RM Rudolf Müller
2016 fielen in Deutschland knapp 215 Mio. t ungefährlicher mineralischer Bauabfälle an. Foto: Pixabay

2016 fielen in Deutschland knapp 215 Mio. t ungefährlicher mineralischer Bauabfälle an. Foto: Pixabay

Hintergrundwissen
16. April 2019 | Artikel teilen Artikel teilen

Verwertung mineralischer Bauabfälle

Beim Abriss von Gebäuden oder beim Aufbruch alter Straßenbeläge fallen regelmäßig riesige Mengen Bauschutt sowie Boden- und Steinmaterialien an. Ein Großteil davon ist keineswegs nutzloser Abfall. Zumindest bei den mineralischen Stoffen handelt es sich um wertvolle Rohstoffe für neue Einsatzzwecke. In Deutschland werden rund 90 % aller mineralischen Bauabfälle umweltverträglich verwertet.
So steht es im aktuellen Monitoring-Bericht „Mineralische Bauabfälle“ der Initiative Kreislaufwirtschaft Bau.

Hinter der Initiative Kreislaufwirtschaft Bau stehen sieben baunahe Organisationen: der Bundesverband Baustoffe − Steine und Erden (bbs), der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE), die Bundesgütegemeinschaft Recycling-Baustoffe (BGRB), die Bundesvereinigung Recycling-Baustoffe (BRB), der Deutsche Abbruchverband (DA), der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB).

Seit 1996 veröffentlicht die Initiative im zweijährigen Turnus Monitoring-Berichte mit den Daten zum Aufkommen und zum Verbleib mineralischer Bauabfälle. Der aktuelle und inzwischen elfte Bericht wurde im Dezember 2018 veröffentlicht und basiert auf den amtlichen Daten des Jahres 2016. Unter www.kreislaufwirtschaft-bau.de ist er als kostenloses PDF abrufbar.

Hohe Recyclingquoten

Von den 214,6 Mio. t ungefährlicher mineralischer Bauabfälle, die 2016 in Deutschland anfielen, wurden laut Monitoring-Bericht knapp 193 Mio. Tonnen (fast 90 %) einer umweltverträglichen Verwertung zugeführt. „Mineralische Bauabfälle werden heute nahezu vollständig verwertet und im Stoffkreislauf gehalten“, sagt Michael Basten, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Baustoffe – Steine und Erden.

Die oben genannten 214,6 Mio. t mineralischer Bauabfälle setzten sich im Detail wie folgt zusammen: 125,2 Mio. t Boden und Steine (58,3 %), 58,5 Mio. t Bauschutt wie Beton, Ziegel oder Fliesen (27,3 %), 16 Mio. t Straßenaufbruch (7,4 %), 0,6 Mio. t Bauabfälle auf Gipsbasis (0,3 %) und 14,3 Mio. t sonstige Baustellenabfälle (6,7 %).

Im Bereich Straßenbau ist die Recyclingquote besonders hoch. Das bei der Sanierung oder beim Abriss alter Fahrbahnen anfallende Aufbruchmaterial wird nahezu vollständig verwertet. „Über 95 % davon werden ortsnah recycelt und dann als Baumaterial wiederverwendet“, sagt Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. „Unsere Unternehmen haben mit großem Erfolg in innovative Gewinnungs- und Recyclingtechnologien investiert“, begründet er die Verwertungserfolge.

Verwertungsmöglichkeiten

Der aktuelle Bericht ist unter www.kreislaufwirtschaft-bau.de als kostenloses PDF abrufbar.

Der aktuelle Bericht ist unter www.kreislaufwirtschaft-bau.de als kostenloses PDF abrufbar.

Wie oben erwähnt machen Boden und Steine (Bodenaushub, Baggergut, Gleisschotter) mengenmäßig den größten Anteil am jährlichen mineralischen Bauabfall aus. Davon wurden allerdings nur 9,1 % für die Herstellung von Recycling-Baustoffen genutzt. Den größten Anteil dieses Materials (77 %) verwertet man stattdessen im übertägigen Bergbau und in anderen Maßnahmen (überwiegend im Deponiebau).

Beim Bauschutt stellt sich die Situation genau anders herum dar: 77,7 % der 2016 angefallenen Beton-, Ziegel-, Keramik- und Fliesenabfälle wurden wieder zu neuen Baustoffen recycelt. 16,1 % verwertete man im Rahmen der Verfüllung von Abgrabungen und auf Deponien. Bei den aus mineralischen Bauabfällen hergestellten Recycling-Baustoffen handelt es sich meist um Gesteinskörnungen – also um Schüttgüter. Sie entstehen vor allem aus der Verwertung der Abfallfraktionen Bauschutt und Straßenaufbruch.

2016 wurden aus mineralischen Bauabfällen immerhin 72,2 Mio. t solcher Recycling-Baustoffe hergestellt. Das entsprach einem Anteil von 12,7 % des Gesamtbedarfs an Gesteinskörnungen in Deutschland. Die Recycling-Gesteinskörnungen kamen vor allem im Straßenbau (52,8 %) sowie im Erdbau (22 %) zum Einsatz.

Von den Bauabfällen auf Gipsbasis wurden nur 4,5 % für Recycling-Baustoffe wiederverwertet. Rund 40 % dieser mineralischen Abfälle kamen für den Deponiebau oder im Bergbau zum Einsatz. 55,4 % beseitigte man auf Deponien. Der größere Teil dieser Abfälle wurde also nicht wiederverwertet.

Güteüberwachung notwendig

Aber birgt die Wiederverwendung alter mineralischer Bauabfälle, zu denen beispielsweise auch Böden gehören, nicht auch Gefahren? Können dadurch nicht problematische Schadstoffe in neue Bauvorhaben einfließen? Natürlich ist es wichtig, dass nur geprüftes Recycling-Material wiederverwendet wird. Das Zauberwort in diesem Zusammenhang heißt Güteüberwachung. „Wir können im Ergebnis unserer langjährigen Erfahrung feststellen, dass güteüberwachte Recycling-Baustoffe und Böden, die einer umfangreichen Kontrolle zur Einhaltung der bautechnischen und umweltrechtlichen Anforderungen unterliegen, nicht nur Primärbaustoffe ersetzen können, sondern auch in keinem Fall zu einer schädlichen Veränderung von Boden oder Grundwasser geführt haben“, sagt Christine Buddenbohm, Geschäftsführerin der Bundesgütegemeinschaft Recycling-Baustoffe.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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