RM Rudolf Müller
Der Wohnhauskeller in Ober-Olm wurde im Spritzverfahren abgedichtet.  Alle Fotos: Schomburg

Der Wohnhauskeller in Ober-Olm wurde im Spritzverfahren abgedichtet.  Alle Fotos: Schomburg

Objektberichte
17. März 2022 | Artikel teilen Artikel teilen

Bauzeitverkürzung durch Spritztechnik

Die Abdichtung erdberührter Gebäudebauteile geht im Spritzverfahren besonders schnell und einfach. Nach Angaben des Bauchemieherstellers Schomburg lohnt sich die Maschinentechnik bereits ab einer abzudichtenden Fläche von 100 m². Das Verfahren macht also auch bei vielen Einfamilienhäusern Sinn. Das zeigt das Beispiel eines Wohnneubaus in Ober-Olm.

Ein neu gebautes Wohnhaus mitten in Deutschland. Auf den ersten Blick erscheint das Bauprojekt im rheinland-pfälzischen Ober-Olm kaum anders als die 16 Millionen anderen Einfamilienhäuser, die es laut Statistischem Bundesamt in Deutschland gibt. Das Besondere ist auch nicht die Optik, sondern die Tatsache, dass die erdberührten Bauteile dieses typischen Eigenheims per Spritzverfahren abgedichtet wurden. Zum Einsatz kamen dabei eine Peristaltik-Pumpe M8 des Herstellers Inotec und die mineralische Dickbeschichtung Aquafin-RB400 von Schomburg.

Lohnende Investition

Mit der Spritzlanze sind auch hohe Stellen problemlos erreichbar.

Mit der Spritzlanze sind auch hohe Stellen problemlos erreichbar.

Das Abdichten mit Maschinentechnik ist der händischen Verarbeitung weit überlegen. Auch für mittelständische Bauunternehmen ergeben sich Vorteile in Sachen Effizienz und Wirtschaftlichkeit. „Wir sagen, wer mindestens sieben Keller im Jahr baut, für den lohnt sich die Anschaffung einer Spritzmaschine“, erläutert Michael Schweibächer, der bei Schomburg für den technischen Vertrieb im Großraum Mainz/Fulda/Koblenz/Wetzlar zuständig ist. Die Anschaffungskosten variieren je nach Zubehör, liegen aber in der Regel unter 5.000 Euro. „Außerdem reduzieren sich die Personalkosten enorm, da der Einsatz von Spritztechnik wesentlich weniger Arbeitseinsatz erfordert“, so Schweibächer.

Tatsächlich ist der Zeitvorteil enorm: Bei einer beispielhaften Fläche von 100 m² Fläche benötigen nach Schomburg-Angaben im Schnitt vier Mitarbeiter rund zwei Tage für eine manuelle Abdichtung, bei der Spritzverarbeitung dagegen sei man mit nur zwei Mitarbeitern schon nach zwei Stunden fertig. Hinzu komme dann nur noch eine weitere Stunde für das Reinigen der Spritzmaschine. Die Kostenersparnis belaufe sich bei dieser auf Erfahrungswerten basierenden Beispielrechnung auf bis zu 800 Euro gegenüber der händischen Verarbeitung.

Auch beim Objekt in Ober-Olm wurde die Abdichtung in nur wenigen Stunden mit zwei Personen aufgebracht. Christian Josef Pierzina, Geschäftsführer der ausführenden Baufirma Pierzina Bau, ist von der Spritztechnik im Einfamilienhausbereich überzeugt: „Der Einsatz ist auch bei kleineren und mittleren Objektgrößen wie dem Haus in Ober-Olm mit 160 m² Grundfläche sinnvoll – trotz der natürlich notwendigen Einrichtung und Reinigung.“ Als Faustregel gilt, dass sich der Einsatz einer Maschine bereits ab 100 m² abzudichtender Fläche lohnt.

Peristaltik-Pumpe im Einsatz

In Ober-Olm kam die Peristaltik-Pumpe M8 zum Einsatz.

In Ober-Olm kam die Peristaltik-Pumpe M8 zum Einsatz.

Die in Ober-Olm verwendete mineralische Dichtungsschlämme Aquafin-RB400 lässt sich sowohl mit einer Peristaltik-Pumpe (Schlauchpumpentechnik) als auch mit einer Schnecken-Pumpe verarbeiten. In allen Fällen profitiert der Verarbeiter von der geschmeidigen Konsistenz des reaktiv abbindenden Materials, das sich auch in der kalten Jahreszeit verarbeiten lässt. Vorteil der Peristaltik-Pumpe vor der Schnecken-Pumpe ist, dass das Material wesentlich schonender gefördert wird und so weniger Reibungswärme entsteht. Sie lässt sich zudem mindestens genauso schnell reinigen wie eine Schnecken-Pumpe.

Die Peristaltik-Pumpe M8 ist in etwa 20 Minuten eingerichtet. Die Bauwerksabdichtung Aquafin-RB400 ist aufgrund ihrer Konsistenz wie geschaffen für die Maschinenverarbeitung. Sie lässt sich mit der Peristaltik-Pumpe mehr als 20 m weit fördern. Das ist gerade bei einem kleinen Objekt wie einem Einfamilienhaus ein Vorteil, weil man die Pumpe dann aufgrund ihrer großen Reichweite nicht mal umstellen muss, um alle erdberührten Bauteile vollständig abdichten zu können.

Bei Einsatz einer Spritzlanze sind auch höhere Stellen einfach erreichbar, eine Leiter ist überflüssig. Somit entfällt das oft abenteuerliche Hantieren mit Kelle, Glätter und Gebinde auf schlecht stehenden Leitern. Gerade beim Arbeiten in engen Baugruben ist das ein großer Vorteil, der für mehr Arbeitssicherheit sorgt.

Intuitive Technik

Das gleichmäßige Erscheinungsbild wird abschließend auf die Schichtdicke überprüft.

Das gleichmäßige Erscheinungsbild wird abschließend auf die Schichtdicke überprüft.

Der Umgang mit der Spritztechnik lässt sich schnell intuitiv erlernen und ermöglicht ein professionelles und gleichmäßiges Erscheinungsbild der Kellerabdichtung. Bei der zweilagigen Applikation kann frisch-in-frisch gearbeitet werden, da die erste Lage durch das Spritzen nicht mechanisch beschädigt wird. Im Bereich von Fehlstellen des Untergrunds verringert sich zudem der Materialverbrauch, da diese direkt und nicht großflächig ausgeglichen werden.

„Ein wesentlicher Vorteil ist, dass auf Grund des hohen Drucks, mit dem die Abdichtung beim Spritzen aufgebracht wird, die Haftung auf dem Untergrund noch einmal deutlich besser als bei der händischen Verarbeitung ist“, sagt Schomburg-Experte Michael Schweibächer. „Poren und Lunker werden so besser verfüllt, und es kommt fast nie zur Blasenbildung. Außerdem ist der Auftrag sehr gleichmäßig, was zu einem professionellen Gesamterscheinungsbild der Abdichtung führt.“

Hinzu kommt, dass die Bauwerksabdichtung Aquafin-RB400 eine Grundierung nicht immer zwingend nötig macht, wodurch sich noch mehr Zeit und Kosten einsparen lassen. Auch ein zusätzliches Glätten der Oberfläche ist nicht nötig. Das Fazit ist klar: Die Effizienz der durchzuführenden Bauwerksabdichtung wird durch die Spritzverarbeitung um ein Vielfaches gesteigert, und dies lohnt sich auch schon bei kleinen und mittleren Bauvorhaben.


 

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