RM Rudolf Müller
Der Hochregalstapler EKX 516a bewegt sich fahrerlos zwischen den Regalgassen. Foto: Jungheinrich

Der Hochregalstapler EKX 516a bewegt sich fahrerlos zwischen den Regalgassen. Foto: Jungheinrich

Arbeitsalltag
05. Februar 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Autonome Flurförderzeuge

Autonomes Fahren ist in aller Munde. Glaubt man den vielen Medienberichten, leben wir künftig in einer Welt, in der sich Autos weitgehend selbstständig bewegen – ohne permanente Eingriffe des Menschen. Was nach Science-Fiction klingt und im öffentlichen Straßenverkehr wohl auch noch eine Weile Zukunftsmusik bleiben wird, ist in der Welt der Intralogistik schon Realität. Viele Hersteller von Flurförderzeugen bieten nämlich bereits fahrerlose Transportfahrzeuge.

Vor ein paar Monaten haben wir auf baustoffwissen.de über ein Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts zu autonom fahrenden Lkw in Logistikzentren berichtet. Die Fraunhofer-Forscher sind überzeugt davon, dass selbstfahrende Lkw ohne Mensch hinter dem Lenkrad zumindest auf Betriebsgeländen von Firmen schon in naher Zukunft eingesetzt werden. Der Grund ist einfach: Anders als im normalen Straßenverkehr lassen sich autonome Fahrzeuge in abgegrenzten „Automatisierungszonen“ besser kontrollieren, da der Verkehr überschaubar ist, die Verkehrsteilnehmer informiert sind und Unbefugte keinen Zutritt haben.

Wenn man weiß, dass im Bereich der Intralogistik – also bei Material- und Warenflüssen auf einem begrenzten Betriebsgelände – selbst schwere Lkw schon bald ohne Fahrer unterwegs sein werden, erscheint es weniger überraschend, dass man in der Welt der Flurförderzeuge schon einen Schritt weiter ist. Viele Hersteller bieten ihre Gabelstapler, Hubwagen oder Schlepper nämlich bereits serienmäßig auch in automatisierten Varianten an.

Fahrerlose Transportfahrzeuge

Der Schubmaststapler Linde R-MATIC transportiert vollautomatisch palettierte Waren. Foto: Linde Material Handling GmbH

Der Schubmaststapler Linde R-MATIC transportiert vollautomatisch palettierte Waren. Foto: Linde Material Handling GmbH

So hat etwa Jungheinrich sein Sortiment bereits vor einigen Jahren um den Bereich „Fahrerlose Transportfahrzeuge“ (FTF) erweitert. Das Angebot reicht vom automatischen Schlepper (zum Ziehen von Anhängern) über Hubwagen bis hin zum fahrerlos arbeitenden Hochregalstapler. Alle FTF-Angebote des Flurförderzeuge-Experten basieren auf erprobten Standardfahrzeugen, die mit Automatisierungskomponenten ausgestattet sind und durch intelligente Software gesteuert werden.

Im April 2018 präsentierte Jungheinrich auf der Messe CeMAT in Hannover erstmals den neuen Hochregalstapler EKX 516a (Foto ganz oben). Der automatisierte Elektro-Kommissionier für schmale Regalgänge basiert auf dem bewährten Dreiseitenstapler EKX 516 mit einer Traglast von 1.600 kg, der von Jungheinrich um Automatisierungskomponenten ergänzt wurde. Er ist für Lageraufgaben bis zu 13 m Hubhöhe einsetzbar. Durch eine Induktivführung in Kombination mit Transpondern kann sich das Fahrzeug präzise zwischen den Hochregalen positionieren und selbstständig die Gassen wechseln. Das moderne Flurförderzeug lässt sich zudem bei Bedarf jederzeit auch manuell oder halbautomatisch steuern.

Kameras und Navigationslaser

Auch Linde hat sein Portfolio an autonomen Flurförderzeugen im vergangenen Jahr erweitert. Der kompakte Schubmaststapler R-MATIC (Foto oben) transportiert palettierte Waren bis 1,6 Tonnen vollautomatisch in Hochregale und lagert sie dort selbstständig in Hubhöhen bis zu 10 m ein. Sensoren am Fahrzeug überwachen permanent, dass die Paletten korrekt aufgenommen sowie abgeladen werden und dass es nicht zu überhängenden Lasten am Gabelträger kommt.

Dreidimensionale Kameras erkennen den richtigen Ablageplatz im Regal und die jeweilige Position der Gabelzinken. Ein Navigationslaser scannt permanent im 360°-Radius die Umgebung ab. Auf diese Weise orientiert sich der R-MATIC im Raum, wo er sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 2,5 Metern pro Sekunde bewegt.

Autonomes Kommissionierer-Fahrzeug

Das Flurförderzeug „iGo neo CX 20“ begleitet den Kommissionierer auf Schritt und Tritt. Foto: Still

Das Flurförderzeug „iGo neo CX 20“ begleitet den Kommissionierer auf Schritt und Tritt. Foto: Still

Der Hersteller Still bietet seinen Kunden ebenfalls Flurförderzeuge mit Automatikfunktion an. Da wäre zum Beispiel das autonome Fahrzeug „iGo neo CX 20“, das auf seiner Rückseite über einen Gabelträger zur Aufnahme von Paletten oder sonstigen Lademitteln verfügt und zu den so genannten Kommissionierern zählt. So bezeichnet man in der Logistikbranche  Flurförderzeuge, die den (menschlichen) Kommissionierer bei dessen Aufgabe unterstützen, die Aufträge von Kunden aus dem Lagersortiment zusammenzustellen.

Der iGo neo CX 20 begleitet den Lagermitarbeiter auf Schritt und Tritt und hält dabei automatisch einen sicheren Abstand zu Regalen und Hindernissen ein, sodass der Bediener sich ganz auf seine Arbeit konzentrieren kann. Der Bediener muss lediglich eine Taste an der Seite des Geräts betätigen und schon behält das intelligente Fahrzeug ihn mithilfe seines 360°-Scanners „im Auge“. Es kann seine Geschwindigkeit dem Schritttempo des Bedieners anpassen und stoppt sofort, wenn der menschliche Kommissionierer stehenbleibt.

Mehr noch: Das Flurförderzeug begibt sich nach Angaben von Still stets in eine für den Anwender optimale Beladeposition. Diese Funktion und die Tatsache, dass der Lagermitarbeiter nicht selbst steuern muss, soll zu einer Zeitersparnis von bis zu 30 % beim Kommissionieren führen. Außerdem entlastet das Fahrzeug den Lagermitarbeiter von ermüdenden Bewegungsabläufen wie dem ständigen Auf- und Absteigen vom Flurförderzeug.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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