RM Rudolf Müller

Arbeitsalltag
27. Oktober 2015 | Artikel teilen Artikel teilen

Mein erster Tag im Baustoff-Fachhandel


Wer eine Ausbildung im Baustoff-Fachhandel startet, kommt meist direkt von der Schule. Es ist die erste Berufsstation, eine völlig neue Welt mit eigenen Regeln, auf die viele Azubis mehr schlecht als recht vorbereitet sind. Aber man muss als Berufsanfänger nicht zwangsläufig von einem Fettnäpfchen ins nächste treten. Auf den ersten Tag im Baustoff-Fachhandel kann man sich auch vorbereiten. Worauf es ankommt, haben wir die Trainerin Claudia Marion gefragt.

151027_Claudia-Marion-Promo_Claudia-Marion_GrClaudia Marion hat früher selbst im Baustoff-Fachhandel gearbeitet. 1990 schloss sie ihre Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau ab. Sie weiß also, wovon sie spricht. Und ihr Wissen gibt sie mittlerweile an den Branchennachwuchs weiter. Als Inhaberin des Aus- und Weiterbildungsunternehmens „DAS SCHULUNGSBÜRO für Baustoffkunde“ organisiert sie bundesweit Schulungen für Auszubildende, Mitarbeiter und Kunden des Baustoff-Fachhandels. Dabei geht es um Waren- und Handelskunde sowie Verkaufstraining, aber das SCHULUNGSBÜRO vermittelt auch „Soft Skills“ wie das richtige Auftreten im Beruf und die wichtigsten Benimmregeln.

baustoffwissen.de: Frau Marion, wissen Sie noch, wie Sie sich an Ihrem ersten Tag als Auszubildende im Baustoff-Fachhandel gefühlt haben?

Claudia Marion: Auch wenn das schon lange her ist, erinnere ich mich noch immer daran. Ich war total nervös und hatte die Nacht vorher schlecht geschlafen. Außerdem wusste ich überhaupt nicht, was mich erwarten würde und was ich anziehen soll.

Und wie war es dann?

Es war mir ganz unangenehm. Ich habe mit meiner Kleiderwahl komplett daneben gelegen. Was ich mir ausgesucht hatte, war einfach overdressed. Aber das Schlimmste für mich war, dass zu meiner Unsicherheit auf Grund des ersten Tages noch die ungewohnte Kleidung hinzukam. Ich war wirklich froh, als der erste Tag vorbei war. Nur was ich dann am nächsten Tag anziehen sollte, das wusste ich danach immer noch nicht. Erst nach ein paar Tagen habe ich mich getraut, eine Kollegin zu fragen.

Womit wir beim Thema wären: das richtige Auftreten im Beruf. Wie sieht denn der „Dresscode“ im Baustoff-Fachhandel aus?

Eine gute Frage. Denn einen klassischen „Dresscode“ gibt es bei uns gar nicht. Es hängt vom Aufgabengebiet ab und davon, ob es eine Unternehmenskleidung gibt. Wenn es die gibt, dann kann ich die schwierigen Klippen der richtigen Kleidung beinahe problemlos umschiffen. In der Regel lassen sich die Oberteile – Blusen, Hemden oder auch Poloshirts – problemlos mit einer sauberen und lochfreien Jeans kombinieren. Und in der kälteren Jahreszeit gibt es entweder ein wärmeres Oberteil im Firmendesign zum Kombinieren oder ich kann eine Strickjacke beziehungsweise einen neutralen Pullover darüber ziehen.

Schwieriger wird es, wenn keine Arbeitskleidung gestellt wird. Dann sollte man darauf achten, in welcher Abteilung man tätig ist. Absolviere ich gerade meine Ausbildung in der Fliesenausstellung oder bin ich an der Abholtheke eingeteilt? In der Fliesenausstellung darf ich mich ruhig für etwas schickere Kleidung entscheiden. So wäre eine Bluse oder ein Hemd angemessen. Es muss aber für den Herrn keine Krawatte sein. An der Abholtheke macht man mit Hemd und Bluse auch nichts falsch, aber hier darf es auch gerne mal ein Poloshirt oder ein T-Shirt mit Strickjacke sein. Generell sollten die Oberteile keinen Aufdruck haben. Bart-Simpson- oder Hello-Kitty-Shirts sind nicht angebracht.

Da wir unseren Kunden hochwertige Baustoffe verkaufen, wäre es gut, wenn unser Erscheinungsbild angemessen ist. Die Kleidung sollte sauber, ordentlich und gepflegt sein. Sicher ist es außerdem wichtig, dass sie praktisch ist. Denn in unserer Branche ist es auch mal nötig, dass man ins Lager geht oder Ware einräumt. Da sind hochhackige Schuhe eher unangebracht. Festes Schuhwerk ist für jeden Auszubildenden, egal ob weiblich oder männlich, eine gute Empfehlung.

Für welche Kleidung man sich auch entscheidet, als Azubi im Baustoff-Fachhandel sollte man immer im Hinterkopf haben, dass man im Kundenkontakt steht. Der Kunde darf sich beim ersten Eindruck nicht skeptisch fragen, ob man den Auftrag überhaupt abwickeln kann, nur weil man durch die Kleidung einen kindischen, unseriösen oder gar schlampigen Eindruck vermittelt.

So weit zur Kleidung, also zum äußeren Erscheinungsbild. Kommen wir zum richtigen Verhalten beziehungsweise zur richtigen Kommunikationsweise im Baustoff-Fachhandel. Was machen Azubis aus Ihrer Erfahrung hier häufig falsch? Und was sind die wichtigsten Benimmregeln?

Der Arbeitsalltag ist schon ein ungewohntes Parkett, auf dem die Azubis sich bewegen. Und in unserer Branche finde ich es schwieriger als in so manch anderer. Auch wenn der Umgangston üblicherweise recht locker ist, geht es hier doch oft um große Projekte. Da ist es schwer, immer den richtigen Ton oder Weg zu finden. Wenn beispielsweise ein recht junger Kollege mir anbietet, ihn zu duzen, dann heißt das noch lange nicht, dass ich mit ihm umgehen kann wie mit meinen Kumpels. Ein respektvolles „Du“ ist hier unerlässlich. Das fällt aber dem einen oder anderen aufgrund der oft entspannten Stimmung schwer, da übersieht man dann schnell die unsichtbaren Grenzen.

Mit einem Risiko ist es sicher auch verbunden, Kunden nach dem Erscheinungsbild zu beurteilen, wenn diese zum Beispiel gerade völlig dreckig von der Baustelle kommen. Azubis müssen begreifen, dass auch im Baustoff-Fachhandel jeder Kunde freundlich, höflich und respektvoll zu behandeln ist. Durch die Kunden verdienen wir schließlich unser Geld.

Viele Auszubildende haben am Anfang auch Schwierigkeiten damit, dass so mancher Kunde im Gespräch einen recht rauen Ton anschlägt. Junge Mitarbeiter lassen sich von so etwas meist schneller einschüchtern. Und das spiegelt sich dann auch in ihrer Körperhaltung wider: Der Kopf wird eingezogen, der Blick geht gen Boden und die Finger verknoten sich hektisch ineinander. So haben die Azubis bei dominanten Kunden natürlich keine Chance.

Es ist also wichtig, dass die Azubis lernen, selbstbewusst und mit einem Lächeln auf jeden Kunden zuzugehen. Ich sage selbstbewusst, nicht selbstgefällig! Das wird in der Praxis natürlich nicht immer klappen und ganz besonders am Anfang ist der richtige Auftritt nicht leicht. Aber Azubis dürfen ja auch noch lernen, und in der Regel entwickeln sie schnell ein Gespür für den Umgang mit dem Kunden. Ich habe es auch geschafft und bin immer noch mit Spaß in der Branche – und das nach über 25 Jahren!

 

Frau Marion, vielen Dank für dieses Gespräch.

(Das Interview führte Roland Grimm im Auftrag von baustoffwissen.de)


Claudia Marion
Über die Autorin Claudia Marion ist Inhaberin der Unternehmen DAS SCHULUNGSBÜRO und DAS eLEARNING. Außerdem ist sie Prüfungsausschussvorsitzende bei der IHK Duisburg im Bereich Groß- und Außenhandel, Baustoffe und bei der IHK Bonn/ Rhein-Sieg im Ausschuss Fachkauffrau/-mann für Vertriebsmanagement. Kontakt: info@das-schulungsbuero.de

 
 

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