedämmenden „Poroton-Ziegeln S9-MiWo“ in 36,5 Zentimeter Wandstärke und Ziegelmontagedecken von Wienerberger kann nach Angaben des Herstellers auf ein Wärmedämmverbundsystem verzichten. Stahlträger leiten die Lasten in die tragenden Außen- und Innenwände ein.

Vor allem durch Farbgebung und moderne Geradlinigkeit hebt sich der Aufbau deutlich vom Bestand ab. Die bewusst unregelmäßige Abfolge und Dimensionierung der Fenster, die zugleich die vertikalen Kanten der Bestandsfenster aufnehmen, betonen sowohl Anbindung wie Eigenständigkeit des neuen Geschosses. Auf Vorsprünge oder Balkone wurde analog zum Bestand verzichtet. Die kleine Wohnung erhielt stattdessen eine eingeschnittene Loggia, die große Wohnung einen innenliegenden Patio. Nur der hofseitige Vorbau des Bestandes wird oben als Austritt vor die Fassade genutzt. Hier verläuft die Kontur der Aufstockung geradlinig durch.

Kammputz an der Fassade

Im Bereich des Dachrandes wird die horizontale Gliederung des Bestandes aufgegriffen, während die Außenwände mit ihrer handwerklich ausgeführten, horizontal reliefierten Putzstruktur an die Rauheit des Ziegelmauerwerks erinnern sollen. Ausgeführt wurde die Putzfläche als Kammputz mit 15 Millimeter tiefen Fugen, wie Prof. Knoche erklärt: „Dabei verlaufen die Fugen wie die Lagerfugen des Mauerwerks absolut und exakt horizontal. Ihre Ausführung zeigt den Herstellungsprozess: Der Putz wurde wie aufgetragen belassen, geringfügige Fehlstellen also im Nachgang nicht korrigiert. Das führt zu einer sehr handwerklichen Anmutung, die mit dem Bestandsmauerwerk sehr schön harmoniert.“


 

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