RM Rudolf Müller
Das BBiG regelt in 105 Paragraphen das duale Berufsbildungssystem in Deutschland. Foto: Pixabay

Das BBiG regelt in 105 Paragraphen das duale Berufsbildungssystem in Deutschland. Foto: Pixabay

Hintergrundwissen
18. Juli 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Was regelt das Berufsbildungsgesetz?

Die duale Ausbildung mit den Lernorten Betrieb und Berufsschule ist das typisch deutsche System der Berufsbildung, um das uns weltweit viele Länder beneiden. Und wie es in Deutschland üblich ist, hat dabei alles seine feste Ordnung. Es gibt sogar ein eigenes Gesetz, in dem die Rahmenbedingungen der dualen Berufsausbildung geregelt sind: das Berufsbildungsgesetz.

Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) wurde 1969 eingeführt und 2005 novelliert. Es gilt für die duale Berufsausbildung, nicht aber für die Berufsbildung an Universitäten oder Fachhochschulen. Es gibt zudem eine Reihe betrieblicher Ausbildungen, die nicht durch das Gesetz geregelt werden. Die Handwerker etwa haben ihre eigene Handwerksordnung. Für Handwerkerberufe sind deshalb nur wenige Paragraphen des BBiG maßgeblich. Und auch in der Beamtenausbildung sowie in vielen Berufen der Gesundheitsbranche – etwa Kranken- und Altenpfleger, Hebammen oder Notfallsanitäter – spielt das Gesetz keine Rolle.

Qualitätsgarant für die Ausbildung

Für den Großteil der anerkannten Ausbildungsberufe in Deutschland sind die Regeln des BBiG aber verpflichtend. Das Gesetz trägt entscheidend zur Qualitätssicherung der Ausbildung bei, weil es die Betriebe zu einer geordneten und einheitlichen Ausbildung in den jeweiligen Berufen verpflichtet.

So definiert das BBiG zum Beispiel Eignungsvoraussetzungen für Ausbilder und Ausbildungsstätten, fordert die Einhaltung der jeweiligen Ausbildungsordnungen und schreibt deren grundlegenden Inhalte vor. Das Gesetz legt weiterhin fest, dass Jugendliche unter 18 Jahren nur in staatlich anerkannten Ausbildungsberufen ausgebildet werden dürfen, begrenzt die Probezeit für Azubis (maximal vier Monate) und definiert allgemein die Rechte und Pflichten von Azubis, Ausbildern und Betrieben.

Nicht zuletzt wird auch das Prüfungswesen im BBiG geregelt. Das Gesetz gibt vor, wie Zwischen- und Abschlussprüfungen in der Ausbildung durchzuführen sind, es definiert die Zulassungskriterien für die Prüfungen und bestimmt die Zusammensetzung der Prüfungsausschüsse. Das Gesetz schreibt ferner vor, dass Betriebe und Azubis vor Beginn der Ausbildung einen Ausbildungsvertrag abschließen müssen und legt dessen wesentlichen Inhalte fest. Auch der Anspruch von Azubis auf eine angemessene Ausbildungsvergütung und die Regeln zum Kündigungsschutz sind im BBiG verankert.

Fortbildung und Ausbildungsvorbereitung

Das Gesetz schreibt auch vor, wie die Prüfungen durchzuführen sind. Foto: Pixabay

Das Gesetz schreibt auch vor, wie die Prüfungen durchzuführen sind. Foto: Pixabay

Neben der betrieblichen Ausbildung befasst sich das BBiG auch mit den Rahmenbedingungen für eine einheitliche berufliche Fortbildung in Deutschland. Es legt zum Beispiel fest, welche Bundesministerien für die Anerkennung neuer Fortbildungsabschlüsse zuständig sind und was grundsätzlich in einer Fortbildungsordnung zu stehen hat. In ähnlicher Weise regelt das BBiG auch die berufliche Umschulung.

Auch die Berufsausbildungsvorbereitung ist Gegenstand des BBiG. Diese richtet sich an „lernbeeinträchtigte oder sozial benachteiligte Personen, deren Entwicklungsstand eine erfolgreiche Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf noch nicht erwarten lässt“ (§68 BBiG). Zur Ausbildungsvorbereitung gehören verschiedene Maßnahmen, die Menschen den Einstieg in das Berufsleben erleichtern sollen – zum Beispiel Unterstützungen bei der Berufswahl oder Qualifizierungen, um in der Schule Versäumtes nachzuholen.

Zuständige Stellen

Schließlich befasst sich das BBiG auch mit den zuständigen Behörden und Organisationen rund um die Berufsbildung 
in Deutschland. So werden für die unterschiedlichen Berufsarten (zum Beispiel Handwerk, sonstige Gewerbeberufe, Landwirtschaft, Wirtschaftsprüfung/ Steuerberatung, Gesundheitsdienste) die jeweiligen „zuständigen Stellen“ bestimmt. Bei den nicht handwerklichen Gewerbeberufen – also auch bei Handelsberufen – ist das beispielsweise die Industrie- und Handelskammer.

Die Aufgaben und Organisation der zuständigen Stellen werden im BBiG detailliert festgelegt. Daneben bestimmt das Gesetz auch die Ziele und Methoden der Berufsbildungsforschung und befasst sich ausführlich mit den Aufgaben und der Organisation des Bundesinstituts für Berufsbildung.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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