RM Rudolf Müller
So wirbt der Fachverband Mineralwolleindustrie auf seiner Website für Keymark.

So wirbt der Fachverband Mineralwolleindustrie auf seiner Website für Keymark.

Hintergrundwissen
21. März 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Qualitätszeichen: Was bedeutet das Keymark-Symbol?

Die führenden Hersteller der deutschen Mineralwolleindustrie haben im Herbst 2016 für ihre Produkte das Qualitätszeichen „Keymark“ eingeführt und unterwerfen sich damit freiwillig einer regelmäßigen Fremdüberwachung. Kurz zuvor hatte das Ü-Zeichen in Deutschland seine rechtliche Bedeutung weitgehend verloren. Der folgende Beitrag erläutert die Zusammenhänge.

Die Einführung des Keymark-Symbols erfolgte durch den Fachverband Mineralwolleindustrie, dem die Hersteller Climowool, Rockwool, Knauf Insulation, Saint-Gobain Isover und Ursa angehören. Um zu verstehen, warum diese Unternehmen nun auf eine neue Form der freiwilligen Produktzertifizierung setzen, müssen wir ein wenig ausholen und noch einmal auf die Kennzeichen CE und Ü eingehen, die wir letztes Jahr schon mal in einem eigenen Beitrag behandelt hatten.

Bauprodukte, die das CE-Kennzeichen tragen, werden auf Grundlage einer europäischen Produktnorm (EN-Norm) hergestellt und dürfen deshalb in der gesamten EU frei gehandelt werden. Das CE-Zeichen verweist damit auf die Einhaltung der in Europa geforderten Mindestanforderungen an ein Produkt. Die Einhaltung wird allerdings nicht fremdüberwacht.

CE- und Ü-Zeichen

Nun kann es aber vorkommen, dass ein EU-Land an die Errichtung von Bauwerken auf seinem Staatsgebiet hohe Qualitätsanforderungen stellt, die mit den in der EN-Norm eines Bauprodukts definierten Leistungen gar nicht erreichbar sind. In solchen Fällen darf das betreffende Produkt in dem Mitgliedsstaat zwar gehandelt werden, es darf aber nicht für die dortigen Bauwerke verwendet werden – oder zumindest nicht für alle Arten von Bauwerken.

Vor allen in Deutschland sind die Anforderungen an Bauwerke häufig höher als die in EN-Normen definierten Mindestanforderungen an Bauprodukte. Doch woher wissen nun Bauherren, Baustoffhändler oder Handwerker, ob sie ein CE-gekennzeichnetes Produkt hierzulande überhaupt verwenden dürfen? Dafür gab es in Deutschland bisher das Übereinstimmungszeichen Ü. Zusätzlich zum CE-Zeichen kennzeichnete dieses Symbol bislang, ob ein Produkt in Deutschland tatsächlich verbaut werden darf. Darüber hinaus ist das Ü-Zeichen auf solchen Baustoffen zu finden, die hierzulande verwendet werden dürfen, für die es aber bisher noch gar keine EN-Norm gibt, die also auch kein CE-Zeichen tragen.

Neue Musterbauordnung

Bereits 2014 hatte der Europäische Gerichtshof Deutschland aufgefordert, die Praxis der nationalen Zusatzanforderungen an europäisch harmonisierte Bauprodukte zu beenden. Als Reaktion darauf wurde im Herbst 2016 die deutsche Musterbauordnung (MBO) geändert. Die entscheidende Neuheit: Bauprodukte mit CE-Kennzeichnung dürfen nicht mehr gleichzeitig auch das deutsche Ü-Zeichen tragen. Damit hat dieses Zeichen weitgehend seine rechtliche Bedeutung verloren.

Viele Baustoffhersteller sind mit dieser neuen Form der europäischen Harmonisierung allerdings gar nicht einverstanden. Vor allem Hersteller von leistungsfähigen Produkten sehen eine Kennzeichnungslücke, wenn Bauprodukte, für die es eine EN-Norm gibt, nur noch ausschließlich mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet werden. Schließlich ist dann nur die Erfüllung europäischer Mindestanforderungen gekennzeichnet. Um die Lücke zu schließen, greifen manche Hersteller zum Mittel der freiwilligen Produktzertifizierung. Und an diesem Punkt kommt nun das Keymark-Zeichen ins Spiel.

Fremdüberwachtes Qualitätssiegel

Optisch verbindet das Keymark-Symbol die Themen Europa und Schlüssel („Key“).

Optisch verbindet das Keymark-Symbol die Themen Europa und Schlüssel („Key“).

Viele Händler, Verarbeiter, Architekten und Planer fürchten zum Beispiel, dass künftig mehr minderwertige Dämmstoffe nach Deutschland importiert werden, wenn es neben dem CE-Zeichen kein zusätzliches Qualitätssiegel mehr gibt. Das CE-Zeichen basiert auf einer Selbsterklärung der Hersteller und erfordert keine Fremdüberwachung. Das Keymark-Zeichen dagegen garantiert eben genau diese Fremdüberwachung. Anders als das CE-Zeichen ist die Verwendung des Keymark-Symbols für die Hersteller nicht verpflichtend. Es handelt sich um eine zusätzliche Produktzertifizierung auf freiwilliger Basis.

Nach Angaben des Fachverbandes Mineralwolleindustrie werden beim Keymark-System alle Produkteigenschaften, die in der zugehörigen Leistungserklärung aufgeführt sind, einmal jährlich von unabhängigen Instituten überprüft. Das Keymark-Zeichen auf den Dämmstoffen sichere „die hohen deutschen Qualitätsstandards von Mineralwolle“, heißt es auf der Website des Fachverbandes.

Europäisches Kennzeichen

Der englische Begriff „Keymark“ bedeutet auf Deutsch einfach nur „Kennzeichen“. Es handelt sich um ein europäisches Zertifizierungszeichen, das nicht nur auf Mineralwolle beschränkt ist. Es gibt zum Beispiel auch bereits Keymark-Zertifizierungen für Solarthermie-Module und für Wärmepumpen. In Deutschland wird das Kennzeichen von DIN CERTCO vergeben – einem gemeinsamen Unternehmen des TÜV-Rheinland und des DIN Deutsches Institut für Normung.

Mit dem Keymark-Zeichen dokumentieren Hersteller den Verbrauchern gegenüber, dass ihre Produkte (oder Dienstleistungen) die Leistungsanforderungen erfüllen, die in europäischen Normen festgelegt sind. Aber geschieht das nicht bereits durch das CE-Zeichen? Im Prinzip schon. Aber wie oben bereits erwähnt: Das CE-Zeichen basiert nur auf einer Selbsterklärung der Hersteller und setzt keine Fremdüberwachung voraus. Bei Keymark können die Verbraucher dagegen sicher sein, dass die Einhaltung des Leistungsversprechens regelmäßig von unabhängigen Stellen kontrolliert wird. Außerdem sind die Hersteller verpflichtet, bei Produkten mit Keymark-Zeichen eine werkseigene Produktionskontrolle nach EN ISO 9001 durchzuführen.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: freierjournalist@rolandgrimm.com

 

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