RM Rudolf Müller
Finanzspritze für Hausbesitzer: Die BEG fördert energieeffiziente Gebäude und Heizsysteme.  Foto: Pixabay

Finanzspritze für Hausbesitzer: Die BEG fördert energieeffiziente Gebäude und Heizsysteme.  Foto: Pixabay

Hintergrundwissen
04. Mai 2021 | Artikel teilen Artikel teilen

Was bietet die BEG-Gebäudeförderung?

Wer sein Eigenheim energetisch sanieren möchte oder einen energieeffizienten Neubau plant, kann ab 1. Juli Mittel aus der neuen „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ beantragen. Mit dem Programm ersetzt die Bundesregierung vier bestehende Förderprogramme und vereint zudem erstmals die Förderung für energetisches Bauen sowie für Heizen mit erneuerbaren Energien unter einem Dach. Dadurch soll die Förderlandschaft übersichtlicher werden und der bürokratische Aufwand sinken.

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ersetzt das bisherige Programm „Energieeffizient Bauen und Sanieren“ der KfW-Bank und das Marktanreizprogramm des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Zu letzterem zählen bislang die Förderprogramme „Heizen mit erneuerbaren Energien“, „Heizungsoptimierungsprogramm“ und das „Anreizprogramm Energieeffizienz“. Insgesamt wurden also vier Programme zu einem zusammengefasst.

Nach Angaben des Bundeministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWI) soll künftig ein einzelner BEG-Antrag ausreichen, um sämtliche Förderangebote nutzen zu können. Die neue Bundesförderung bündelt aber nicht nur Vorhandenes, sondern setzt auch neue Akzente. Wie das BMWI mitteilt, werde der Einsatz erneuerbarer Energien bei Neubauten und Komplettsanierungen zukünftig noch stärker prämiert. Gleichzeitig beinhalte die Bundesförderung „neue, attraktive Förderangebote für besonders ambitionierte Sanierungen und Neubauten“.

Förderung von Einzelmaßnahmen

Diese Broschüre steht unter www.vdpm.info zum kostenlosen Download bereit.  Foto: VDPM

Diese Broschüre steht unter www.vdpm.info zum kostenlosen Download bereit.  Foto: VDPM

Im Rahmen der BEG kann man auch Fördermittel für Einzelmaßnahmen an bestehenden Wohn- und Nichtwohngebäuden beantragen – und dies sogar bereits seit Anfang 2021. Das betrifft neben Modernisierungen der Gebäudehülle (Dämmung, Fenster- und Türenaustausch, Einbau außenliegender Sonnenschutztechnik) auch die Anlagentechnik (zum Beispiel Raumlufttechnik) und hier insbesondere alle Einzelmaßnahmen, die sich um den Einbau effizienzsteigernder Heizungstechnik drehen.

Das förderfähige Mindestinvestitionsvolumen liegt für Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle bei 2.000 Euro und für Einzelmaßnahmen zur Heizungsoptimierung bei 300 Euro. Alle weiteren Details zu diesem Förderbereich kann man in der BEG-Richtlinie Einzelmaßnahmen nachlesen. Dort steht zum Beispiel auch, dass es sich bei der Förderung um eine Anteilfinanzierung handelt (ein Teil der förderfähigen Kosten der Maßnahme wird gefördert) und dass der Antragsteller wählen kann zwischen einem „nicht rückzahlbaren Investitionszuschuss (Zuschussförderung)“ und einem Kredit „mit Zinsverbilligung aus Bundesmitteln sowie Teilschuldenerlass durch einen Tilgungszuschuss aus Bundesmitteln (Kreditförderung)“

Nach Angaben des Verbandes für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM), der zur BEG-Förderung eine lesenswerte Broschüre veröffentlicht hat, beträgt der maximal mögliche Zuschuss zu einer Einzelmaßnahme bei einem Wohngebäude 15.000 Euro. Bei einem großen Nichtwohngebäude könne der Zuschuss sogar bis zu 3 Mio. Euro ausmachen. Und wofür sollte man sich nun entscheiden: für den reinen Zuschuss oder doch besser für den Kredit? Das Bundeswirtschaftsministerium empfiehlt auf seiner Website die Zuschussvariante nur für solche Antragsteller, die genug Eigenkapital besitzen und daher keine Kreditfinanzierung benötigen. Wenn das Vorhaben dagegen ohnehin die Aufnahme eines Kredites erfordert, empfiehlt das BMWI die Anteilfinanzierung über den zinsverbilligten Kredit mit Tilgungszuschuss.

Vollsanierungen und Neubauten

Neben der schon seit Januar möglichen Förderung von Einzelmaßnahmen sind ab 1. Juli auch Vollsanierungen von Bestandsgebäuden (mindestens fünf Jahre alt) sowie energieeffiziente Neubauten von Wohn- und Nichtwohngebäuden förderfähig. Auch hier können Antragsteller frei zwischen einem reinen Zuschuss und der Kreditförderung mit Tilgungszuschuss wählen. Geld gibt es aber nur für Vollmodernisierungen oder Neubauvorhaben, durch die das Gebäude Effizienzhaus-Niveau erreicht. Näheres hierzu und zu den sonstigen Förderregeln hat der Gesetzgeber in zwei gesonderten Förderrichtlinien für Wohngebäude (BEG WG) und für Nichtwohngebäude (BEG NWG) veröffentlicht.

Nach Berechnungen des VDPM (siehe die oben genannte Broschüre) können die Zuschüsse beim Neubau von Wohngebäuden, je nach erreichtem Effizienzhaus-Standard, bis zu 41.250 Euro betragen – bei Nichtwohngebäuden sind es bis zu 6,75 Mio. Euro. Für die Vollmodernisierung eines Wohngebäudes seien, je nach erreichtem Effizienzhaus-Standard, sogar Zuschüsse bis zu 71.250 Euro pro Wohneinheit möglich. Bei der Vollmodernisierung von Nichtwohngebäuden kommt der Verband, abhängig von der Nettogrundfläche, auf einen möglichen Zuschuss von bis zu 15 Mio. Euro.

„Mehr finanzielle Förderung für die energetische Modernisierung hat es noch nie gegeben!“, kommentiert der VDPM in seiner Broschüre. „Im Bundeshaushalt 2021 sind 5,8 Mrd. Euro für die Förderung der energetischen Modernisierung von Gebäuden vorgesehen“, fügt VDPM-Geschäftsführer Dr. Hans-Joachim Riechers hinzu.

Das verweist zugleich auf eine grundsätzliche Einschränkung: Die BEG-Gebäudeförderung wird nur solange gewährt, wie die zuvor für diesen Zweck gewährten Mittel im Bundeshaushalt ausreichen. Auch berechtigte Antragsteller können also leer ausgehen, wenn die Mittel bereits verbraucht sind. Im Übrigen hat das gesamte Programm ein Ablaufdatum. Die drei Förderrichtlinien BEG EM, BEG WG und BEG NWG gelten nämlich allesamt nur bis Ende 2030.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: freierjournalist@rolandgrimm.com

 

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