RM Rudolf Müller
Wer beruflich nach oben will, kommt um Fortbildungen nicht herum. Foto: Pixabay

Wer beruflich nach oben will, kommt um Fortbildungen nicht herum. Foto: Pixabay

Hintergrundwissen
04. Juli 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Berufliche Fortbildung: Was ist Aufstiegs-BAföG?

In Zeiten des Fachkräftemangels sind berufliche Fortbildungen wichtiger denn je. Um mehr Menschen dafür zu motivieren, gibt es in Deutschland das so genannte Aufstiegs-BAföG. Im Rahmen dieser individuellen Weiterbildungsförderung werden Kosten der Bildungsmaßnahme sowie Lebensunterhaltskosten der Teilnehmer bezuschusst.

Der Begriff Aufstiegs-BAföG ist eigentlich irreführend. Die Abkürzung BAföG steht für „Bundesausbildungs-förderungsgesetz“ und bezeichnet zugleich umgangssprachlich die finanzielle Förderung, die Studenten und Schüler nach dem Gesetz in Anspruch nehmen können. Das Aufstiegs-BAföG ist dagegen eine finanzielle Förderung für Menschen mit Berufserfahrung, die eine Aufstiegsfortbildung machen wollen – zum Beispiel die Meister-Fortbildung für Handwerker. Es wird nicht im Bundesausbildungsförderungsgesetz, sondern in einem eigenen Gesetz geregelt: dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG).

Die Abkürzung BAföG findet man im AFBG natürlich nicht. Doch als das Gesetz 1996 eingeführt wurde, setzte sich umgangssprachlich schnell der Begriff „Meister-BAföG“ durch, in Anlehnung an das bereits etablierte Studenten-BAföG. Neuerdings spricht man allgemeiner vom Aufstiegs-BAföG, weil seit August 2016 nicht nur Handwerker und andere Fachkräfte die Förderung in Anspruch nehmen können, sondern zum Beispiel auch Bachelor-Absolventen. Nach Angaben des Bundesbildungsministeriums wurde die Förderung seit 1996 von bisher rund 1,9 Millionen Personen in Anspruch genommen. Sie wird zu 78 % aus Mitteln des Bundesbildungsministeriums und zu 22 % von den Bundesländern finanziert.

Förderungsfähige Fortbildungen

Das Aufstiegs-BAföG soll Fortbildungen fördern, die zu einem beruflichen Aufstieg führen. Es wird daher in erster Linie für Weiterbildungsmaßnahmen gewährt, die eine bereits abgeschlossene berufliche Erstausbildung voraussetzen. Typische Beispiele sind Fortbildungsabschlüsse wie Handwerks- oder Industriemeister, Techniker, Fach- oder Betriebswirt. Aktuell kann man für mehr als 700 Fortbildungsabschlüsse Aufstiegs-BAföG beantragen. Wie und wo man Aufstiegs-BAföG beantragen kann, erfährst du hier.

Nach §2 des AFBG muss die geförderte Maßnahme mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen. Neben Vollzeitmaßnahmen mit wöchentlich mindestens 25 Unterrichtsstunden an vier Werktagen ist auch die Förderung von Aufstiegsfortbildungen in Teilzeit möglich, sofern diese im Durchschnitt mindestens 18 Unterrichtsstunden pro Monat umfassen. Wird dieser Mindestumfang eingehalten, können auch Fernlehrgänge als Teilzeitmaßnahme gefördert werden. Dasselbe gilt für mediengestützten Unterricht über Online-Lernplattformen, wenn er „durch Präsenzunterricht oder eine diesem vergleichbare und verbindliche mediengestützte Kommunikation ergänzt wird und regelmäßige Erfolgskontrollen durchgeführt werden“ (§4a AFBG).

Wer wird gefördert?

Auch Dachdecker, die ihren Meister machen wollen, profitieren vom Aufstiegs-BAföG. Foto: Pixabay

Auch Dachdecker, die ihren Meister machen wollen, profitieren vom Aufstiegs-BAföG. Foto: Pixabay

Das Angebot des Aufstiegs-BAföG richtet sich keineswegs nur an junge Berufstätige. Das AFBG sieht sogar überhaupt keine Altersbeschränkung vor. Entscheidend ist vielmehr die bisherige Berufserfahrung des Antragstellers. Konkret muss er die Vorqualifikation erfüllen, die in der jeweiligen Fortbildungsordnung gefordert wird.

Bisher war bei vielen Fortbildungen eine abgeschlossene Berufsausbildung zwingende Förderungsvoraussetzung. Doch seit der AFBG-Änderung von August 2016 hat sich das geändert. Das Aufstiegs-BAföG wurde nun auch für Fortbildungsteilnehmer geöffnet, die über einen Bachelorabschluss oder einen vergleichbaren Hochschulabschluss verfügen (§8 AFBG). Dies muss dann allerdings der höchste Hochschulabschluss sein. Wer bereits den Master absolviert hat, besitzt keinen Anspruch mehr auf finanzielle Förderung für eine zusätzliche berufliche Aufstiegsfortbildung.

Förderleistungen

Die Förderung umfasst Zuschüsse zu den Lehrgangs- und Prüfungsgebühren und – bei Vollzeitmaßnahmen – auch einen Beitrag zur Deckung des Unterhaltsbedarfs (§10 AFBG). Zusätzlich kann man auch Zuschüsse für Materialkosten beantragen, die im Rahmen der fachpraktischen Arbeit zur Meisterprüfung anfallen.

Die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren werden bis zu einem Maximalbetrag von 15.000 Euro gefördert, wobei allerdings nur 40 % davon als direkter Zuschuss gewährt werden. Für den Rest der Fördersumme kann der Antragsteller ein zinsgünstiges Darlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erhalten, das er später zurückzahlen muss. Besteht er die Fortbildungsprüfung, wird ihm noch einmal 40 % der Darlehenssumme erlassen.

Die Förderung der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren wird unabhängig vom Einkommen und Vermögen des Antragstellers gewährt. Beim Zuschuss zum Lebensunterhalt ist das anders. Einerseits gibt es ihn nur für Vollzeitmaßnahmen und andererseits wird er nach dem Bedarfsprinzip gewährt. Wer finanziell gut aufgestellt ist beziehungsweise einen Ehepartner mit gutem Einkommen hat, erhält also keine Förderung des Lebensunterhalts. Nach Angaben des Bundesbildungsministeriums beträgt der maximale monatliche Unterhaltsbeitrag für Alleinstehende derzeit 768 Euro. Er wird zu 50 % als Zuschuss gewährt, für den Rest der Fördersumme kann der Antragsteller wiederum auf ein zinsgünstiges Bankdarlehen der KfW zurückgreifen.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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