RM Rudolf Müller
Digitale Geschäftsprozesse setzen sich auch im Baustoff-Fachhandel zunehmend durch.  Foto: Kirsten Nijhof / hagebau

Digitale Geschäftsprozesse setzen sich auch im Baustoff-Fachhandel zunehmend durch.  Foto: Kirsten Nijhof / hagebau

Arbeitsalltag
03. September 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Neuordnung der Großhandelsausbildung

Im Baustoff-Fachhandel ist der Beruf Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel traditionell die am häufigsten durchgeführte Ausbildung. Während der dreijährigen Lehrzeit spezialisieren sich die Azubis meist auf die Fachrichtung Großhandel. Bis 2020 soll die Ausbildungsordnung dieses Berufs nun modernisiert werden. Das Neuordnungsverfahren zielt nicht zuletzt auf eine stärkere Vermittlung von Know-how rund um elektronische Geschäftsprozesse wie zum Beispiel E-Commerce-Aktivitäten.

Der Beruf Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel wurde zuletzt im Jahr 2006 modernisiert. Nun steht erneut eine Novellierung der Ausbildungsordnung an. Sie soll nach gegenwärtiger Planung zum 1. August 2020 in Kraft treten. So ist es zumindest aus Kreisen der am Neuordnungsverfahren beteiligten Organisationen Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) zu hören.

Der BGA hatte das Neuordnungsverfahren 2018 angestoßen. Das BIBB übernimmt traditionell die Federführung bei der Erarbeitung von Ausbildungsordnungen, beteiligt daran aber auch Arbeitgeberverbände, IHKs, Berufsschulen und Gewerkschaften. Haben sich alle Beteiligten auf einen Entwurf der neuen Ausbildungsordnung geeinigt, entscheidet abschließend das Bundesministerium für Bildung und Forschung in Abstimmung mit den Bundesländern über deren Umsetzung.

Spezialisten für E-Commerce?

Was das Thema E-Commerce betrifft, könnte der Baustoff-Fachhandel natürlich auch auf Spezialisierung setzen und einige seiner Azubis künftig im 2018 neu eingeführten Beruf „Kaufmann/-frau im E-Commerce“ ausbilden. Die größeren Konzerne der Branche werden diesen Weg vermutlich auch gehen und sich den einen oder anderen Spezialisten für den Online-Vertrieb „leisten“. Für mittelständische Familienunternehmen im Baustoffhandel könnte das schwieriger werden. Allein schon deshalb, weil die Betriebe für jede Ausbildung, die sie anbieten, ja auch entsprechend qualifiziertes Ausbilder-Personal benötigen.

Hinzu kommt, dass Kaufleute im E-Commerce zwar auch kaufmännisches Fachwissen erlernen, aber eben nicht das Thema Großhandel vertiefen. Für die Bedürfnisse und Voraussetzungen vieler mittelständischer Baustoffhändler ist daher die Ausbildung von Großhandels-Fachleuten mit einem erweiterten Know-how in Sachen E-Commerce möglicherweise die bessere Wahl. Insofern ist es begrüßenswert, dass der Beruf Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel nun genau in dieser Richtung modernisiert werden soll.

Fokus auf elektronische Geschäftsprozesse

Auch im Großhandel hat die Digitalisierung in den letzten zehn Jahren stark zugenommen. Zunehmend sind die Beschäftigten mit elektronischen Geschäftsprozessen und dem Vertriebskanal Internet konfrontiert. Dafür benötigen sie erweiterte Kompetenzen. Für ihre langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter organisieren die Betriebe in der Regel entsprechende Weiterbildungsangebote.

Beim Nachwuchs wäre es natürlich sinnvoller, wenn das benötigte Know-how bereits Teil der Ausbildung ist. Der derzeitige Neuordnungsprozess soll daher sicherstellen, dass die Lehrinhalte im Beruf Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel künftig stärker die veränderten Kompetenzanforderungen in den unterschiedlichen Bereichen elektronischer Geschäftsprozesse berücksichtigen.

Weitere Novellierungs-Schwerpunkte

Auch Kompetenzen rund um das Projektmanagement soll die neue Ausbildungsordnung stärker betonen. Foto: Pixabay

Auch Kompetenzen rund um das Projektmanagement soll die neue Ausbildungsordnung stärker betonen. Foto: Pixabay

Neben den Digitalisierungsanforderungen gibt es noch weitere Kompetenzfelder, die in der künftigen Ausbildungsordnung mehr Gewicht bekommen sollen. So ist etwa vorgesehen, dass die Lehrinhalte verstärkt um team- und projektorientierte Arbeiten ergänzt werden. Die zunehmende Bedeutung von Projektmanagement im Arbeitsalltag von Großhandelskaufleuten könnte sich sogar in einer veränderten Berufsbezeichnung widerspiegeln. Zumindest haben die am Neuordnungsprozess beteiligten Parteien den neuen Abschlusstitel „Kaufmann/Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement“ ins Spiel gebracht. Die letzte Entscheidung ist hier – wie bei allen Inhalten der geplanten Neuordnung – aber noch nicht getroffen.

Auch die Themenfelder Verkaufskommunikation, Lagerlogistik, Nachhaltigkeit von Beschaffungs- und Logistikprozessen sowie der Vertrieb produktnaher Dienstleistungen sollen in der neuen Ausbildungsordnung stärker betont werden. Außerdem ist eine kompetenzorientierte Darstellung aller Ausbildungsinhalte geplant. Die von den Azubis zu erwerbenden Kompetenzen sollen dabei in den Dimensionen Fachkompetenz (unterteilt in Wissen und Fertigkeiten) sowie personale Kompetenz (unterteilt in Sozialkompetenz und Selbstständigkeit) dargestellt werden.

Gestreckte Prüfung wahrscheinlich

Als sehr wahrscheinlich gilt es, dass die neue Ausbildungsordnung nun auch für Kaufleute im Groß- und Außenhandel die „gestreckte Prüfung“ einführt – so wie es bei den Kaufleuten im Einzelhandel schon seit ein paar Jahren praktiziert wird. In diesem Fall würde künftig das Ergebnis der Zwischenprüfung in das Gesamtergebnis der Abschlussprüfung einfließen – wahrscheinlich mit einer Gewichtung von 25 %.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

1.300 Kaufleute im E-Commerce

Das nennt man einen gelungenen Start: In dem zum 1. August 2018 eingeführten Ausbildungsberuf „Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce“ sind auf Anhieb...

mehr »
 

BIBB evaluiert Büromanagement-Ausbildung

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) prüft aktuell den Weiterentwicklungsbedarf des 2014 neu geschaffenen dreijährigen Ausbildungsberufs Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement. Mithilfe einer...

mehr »
 

Kaufmännische Ausbildungsberufe im Baustoffhandel

Im Baustoffhandel arbeiten Beschäftigte mit verschiedenen kaufmännischen Ausbildungsberufen: Es gibt natürlich die Großhandels-Kaufleute, aber eben auch Kaufmänner und -frauen in...

mehr »
Nach oben
nach oben