RM Rudolf Müller
Handwerkliches Know-how für Baustoffverkäufer: Teilnehmer des Lehrgangs „Fachberater Steildach“ beim praktischen Seminarteil. Foto: Eurobaustoff

Handwerkliches Know-how für Baustoffverkäufer: Teilnehmer des Lehrgangs „Fachberater Steildach“ beim praktischen Seminarteil. Foto: Eurobaustoff

Arbeitsalltag
06. Juni 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Interview: Weiterbildungsangebote der Eurobaustoff

In der heutigen Berufswelt ist lebenslanges Lernen angesagt. Das gilt auch für junge Menschen, die im Baufachhandel gelernt haben. Doch wie genau geht es nach der Ausbildung weiter? Über Karriere- und Weiterbildungschancen im Baufachhandel haben wir uns mit Guido Schwegmann unterhalten, Fachbereichsleiter Aus- und Weiterbildung bei der Kooperation Eurobaustoff.

Das Interview

baustoffwissen.de: Herr Schwegmann, das Angebot an Weiterbildungen in der Branche ist riesig – allein das Seminarprogramm der Eurobaustoff umfasst 150 Seiten. Wie finden Azubis im Baufachhandel da die richtige Orientierung?

Guido Schwegmann: Zunächst einmal muss sich jede Nachwuchskraft unvoreingenommen und ehrlich über ihren aktuellen Stand und ihre künftigen Ziele im Klaren sein. Es gilt also, sich wichtige Fragen zu stellen, wie: Welche Schwerpunkte, Themen, und Aufgabenstellungen interessieren und begeistern mich? Wo liegen meine Stärken und Schwächen? Wo befinde ich mich in meiner Entwicklung heute, und wo möchte ich kurz-, mittel- und langfristig hinkommen?

Heißt das, die Nachwuchs-Baufachhändler müssen ganz allein herausfinden, wie es mit ihrer Karriere weitergeht?

Natürlich nicht. Aber um die richtige Entscheidung für die eigene Zukunft treffen zu können, ist es schon wichtig, dass jeder zunächst einmal in sich selbst hineinhorcht und selbst herauszufinden versucht, was am besten zu ihm passt. Als Nächstes ist es wichtig, die eigenen Vorstellungen und Ideen mit denen des Unternehmens abzugleichen, in dem der Betreffende arbeitet. Idealerweise geschieht das im regelmäßigen Dialog mit den Vorgesetzten.

Die Vorgesetzten haben die künftige Entwicklung ihrer Abteilung oder ihres Standortes im Blick und wissen, welche Anforderungen an die Mitarbeiter gestellt werden. Daraus ergibt sich oft schon automatisch eine bestimmte Weiterbildungs-Richtung, die für die jeweiligen Mitarbeiter Sinn macht. Vorausgesetzt, Mitarbeiter und Vorgesetzte stimmen bei der Zielsetzung weitgehend überein, wäre dann die Detailplanung des Entwicklungsprozesses der nächste Schritt. Dabei kann das vielfältige Seminarangebot der Eurobaustoff einen wesentlichen Beitrag leisten.

Entscheiden die Betroffenen in den Gesellschafterhäusern ganz allein, welche Seminare die Richtigen sind oder bietet die Kooperation hier Hilfestellung?

Vor dem Hintergrund der Themenbreite, der unterschiedlichen Schulungsformate und der damit verbundenen Methodenvielfalt bietet der Fachbereich Aus- und Weiterbildung an, die Unternehmen und ihre Mitarbeiter im Auswahlprozess intensiv zu begleiten und zu beraten. Entweder telefonisch oder auch persönlich vor Ort beim Gesellschafter.

Welche Angebote aus dem Seminar-Programm der Eurobaustoff bieten sich für junge Menschen, die gerade ihre Ausbildung abgeschlossen haben, insbesondere an?

In den meisten Fällen starten die Jungverkäufer mit Warenschulungen. Mit unseren zweitägigen Fachwissen-Seminaren im jeweils favorisierten Warensegment legen sie gewissermaßen ein solides Fundament für ihre weitere berufliche Entwicklung. Wir empfehlen, die neu erworbenen Kenntnisse in der täglichen Berufspraxis ein oder zwei Jahre anzuwenden, bevor der nächste Schritt in Form einer weiteren Schulung folgt. Üblicherweise ist dies der Fachberater-Lehrgang, der die Warenkenntnisse des Verkäufers weiter vertieft, umfassend abrundet und um einige wichtige verkäuferische Kompetenzen erweitert.

Seit 2015 haben wir die Fachberater-Ausbildungen durch einen fachpraktischen Teil ergänzt. In der „Meisterhalle“ des Göttinger Hotels „Freizeit In“ lernen unsere Teilnehmer, wie die Ware, die sie täglich an die Profis verkaufen, verarbeitet wird. Dieses praktische Erleben der Ausführung auf der Baustelle ist ein wichtiger Vorteil für die Verkäufer im Fachhandel. Dadurch können sie später „ganz nebenbei“ so manchen Zusatzverkauf von margenkräftigem Zubehör erschließen. Durch die Fachberater-Lehrgänge, die für alle Sortimentsbereiche angeboten werden, werden die Verkäufer in die Lage versetzt, mit ihren Verarbeiter-Kunden auf Augenhöhe zu verhandeln.

Welche Schulungen aus dem Eurobaustoff-Programm werden am häufigsten gebucht?

Unsere stärksten Schulungssegmente sind Seminare für unsere Nachwuchs-Mitarbeiter, die sich noch in Ausbildung befinden. Da bieten wir unterschiedliche Verkaufs- und Warenschulungen an. Dabei werden die Seminare zu den Verkaufstechniken von unseren Gesellschaftern bevorzugt „inhouse“ gebucht. Man möchte sich halt ungern in die Karten schauen lassen.

Immer mehr gebucht werden auch Verkaufsseminare mit gleichzeitiger Schulung der zuständigen Führungskräfte. Diese müssen sensibilisiert werden, noch stärker Verantwortung dafür zu übernehmen, dass das Know-how aus den Mitarbeiterschulungen auch tatsächlich erfolgreich in der täglichen Verkaufspraxis umgesetzt wird. Hier bieten wir seit einiger Zeit ergänzende Coachings sowohl für Verkäufer als auch für Führungskräfte an.

Neben vielen Einzelseminaren zu unterschiedlichen Themen bietet das Eurobaustoff-Seminarprogramm auch ein komplettes Laufbahnkonzept. Was hat es damit auf sich?

Die Zahl der Schulabgänger ist – mit zunehmender Tendenz – rückläufig. Fakt ist, dass die aus dem Erwerbsleben ausscheidenden Fachkräfte derzeit nicht in ausreichender Zahl ersetzt werden. Unsere Kooperation möchte dieser Entwicklung entgegentreten und ihre Gesellschafter in die Lage versetzen, jungen Fach- und Führungskräften attraktive Weiterbildungsoptionen nach der Ausbildung anzubieten.

Mit dem Laufbahnkonzept hat der Gesellschafter bereits frühzeitig Möglichkeiten, Nachwuchskräfte auf sein Unternehmen aufmerksam zu machen und für sich zu gewinnen. Darüber hinaus ist diese „Karriere mit Lehre“ geeignet, talentierte und ehrgeizige Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden. Eine typische Win-Win-Situation: Perspektive und Sicherheit für den Mitarbeiter einerseits, Erhalt von Potenzial für den Gesellschafter andererseits.

Ist das Laufbahnkonzept aus Ihrer Sicht der Königsweg für eine erfolgreiche Karriere im Baufachhandel? Oder kann es genauso Sinn machen, wenn sich Mitarbeiter einen individuellen Seminarplan zusammenstellen?

Es führen viele Wege nach Rom. Einer davon ist unser Laufbahnkonzept. Und auch dieser Weg ist noch nicht zu Ende gebaut. Es gibt jenseits des Laufbahnkonzepts in unserem Seminarprogramm zahlreiche weitere interessante und spannende Bausteine, mit denen ein junger Mitarbeiter seinen persönlichen Erfolgsweg bauen kann. Wir freuen uns, ihn oder sie dabei zu begleiten.

Bietet das Seminarprogramm der Eurobaustoff aus Ihrer Sicht alles, was die Mitarbeiter des Baufachhandels in Sachen Weiterbildung benötigen? Oder gibt es auch wichtige Branchenweiterbildungen, die Ihre Gesellschafter noch nicht bei der Kooperationszentrale buchen können?

Es gibt sicherlich einige spezielle Themen, die von entsprechenden Anbietern am Markt genauso gut oder besser behandelt werden können. Außerdem gibt es Schulungen, die aufgrund gesetzlicher Vorschriften von öffentlichen Institutionen durchgeführt und geprüft werden müssen. Das betrifft zum Beispiel den Erwerb des so genannten „Giftscheins“, den Handelsmitarbeiter benötigen, wenn sie gefahrstoffhaltige Baustoffe verkaufen. Solche Themen gehören nicht zu unserer Kernkompetenz, daher überlassen wir sie den Spezialisten. Davon mal abgesehen sind wir immer offen für Anregungen aus dem Markt beziehungsweise für Wünsche aus unseren Gesellschafterhäusern und prüfen sorgfältig, ob und inwieweit wir daraus weitere Themen für unser Seminarprogramm generieren können.

Das Interview führte Roland Grimm im Auftrag von baustoffwissen.de


 

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Unser Interviewpartner Guido Schwegmann ist Eurobaustoff-Fachbereichsleiter Aus- und Weiterbildung. Foto: Eurobaustoff

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