RM Rudolf Müller
Big Bags kommen auch in der Baustoffbranche vielfältig zum Einsatz.  Foto: Xella Deutschland

Big Bags kommen auch in der Baustoffbranche vielfältig zum Einsatz.  Foto: Xella Deutschland

Arbeitsalltag
19. Mai 2020 | Artikel teilen Artikel teilen

Was sind Big Bags?

Man könnte einfach sagen: „Big Bags sind große Säcke“. Aber uns interessiert natürlich nicht nur die Übersetzung des englischen Begriffs. Welche Rolle spielen die speziellen Behälter in der Baustoffbranche? Welche Eigenschaften haben sie? Welche Vorteile? Und was für verschiedene Typen von Big Bags gibt es? Diese und weitere Fragen beantwortet der folgende Beitrag.

Big Bags sind große Kunststoffsäcke zum Bewegen schwerer Güter, die ein bisschen wie riesige Einkaufstaschen aussehen. Im Baustoffbereich kennt man die flexiblen Großpackmittel vor allem als praktisches Transportmittel für Schüttgüter – von Sand über Kies und Splitt bis hin zu Schotter und Schroppen. Doch auch Produkte wie Pflastersteine oder Mauerwerksteine werden immer häufiger im Big Bag zur Baustelle angeliefert. Und auch für den Abtransport von Reststoffen oder Rückbaumaterialien – wahlweise zur Entsorgungsdeponie oder zur Recyclingstelle – werden die Säcke gerne genutzt.

Unterschiedliche Größen

Big Bags gibt es in unterschiedlichen Größen. So bietet zum Beispiel der Anbieter AVS Ahlheim Verpackung und Service AG Säcke mit einem Volumen von 0,3 m3 (300 Liter) bis 2,2 m3 (2.200 Liter) an. Die Standard-Außenmaße liegen bei 80 x 80 cm, 91 x 91 cm und 99 x 99 cm. Die Höhe der befüllten Säcke reicht von 55 cm bis hin zu knapp 2 m. Die Traglast der Big Bags von AVS reicht von 500 kg bis hin zu 2.000 kg. Natürlich ist das Kunststoffgewebe der Säcke nicht unendlich belastbar. Bei zu großen Gewichten reißt es irgendwann.

Eine Begrenzung der Sackgrößen macht auch aus anderen Gründen Sinn. Schließlich möchte man die Big Bags auch auf Europaletten verladen können. Deshalb sind sie in der Regel so dimensioniert, dass die Maße und Tragfähigkeiten der Standard-Paletten nicht überschritten werden. Die klassische EPAL-Europalette ist zum Beispiel 80 cm breit und 120 cm lang. Da passt dann der Big Bag mit 80 x 80 cm Außenmaß. Für größere Säcke kann man zum Beispiel die Standard-Palette EPAL 2 verwenden (120 x 100 cm).

Praktische Hebeschlaufen

Werden Big Bags auf Paletten transportiert, kann man sie an den Verladeorten besonders leicht mithilfe von Flurförderzeugen bewegen. Aber auch ohne Palette passen die Säcke perfekt zur Welt der Gabelstapler. Sie verfügen nämlich über Hebeschlaufen, in welche die Gabel der Flurförderzeuge hineingreifen kann.

Die Hebeschlaufen – standardmäßig sind es vier – sind normalerweise in die Seitennähte des Sacks eingenäht. Mit ihrer Hilfe lässt sich das flexible Transportmittel jederzeit einfach anheben und umladen – etwa von der Palette in das Lagerregal oder zu einem bestimmten Arbeitsort auf der Baustelle.

Kostengünstig und effizient

Der „Triple-Bag“ fasst bis zu 3.000 Liter. Foto: ams Umweltschutz GmbH

Der „Triple-Bag“ fasst bis zu 3.000 Liter. Foto: ams Umweltschutz GmbH

Big Bags haben als Transportmittel viele Vorteile. Sie lassen sich mitsamt ihres Inhalts auch unabhängig von Paletten sehr effizient mit Flurförderzeugen von A nach B bewegen. Man kann sie, wenn sie gerade nicht in Benutzung sind, kompakt zusammenfalten und platzsparend lagern. Mit einem starren Container ist das nicht möglich. Ganz abgesehen davon, dass Big Bags viel leichter sind, was weitere Handling-Vorteile mit sich bringt.

Das Kunststoffgewebe, aus dem die Säcke gefertigt sind, ist nicht nur sehr reißfest, sondern auch kostengünstig. Mehrere Big Bags ersetzen schnell das Fassungsvermögen eines durchschnittlichen Containers – bei deutlich geringeren Anschaffungskosten. Die flexiblen Transportmittel sind zudem wasserbeständig, sodass sie sich leicht reinigen und wiederverwenden lassen.

Big Bags sind ferner – je nach Bedarf – mit vielfältigen Ausstattungsmerkmalen erhältlich. Das betrifft nicht nur das Volumen sowie die Festigkeit des Gewebes, sondern auch weitere Eigenschaften. So gibt es zum Beispiel Produkte mit oder ohne gesondertem Innensack beziehungsweise spezieller Innenbeschichtung. Angeboten werden ferner Big Bags mit Deckel zum Verschließen und solche mit Einlaufstutzen für die Schüttgut-Befüllung sowie Auslaufstutzen für die dosierte und staubarme Entleerung bei fließfähigen Produkten.

Erfindung aus Deutschland

Als Erfinder des Big Bags gilt die deutsche Firma Gustav Grolman GmbH & Co. KG aus Neuss. Das 1855 ursprünglich als Spedition für Baustofftransporte gegründete Familienunternehmen ist heute im internationalen Vertrieb von Spezialchemie-Produkten aktiv. Nach Angaben von Wikipedia hat sich die Firma aber 1978 auch den „Grolman Big Bag“ patentieren lassen. 2007 erlosch der diesbezügliche markenrechtliche Schutz.

Aus Deutschland stammt auch eine ganz neue Big-Bag-Variante, die das Berliner Unternehmen ams Umweltschutz GmbH eigentlich im Mai 2020 auf der Münchner Messe IFAT vorstellen wollte (wegen Corona auf September verschoben). Der so genannte Triple Bag ist so groß wie drei aneinandergereihte Standard-Big-Bags und lässt sich dennoch mit der Gabel eines einzigen Staplers bewegen (siehe Foto oben). Mit einem Schwung können Anwender also dreimal so viel Schüttgut oder sehr große und sperrige Dinge entsorgen. Zugleich ist die Lagerung platzsparender als es bei drei Einzel-Bags der Fall wäre. Der Riesensack hat eine Grundfläche von 3 x 1 m, ein Fassungsvermögen von 3.000 l (3 m3) und einen maximale Traglast von 3.000 kg.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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